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Deutsche Bank Research

Technologische Konvergenz in Sicht

01.06.2006 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

Seit den 1980er Jahren gilt die Informations- und Kommunikationstechnologie als zentrale Technologie für die wirtschaftliche Entwicklung. Zahlreiche Branchen profitieren von ihrem Innovationspotential. Während vor einigen Jahren das Thema Konvergenz noch als futuristische Vision angesehen wurde, verspricht die aktuelle Diskussion das reale Verwischen von Branchengrenzen.

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1 Technologische Konvergenz in Sicht
2 Auswirkungen, Strategien und Fazit

Inzwischen ist das Phänomen auch für den Normalbürger insbesondere bei Endgeräten spürbar: Blackberry, Mediacenter oder Multimedia-Handys dienen als Beispiele. Aber auch mit Telefonie via Internet oder Fernsehen über das Mobiltelefon sind Visionen für den Verbraucher greifbar. Dennoch: wir stehen noch ganz am Anfang des Weges in die digitale Welt. Gerade im Bereich der Infrastrukturen und den zugehörigen Diensten werden erst in den nächsten fünf bis zehn Jahren einschneidende Veränderungen Wirklichkeit. Die vorliegende Studie analysiert die wichtigsten Trends der Konvergenz auf den Ebenen Infrastruktur, Endgeräte und Dienste und zeigt strategische Handlungsmöglichkeiten der betroffenen Unternehmen auf.

Was ist Konvergenz?

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Konvergenz wird oft sehr allgemein und vereinfachend als Prozess des Zusammenwachsens der ursprünglich weitgehend unabhängig operierenden Branchen Telekommunikation, Informationstechnologie und Medien bezeichnet. Der Konvergenzprozess läuft aber differenzierter auf verschiedenen Ebenen ab, z.B. bei Infrastrukturen, Endgeräten oder Diensten. Wir definieren Konvergenz als Prozess des qualitativen Wandels, der zwei oder mehr bestehende, zuvor getrennte Märkte verbindet. Triebkraft ist zumeist die Weiterentwicklung einer oder Integration verschiedener Technologien. Dies erlaubt Infrastrukturen, Endgeräten oder Diensten eine neue Funktionalität anzunehmen. Eine weitere wichtige Quelle der Marktkonvergenz ist die Veränderung von Produkteigenschaften durch neue Technologien (Produktkonvergenz).
Beispiele veranschaulichen, dass bereits heute diese drei Ebenen der digitalen Wertschöpfungskette durch die Konvergenz geprägt sind - wenn auch in unterschiedlichem Maße:

- Bei der sog. IP-Konvergenz wird Sprach- und Datenkommunikation über eine gemeinsame Netzwerkinfrastruktur auf Basis des Internet-Protokolls bereitgestellt.

- Smartphones illustrieren die Konvergenz bei Endgeräten. Sie vereinen u.a. die Funktionen eines Mobiltelefons und eines Personal Digital Assistants (PDA) und kombinieren diese mit Online-Diensten.

- Interaktives Fernsehen (iTV) ist ein Konvergenzbeispiel bei Diensten. Über iTV können die Verbraucher interaktive Dienste (z.B. Teleshopping, Video-on-Demand) am heimischen Fernseher nutzen.

Was sind die maßgeblichen Treiber für Konvergenz?

Die vollständige Digitalisierung von Inhalten und Netzen ist notwendige Voraussetzung für Konvergenz. Sie ermöglicht die Übermittlung verschiedener Dienste über gemeinsam genutzte Netze in weit größerem Umfang als bisher. Die Konvergenz der Infrastrukturen wird am so genannten Triple Play deutlich: TV-Kabelnetzbetreiber bieten über ihre Netze nicht nur Zugang zu Fernsehen, sondern auch Sprachtelefonie und Internetdienste an.

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Darüber hinaus beschleunigt die zunehmende Penetration mit breitbandigen Internetzugängen die Konvergenz. Erst über breitbandige Zugänge wird die Nutzung komplexer Dienste (z.B. Multimedia-Angebote) attraktiv bzw. möglich. Zu breitbandigen Internetzugängen zählt im Festnetz insbesondere xDSL und der Internetzugang per TV-Kabel. Die europäischen Länder starten bei der Breitbandversorgung von niedrigem Niveau. Wir erwarten allerdings ein dynamisches Wachstum: so dürfte sich die Zahl der in Deutschland dominierenden DSL-Anschlüsse bis 2007 auf 16 pro 100 Einwohner verdoppelt haben. Für den Anwender komplexer Dienste wird die zur Verfügung stehende Bandbreite aher künftig immer weniger ein limitierender Faktor sein.

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Treffen die Prognosen der Branche zu, so dürfte sich der mobile breitbandige Internetzugang mit noch größerer Dynamik verbreiten. Der Branchenverband BITKOM schätzte, dass es Ende 2004 in Deutschland erst 250.000 UMTS-Handys bzw. PC-Karten gab. Die Zahl hat sich aber bis Ende 2005 auf 2,3 Mio. knapp verzehnfacht
(3 Anschlüsse pro 100 Einwohner). Verschiedene Schätzungen kommen zu dem Ergebnis, dass in Europa bis zum Jahr 2010 die Marktpenetration von UMTS bei ca. zwei Drittel liegen wird. Der mobile breitbandige Internetzugang ist ein wichtiger Konvergenztreiber, da der Anwender dadurch komplexe mobile Dienste komfortabel nutzen kann. Für ihn wird es aus technischer Sicht künftig unerheblich, ob er breitbandig leitungsgebunden oder mobil im Internet surft.
Gleichzeitig begünstigt der kurze Lebenszyklus bei mobilen Endgeräten, insbesondere Mobiltelefonen, den Konvergenztrend. Laut einer A.T. Kearney-Studie sind 59% der in Deutschland genutzten Mobiltelefone innerhalb der letzten zwölf Monate angeschafft worden. Derzeit kommen immer mehr multimediafähige mobile Endgeräte auf den Massenmarkt. Dies zeigt, dass neue Technologien sehr schnell diffundieren.

Welche Formen der Konvergenz gibt es?

Konvergenz eröffnet Unternehmen neue Absatzmärkte. Gleichzeitig können neue Produkte mit weiterentwickelten Technologien für etablierte Unternehmen auch eine Bedrohung ihrer angestammten Märkte darstellen. Dies ist dann der Fall, wenn der technische Fortschritt dazu führt, dass ein neues Produkt ein bestehendes potenziell ersetzt (so z.B. Ablösung von herkömmlichen PDAs durch Smartphones). Die Beurteilung der Frage, ob eine technologische Innovation das Geschäftsmodell eines Unternehmens bedroht oder es ihm erlaubt, neue Märkte zu erschließen, ist Grundlage für strategische Unternehmensentscheidungen. Diese hängen fundamental davon ab, nach welchem Muster Konvergenz stattfindet. Es lassen sich vier Konvergenztypen unterscheiden, die in Abhängigkeit vom jeweiligen Konvergenztreiber (Technologien oder Produkte) und von der Beziehung der Märkte zueinander (substitutiv bzw. komplementär) eingeordnet werden können:

- Technologische Substitution: Die Basistechnologie Internet hat in den 1990er Jahren breiten Einzug in verschiedene Anwendungsmärkte gehalten und dort etablierte Technologien ersetzt. Im Laufe des Diffusionsprozesses des Internets wurden in den Branchen weitere Prozess- und Produktinnovationen möglich. Diese Branchen sind durch die gemeinsame Basistechnologie verbunden.

- Technologische Integration: Das Beispiel des PDA zeigt, dass aus der Kombination von verschiedenen Technologien ein neues Produkt entstehen kann. In diesem Fall wurden Technologien aus den Bereichen Computerhardware und -software, Unterhaltungselektronik (LCD-Bildschirm) und Telekommunikation zu einem neuen Produkt, dem PDA, zusammengeführt. In den Markt für PDAs stießen anfänglich vornehmlich Anbieter von Unterhaltungs- und Haushaltselektronik (insbesondere Taschenrechner) vor, später folgten Anbieter aus der Computerbranche.

- Komplementäre Produktkonvergenz: Mit zunehmender Verbreitung der Internettechnologie und der damit verbundenen digitalen Services wollten Anwender diese Dienste auch unterwegs nutzen können. Mobile Datenkommunikation wurde aber erst durch den Mobilfunkstandard GPRS mit seinen - im Vergleich zu GSM - höheren Übertragungsraten nutzerfreundlich. Die vormals nur getrennt nutzbaren, komplementären "Produkte" PDA und Online-Dienst erzeugten durch ihre Verbindung einen Zusatznutzen für den Kunden. Dies ist für die so genannte komplementäre Produktkonvergenz charakteristisch (Technologie als Bindeglied).

- Substitutive Produktkonvergenz: Smartphones finden seit Mitte der 1990er Jahre zunehmend Verbreitung. Sie integrieren die herkömmliche Sprachtelefonie, den Datenaustausch via E-Mail und Internet sowie die grundlegenden Datenbankfunktionen eines PDA in einem Produkt. Während Mobiltelefon und PDA in keiner Substitutionsbeziehung zueinander stehen, kann das konvergente Produkt Smartphone sowohl das herkömmliche Mobiltelefon als auch den PDA grundsätzlich ersetzen. Für die etablierten Unternehmen bedeutet diese Substitution ein erhebliches Risiko für ihr arriviertes Geschäftsmodell.

Größe und Bedeutung der betroffenen Branchen

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Ihre Bedeutung erhält die Konvergenz vor allem durch die Größe und das teilweise rasante Wachstum der betroffenen Branchen.

Anhaltend starkes Marktwachstum
Maßgeblich sind die drei Branchen Informationstechnologie, Medien und Telekommunikation von den Konvergenztrends betroffen. Allein für die beiden Marktsegmente Informationstechnologie und Telekommunikation schätzt das European Information Technology Observatory (EITO) das globale Marktvolumen für 2005 auf knapp EUR 2.000 Mrd. Das sind rd. 6% des Welt-BIP. Hinzu dürften noch einmal rd. EUR 750 Mrd. Marktvolumen für die Medienwirtschaft inklusive der Unterhaltungselektronik kommen. Ein Drittel des gesamten ITK-Marktes entfällt auf Europa, ein gutes Viertel auf die USA und rd. 15% auf Japan. Gerade ein Viertel des Weltmarktes befindet sich in den übrigen Ländern.

IT-Branche: Software und Dienstleistungen stützen Wachstum
Der gesamte westeuropäische IT-Markt erreichte 2005 ein Marktvolumen von rd. EUR 300 Mrd. Davon entfallen über 40% auf IT-Dienstleistungen, ein knappes Viertel auf Software-Produkte und ein Viertel auf Computer Hardware. Den Rest machen Bürogeräte wie Kopierer sowie Datennetze aus. In den letzten Jahren verlief die Entwicklung für Software und Dienstleistungen deutlich besser als jene für Hardware. Allerdings können sich jene Hardware-Produkte, die Mobilität ermöglichen, dem generellen Trend entziehen. Während die Umsätze mit Desktop-Computern zwischen 2002 und 2005 in Europa um rd. 15% sanken, legten die Umsätze mit tragbaren Computern im selben Zeitraum um knapp 30% zu. Spätestens 2008 dürfte das Marktvolumen der tragbaren Geräte jenes der Desktops in Europa überschreiten.

Telekom: Mobilfunkdienste wachsen schnell

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Der Gesamtmarkt für Telekommunikation in West-Europa (Hardware, Netzausstattung und Dienstleistungen) wird von EITO auf fast EUR 320 Mrd. taxiert. Der größte Teil dieses Marktes entfällt auf Netzdienste, v.a. Telefon- und Datendienste. Mittlerweile ist der Markt für Mobilfunkdienste mit EUR 120 Mrd. sogar deutlich größer als der Markt für Festnetzdienste (EUR 84 Mrd.). Während die Mobilfunkdienste zwischen 2002 und 2005 um fast 20% zunahmen, sanken die Festnetzdienste im selben Zeitraum um knapp 5%. Dieses Auseinanderlaufen dürfte freilich in den nächsten Jahren nicht mit derselben Dynamik anhalten, da das Festnetz durch VDSL für Diensteanbieter wieder interessanter wird. Zwar werden die Mobilfunknetze auch in Zukunft an Bedeutung gewinnen - insbesondere in infrastrukturschwachen Gebieten - eine vollständige Ablösung der Telekommunikation über das Festnetz ist jedoch unwahrscheinlich. Eine stärkere Symbiose beider Netze zeichnet sich freilich ab (Fixed-Mobile Convergence).

Rasante Veränderungen in der Unterhaltungselektronik
Die Branche der Unterhaltungselektronik wächst zwar nur moderat. Es gibt aber gravierende Strukturverschiebungen innerhalb der Branche. Diese betreffen erstens allgemeine technische Neuerungen, z.B. die Ablösung der klassischen Bildröhrentechnik. So wurden im Jahr 2002 nach Angaben der GfK noch 85% der Umsätze mit TV-Geräten in Europa mit klassischen Röhrenbildschirmen erzielt; 2004 waren es nur noch 56%. Die technische Neuerung ist quasi Katalysator für die Konvergenz, denn bei notwendigem Ersatz springt der Nutzer gleich zur fortgeschrittenen Technologie.

Zweitens setzt sich der Trend zur Digitalisierung fort. Das betrifft sowohl Aufzeichnungsgeräte (Kameras) als auch die Übertragungs-
standards zwischen Geräten. Alle drei Standards, also die Breitbandübertragung per Satellit (DVB-S), die Übertragung per terrestrischer Antenne (DVB-T) als auch die Übertragung per Kabel (DVB-C) verbreiten sich sehr rasch - allerdings von niedrigem Niveau. Auch der Markt für die neuen digitalen Wiedergabegeräte (z.B.
iPod) wächst zweistellig. Je mehr diese neuen Technologien erweiterte Programme und Dienste ermöglichen, desto schneller werden die traditionellen Übertragungswege von Bild und Ton verdrängt.
Drittens werden die traditionellen Aufzeichnungsgeräte CD und Video zunehmend substituiert. Es ist zu erwarten, dass in den nächsten Jahren nur noch Abspielgeräte im Handel sind, die auch eine Aufnahmefunktion besitzen.

Digitale Konvergenz verändert Branchen
In konvergierenden Märkten fällt die Branchenabgrenzung schwerer. Ein Handy, auf dem Fernsehprogramme empfangen werden und Videos betrachtet werden könnten, wäre gleichzeitig Telefon, TV-Gerät und Videoplayer. Das bedeutet auch, dass konvergierende Märkte oft gleichzeitig von Unternehmen aus den betroffenen Ursprungsbranchen bedient werden können. Die Markteintrittsbarrieren sinken für diese Unternehmen und die Wettbewerbsintensität nimmt zu. Zwei Aspekte erhöhen die Wettbewerbsintensität zusätzlich.

- Globalisierung: Offene Kapital- und Gütermärkte führen sehr häufig dazu, dass standardisierte Produkte dort produziert werden, wo die Arbeitskosten niedrig sind. Das heißt, sobald ein Produkt einfach zu imitieren ist, wird die Produktion verlagert.

- Wissen als strategische Ressource: Auf den betroffenen Märkten werden überwiegend Produkte angeboten, die bei der Fertigung umfangreiches Wissen erfordern. Da Wissen Elemente eines öffentlichen Gutes hat und bei globalen Informationsnetzen und mobilen Arbeitskräften immer schneller diffundieren kann, erodieren Wettbewerbsvorsprünge schnell. Unternehmen in Hochlohnländern werden dadurch in einen intensiven Innovationswettbewerb gedrängt.
Beide Aspekte führen in Kombination dazu, dass Wissensvorsprünge immer schneller aufgeholt werden können, und dies erhöht die Wettbewerbsintensität. Dieser Entwicklung sind die Hersteller von Endgeräten und die Diensteanbieter wesentlich stärker ausgesetzt als die Infrastrukturanbieter, da die versunkenen Kosten bei Infrastruktur als Markteintrittsbarriere wirken.

Konvergenz: wo stehen wir heute?

Konvergenz findet auf den drei Ebenen Infrastruktur, Endgeräte und Dienste statt. Der Verbraucher ist diesem Trend bei den Endgeräten und den mit ihnen verbundenen Diensten schon heute direkt ausgesetzt, da das Phänomen Konvergenz den Massenmarkt erreicht. Demgegenüber zeichnen sich im Bereich der Infrastruktur zwar bereits Trends ab, die realwirtschaftlichen Konsequenzen kommen aber erst in den nächsten Jahren zum Tragen.

Endgeräte: Der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt
Die Produzenten von Endgeräten stellen derzeit zahlreiche Produktinnovationen vor. Hierbei wird häufig ein am Markt arriviertes Produkt (z.B. Mobiltelefon oder Drucker) um weitere Funktionen aus anderen Produktmärkten ergänzt (z.B. Kamera / MP3-Player bzw. drahtlose Datenübertragung). Das Kalkül der Anbieter ist leicht am Markt für Mobiltelefone zu illustrieren: Die Anbieter integrieren eine neue Funktion (z.B. Digitalkamera), um dem Kunden in einem gesättigten Markt ein Argument für die Anschaffung eines neuen Gerätes zu liefern. Es ist damit zu rechnen, dass dieser Prozess in einem schnellen Innovationswettlauf zügig voranschreiten wird. Multimedia-Handys werden so zu mehr oder weniger perfekten Substituten von Digitalkameras bzw. tragbaren Musikabspielgeräten. Bereits heute wächst der Absatz von Kamerahandys wesentlich schneller als der Absatz von Digitalkameras. Hier dürfte die substitutive Produktkonvergenz neue Konkurrenzbeziehungen zwischen zuvor unabhängig operierenden Unternehmen erzeugt haben. In diesem Fall sind es Anbieter von Unterhaltungselektronik und TK-Endgeräte-Hersteller, aber auch PC-Hersteller (z.B. Apple bei Musikabspielgeräten).

Infrastruktur: Triple Play noch in den Kinderschuhen

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Auch im Bereich der Infrastruktur und der über diese bereitgestellten Dienste werden sich für die beteiligten Unternehmen neue Konkurrenzbeziehungen entwickeln. Triple Play, d.h. das Angebot von Fernsehen, Telefonie und Internet über eine gemeinsame Infrastruktur (Kabel- oder Telefonnetze) auf Basis des IP-Protokolls, ist in den USA bereits Realität. Gut ein Viertel der US-amerikanischen Haushalte haben per TV-Kabel-Modem Zugang zum Internet und sind damit auch eine Zielgruppe für Internettelefonie. In West-Europa und speziell in Deutschland steckt das Konzept hingegen noch weitgehend in den Kinderschuhen. Triple Play ist für die Anbieter, die heute den Konsumenten mit Zugang zu Fernsehen, Internet und Telefonie versorgen, selbst jenseits der technischen Hürden nicht leicht umzusetzen. Im Fokus stehen insbesondere Telefongesellschaften und Kabelnetzbetreiber.
Über einen Breitbandanschluss können nicht nur Filme im Einzelabruf empfangen werden oder zur Wiedergabe von der Festplatte aus dem Internet heruntergeladen werden. Auch Fernsehprogramme können bereits heute übertragen werden. Für Telekommunikationsunternehmen ist es eine besondere Herausforderung, ihr traditionelles Angebot um einen Zugang zu IP-TV oder Video-on-Demand (VoD) zu ergänzen. Dies setzt voraus, dass sie den Medienkonsumenten den Zugang zu Inhalten ermöglichen, z.B. indem sie Partnerschaften mit Inhalteanbietern (Fernsehsendern, Filmproduzenten) eingehen. Die Telekommunikationsunternehmen betreten mit einer erweiterten Produktpalette Neuland und müssen ihre Kompetenzen und ihre Marke in den neuen Märkten erst entwickeln. Dabei dürften Partnerschaften mit starken etablierten Marken entscheidend sein. Dazu gehört auch, die Verbraucher vom Mehrwert der kostenpflichtigen Angebote (z.B. VoD) zu überzeugen.
Das in den USA vorherrschende Modell, bei dem Kabelnetzbetreiber Triple Play anbieten, ist in Deutschland noch weit von einer kritischen Masse entfernt. Dazu müssen die Kabelnetzbetreiber ihr Angebot in Richtung Sprachkommunikation und Internetzugang erweitern. Aber auch iTV bzw. VoD sind neue Angebote, die Herausforderungen für das Geschäftsmodell darstellen. Bisher begrenzen die unzureichende Digitalisierung und der zumeist fehlende Rückkanal im TV-Kabelnetz solche Angebote. Die Entwicklung dürfte auch künftig aufgrund des hohen Investitionsbedarfs sowie der begrenzten Mittel der Anbieter, der komplexen Eigentumsstruktur des Kabelnetzes und der Trennung der Netzebenen eher zögerlich verlaufen. Triple Play ist heute erst in bestimmten Städten und einzelnen Bundesländern verfügbar. Die Verbreitung von Triple Play über das Kabelnetz in Deutschland dürfte in den nächsten Jahren eher begrenzt bleiben.

Dienste: Festnetzanbieter zunehmend in Bedrängnis

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Demgegenüber hat es die Internettelefonie (Voice over IP, VoIP) in Deutschland und Europa bereits auf die Titelseiten zahlreicher Fachzeitschriften gebracht. Der Kern der Internettelefonie besteht darin, Sprache in Datenpakete umzuwandeln und sie so über ein IP-Netz zu transportieren. Insbesondere Internet Service Provider (ISP), neue Spezialanbieter (z.B. Skype) aber auch Softwaregiganten wie Microsoft treten an, um den Telekommunikationsunternehmen ihr Geschäftsfeld streitig zu machen. VoIP ist im heutigen Umfeld vor allem für Unternehmen attraktiv, stößt aber bei Privatkunden auf Startschwierigkeiten. Für die ISP ist die heute noch begrenzte, wenn auch schnell wachsende Zahl der Breitbandanschlüsse sowie die fehlende Möglichkeit zur gleichzeitigen Nutzung eines Teilnehmeranschlusses durch mehrere Dienste-Anbieter (Entbündelung) eine Restriktion im Kampf um den Verbraucher. EITO erwartet allerdings, dass bereits 2007 15% der privaten Telefonminuten über VoIP-Verbindungen laufen.
Mittelfristig dürfte die Technologie den Telekommunikationsmarkt revolutionieren ("disruptive technology"), da sie auf konventionellen Technologien basierende Geschäftsmodelle auf Dauer untergräbt. Hinzu kommt, dass VoIP auch über mobile Netze realisierbar ist. Etablierte Telekommunikationsunternehmen sind daher mittelfristig gefordert, strategische Antworten auf die konvergente Technologie zu finden, d.h. ihre Netzwerke aufzurüsten, um die neue Technologie in ihr Angebot zu integrieren. Die etablierten Anbieter müssen sich dem intensiven Wettbewerb stellen, und zwar sowohl bei der Verteidigung angestammter Geschäftsfelder als auch bei der Suche nach alternativen Angeboten (z.B. Video).
Die Telekommunikationsbranche steht aber auch im Bereich der herkömmlichen Telefondienste vor der Herausforderung verschärfter Konkurrenzbeziehungen. So versuchen immer mehr Mobilfunkbetreiber ihre Kunden zu überzeugen, ganz auf das Festnetz zu verzichten und ausschließlich mobil zu telefonieren (Fixed-Mobile-Convergence). Der Mobilkunde kann in einer Nahzone um seine Wohnung zu Preisen telefonieren, die nah an den Festnetzgebühren liegen. Als Gegenstrategie wollen Festnetzgesellschaften kabellose Telefone anbieten, die automatisch auf das Mobilfunknetz schalten, sobald der Kunde das Haus verlässt. Einem Durchbruch des ausschließlich mobilen Telefonanschlusses steht aber heute noch die fehlende Entbündelung in Deutschland entgegen. Denn vor der noch ausstehenden, flächendeckenden Verbreitung von UMTS können Mobilkunden nur dann über einen breitbandigen Internetzugang im Web surfen, wenn sie auch einen Festnetzanschluss besitzen. Langfristig dürfte sich der bereits abzeichnende Trend zur Substitution von Festnetz- durch Mobilfunkverträge langsam fortsetzen.

Neue Dienste braucht das Land

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Die Konvergenz von Endgeräten, Infrastruktur und Diensten verläuft wechselseitig verstärkend. Mit leistungsfähigeren Endgeräten und einer breitbandigen Infrastruktur werden auch neue komplexe Dienste möglich. Komplexe Dienste wiederum dürften die Nachfrage nach Infrastruktur mit größerer Bandbreite erhöhen. Es werden zwar langsam Dienste und Inhalte konzipiert, die höhere Bandbreiten benötigen - diese Geschäftsfelder stehen aber erst am Anfang. Im mobilen Bereich dominiert heute noch der Umsatz mit Klingeltönen. Nach Schätzungen von EITO dürften mit dem Vordringen breitbandiger mobiler Technologien künftig aber insbesondere die Umsätze mit mobilen Informationsdiensten und Musik-Downloads jenseits der Klingeltöne stark wachsen - wenn auch von einem niedrigen Niveau aus. Mobil zu empfangende Videos und Spiele werden zwar mit geringeren, aber immer noch deutlich zweistelligen Wachstumsraten zulegen. Die Umsatzentwicklung bei digitaler Musik zeigt, dass die Bedeutung des mobilen Vertriebskanals für Inhalte im Verhältnis zum stationären über PC oder Kabel wachsen wird.
Dennoch: Die gesuchte Killerapplikation für die neue Mobilfunkgeneration UMTS ist noch nicht in Sicht. Vielleicht wird dies das Fernsehen via Handy oder PDA. Das Programm wird von den Anbietern speziell auf mobile Endgeräte zugeschnitten. Mobiles Fernsehen als neues Angebotsformat ist ein typisches Beispiel für eine komplementäre Produktkonvergenz: vormals nur getrennt zu verwendende Güter (Mobiltelefon und Fernsehen) sind durch technischen Fortschritt nun verbunden und stellen ein zusätzliches Angebot für den Verbraucher dar. Auch mobile Routenplaner, die dem Nutzer in Abhängigkeit von seinem Standort im Push-Service Informationen über

Fahrtroute oder Verkehrslage übermitteln (Location Based Services), zählen zu Hoffnungsträgern.

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Inhalt:
DSL-Anbieter auf der Jagd nach Inhalten  Teil 1 Technologische Konvergenz in Sicht
Auswirkungen, Strategien und Fazit Teil 2 Auswirkungen, Strategien und Fazit


 

 

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