Kategorie: Spotlight Erstellt am Mittwoch, 23. Mai 2001 02:00
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Spotlight | Mai 2001
Hüh und Hott mit Lebensmitteln
Uniriese meldet Konkurs an, LeShop sucht verzweifelt nach Investoren ist der Lebensmittelverkauf übers Web schon am Ende? Oder gilt es auch hier, mit längerem Atem auf die Zukunft zu setzen?
Bereits in der vergangenen Woche hat der Leipziger Lieferdienst Uniriese.de Konkurs angemeldet. Für viele überraschend, schließlich wurde noch im März eine Ausweitung des Service auf ganz Deutschland angekündigt. Und auch im Rheinland stehen die Zeichen auf Krise: nach der Trennung vom erfolgreichen Schweizer Service geht LeShop langsam das Geld aus. An mangelnder Nachfrage soll es nicht liegen: Beide Unternehmen betonen, dass die Umsätze sich kontinuierlich gesteigert haben.
Die Prognosen für den Online-Lebensmittelmarkt sind noch immer vielversprechend. Trotz der gegenwärtig allgemein schwierigen Situation im B2C sollte man nicht vergessen, dass in den nächsten fünf Jahren ein hohes zweistelliges Wachstum prognostiziert wird, mahnt z.B. Ken Cassar, Senior Analyst von Jupiter Media Metrix. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 64 Prozent ist substantiell höher als der Zuwachs, den die Brick-and-Mortar Lebensmittelhändler realisieren werden. Nahezu zwei Prozent des Umsatzes im gesamten Lebensmittelmarkt sollen bis 2006 in den USA über das Internet erwirtschaftet werden: Nach Einschätzung der Jupiter Analysten steigen die Umsätze von einer Milliarde US$ in 2001 auf 11,3 Milliarden in 2006.
Aber auch die Pessimisten haben zumindest nicht ganz Unrecht. So korrigierte Jupiter die erste Prognose für das Jahr 2001 um 50 Prozent, und von den zwei Milliarden Umsatz blieb lediglich eine übrig. Ehe Gewinne eingefahren werden können stehen hohe Start-Investitionen an. Viele potenzielle Kunden kennen die Lebensmittel-Lieferdienste nicht, die auch in ihrer Region tätig sind, so ein Vorwurf der Experten von Datamonitor. Um das Potential in diesem Segment auszuschöpfen, sollten die Verantwortlichen in diesem Bereich jetzt damit beginnen, ihre Marken zu positionieren und die Nachfrage anzukurbeln. Nur so ist man für die Zukunft gerüstet, kommentiert Erlinda Hendarwan von Datamonitor.
Es scheint, als ob die Tiefe der Taschen bei der Eroberung dieses Marktes die entscheidende Rolle spielen wird. Die aussichtsreichsten Kandidaten für Führungspositionen sind laut Datamonitor so genannte Dot.bams, Brick-and-Mortar Händler, die bei ihren Investitionen in Online Shopping Services nicht kleckern, sondern klotzen. Sie werden den Kunden die vielbeschworene Convenience bieten können: die ganze Palette des Lebensmittelsortiments ebenso wie flexiblere und kostengünstigere Abholoptionen in ihren Filialen anstelle des Lieferservice. Für die reinen Internethändler dagegen sieht die Zukunft nicht so rosig aus. Karge Gewinnmargen und hohe Kosten für effektive Fulfillmentlösungen werden die meisten scheitern lassen, so Hendarwan. Größeres Potential wird allerdings für Kooperationen zwischen Clicks und Bricks gesehen: Vielleicht findet sich vor diesem Hintergrund noch ein potenter Partner für LeShop?
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