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wLAN: Es liegt was in der Luft...

25.07.2001 - Erweist sich der UMTS-Markt noch vor seinem eigentlichen Start als milliardenschwerer Irrtum? Nicht dass es an guten Marktprognosen zum mCommerce mangelt, vielmehr treiben konkurrierende mobile Lösungen den Lizenzinhabern inzwischen die Schweißperlen auf die Stirn.

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wLAN: Es liegt was in der Luft...

Erweist sich der UMTS-Markt noch vor seinem eigentlichen Start als milliardenschwerer Irrtum? Nicht dass es an guten Marktprognosen zum mCommerce mangelt, vielmehr treiben konkurrierende mobile Lösungen den Lizenzinhabern inzwischen die Schweißperlen auf die Stirn.

Das Bild des vergangenen Sommers ist insbesondere vielen Kleinanlegern noch gegenwärtig: Im Zuge explosionsartiger Entwicklungen auf den Aktienmärkten versteigerte die Regulierungsbehörde für Telekom und Post (RegTP) insgesamt sechs UMTS-Pakete für die Rekordsumme von knapp 100 Milliarden DM. Eine schöne Stange Geld für eine Technologie, für deren Nutzung im Verlauf mehrerer Jahre erst noch die notwendige technische Infrastruktur und darüber hinaus ein entsprechender Markt geschaffen werden muss. Die erhofften Profite scheinen da jedenfalls noch in weiter Ferne, auch wenn die Analysten nicht müde werden, den baldigen Siegeszug mobiler eCommerce-Angebote und eBusiness-Solutions zu vermelden. Zumal es sich erweisen könnte, dass die von den Marktforschern in Aussicht gestellten Profite nicht zwangsläufig mit der Nutzung der UMTS-Technologie einhergehen müssen.

Szenenwechsel: Im Münchener Hotel Kempinski "Vier Jahreszeiten" wird Anfang Juli medienwirksam der baldige Einsatz einer hauseigenen Internetanbindung per wLAN (wireless Local Area Network) angekündigt. Gegen Zahlung von 150 DM täglich, erhalten Gäste des Nobelhotels eine Internetverbindung für ihre Laptops oder sonstigen Endgeräte, die sie mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 11 Megabit pro Sekunde förmlich durch das Netz der Netze katapultiert. Das entspricht in etwa der fünffachen Geschwindigkeit von UMTS. Weitaus beeindruckender ist jedoch der Umstand, dass dieses mobile lokale Netzwerk auf Basis einer Standard-Funkverbindung arbeitet und so im Gegensatz zu seinen aufwendig lizenzierten Pendants beinahe zum Nulltarif zu haben ist.

Auch wenn die wLAN Technologie keineswegs neu ist und in Deutschland vor allem im Bereich wissenschaftlicher Einrichtungen bereits einige Verbreitung erfahren hat, stellt das Kempinski-Projekt jetzt jedoch das erste "öffentliche Muster" für den Einsatz dieser Technologie dar. Und damit ein Beispiel, das durchaus Schule machen könnte, wie insbesondere die Ersteigerer der UMTS-Lizenzen fürchten. Im Stile des legendären HB-Zigarettenmännchens gingen die jüngst "geschröpften Bieter" jetzt zunächst einmal profilaktisch in die Luft und bedrängen die Regulierungsbehörde, dem drohenden Unheil per Dekret zu Leibe zu rücken. Schließlich könne es ja nicht sein, dass sie selbst enorme Summen für den Erwerb einer "Mobilfunklizenz" aufwenden müssten, während Dritte eine attraktive Technologie quasi hinterher geworfen bekämen. Einzig MobilCom hält sich bedeckt und fährt eine Doppelstrategie. So hat man auf der letzten CeBIT bereits ein eigenes wLAN-Testnetzwerk vorgestellt.

Nun ist es ja nicht so, dass man UMTS und wLAN tatsächlich so unmittelbar miteinander vergleichen sollte, als würden sie zueinander im Wettbewerb stehen. Denn das wLAN ist immer an einen lokalen Ort gebunden und stellt bei einer Übertragungsreichweite von etwa 30-100 Metern in geschlossenen Räumen sowie mehreren hundert Metern im Freien keinesfalls eine echte mobile Verbindung dar. Verlässt man den Einwahlbereich, so ist es auch mit der Übertragung vorbei. Selbst bei einem flächendeckenden LAN-Netz würde das derzeit bedeuten, dass man sich auf einer Fahrt zwischen Punkt A und Punkt B pausenlos neu in das jeweilige Netz einwählen müsste. Attraktiv ist diese Verbindungsform jedoch im Bereich geschlossener Systeme, so etwa in öffentlichen Gebäuden, auf Bahnhöfen und Flughäfen oder innerhalb großer Unternehmen, Konzerne, Krankenhäuser oder eben auch Hotels. In den USA bieten bereits heute viele dieser Einrichtungen einen kostenlosen Highspeed-Online-Zugang als zusätzlichen Service. Bekanntestes Beispiel: Die Coffeeshop-Kette Starbucks in Zusammenarbeit mit Microsoft und dem amerikanischen Provider Mobile Star.

Das Problem der UMTS-Protagonisten liegt also vermutlich in der Aussicht begründet, einen noch nicht einmal in Sichtweite befindlichen "Kuchen" quasi per se bereits mit Anderen teilen zu müssen. Diese Einschätzung wird durch entsprechende Marktzahlen gedeckt. So zählen die Analysten von Rhetorik bereits heute 15% der wichtigsten 80 britischen Unternehmen zu den Nutzern des so genannten "neuen 802.11b"-Standards (wLAN), während weitere 16% einen entsprechenden Schritt unmittelbar vorbereiten. Die Auguren von Frost & Sullivan haben erst kürzlich eine Studie mit der Einschätzung veröffentlicht, wonach der Umsatz auf dem wLAN-Sektor bis zum Jahre 2005 die 10 Milliarden Mark Schallmauer durchbricht.

Und niemand vermag heute vorherzusagen, ob sich der gordische Knoten der "mangelnden Mobilität des IEEE 802.11b-Funknetzes" nicht doch eines Tages wird durchschlagen lassen.

Autor: Ralf Koyro

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