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UMTS: Ist Erfolg käuflich?

12.09.2001 - In der Aussicht auf milliardenschwere Geschäfte haben auch deutsche Telcos kräftig in den Aufbau und die Nutzung von UMTS investiert. Inzwischen mischen sich unter die erwartungsfrohen Prognosen auch vermehrt kritische Stimmen.

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UMTS: Ist Erfolg käuflich?

In der Aussicht auf milliardenschwere Geschäfte haben auch deutsche Telcos kräftig in den Aufbau und die Nutzung von UMTS investiert. Inzwischen mischen sich unter die erwartungsfrohen Prognosen auch vermehrt kritische Stimmen.

Für die größte Negativ-Schlagzeile der jüngsten Vergangenheit sorgte mit Vodafone dabei interessanter Weise einer der UMTS Big-Player selbst. So passierten Meldungen das Unternehmensumfeld, wonach aus Kostengründen über eine Reduzierung der Übertragungsgeschwindigkeit zum Start von UMTS nachgedacht werde. Experten stellten darauf hin die Multimedia-Tauglichkeit einer solchen Lösung infrage und damit auch die Durchsetzungsfähigkeit der 3. Mobilfunk-Generation. Inzwischen folgten von Vodafone jedoch Dementis zu den Aussagen verbunden mit der Erklärung, dass man in jedem Falle am beschlossenen Fahrplan festhalten und der Start von Multimedia-Diensten pünktlich in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres erfolgen werde.

Aus Sicht der Marktforscher von PricewaterhouseCoopers hängt der Erfolg von UMTS ohnehin weniger von technischen Details als vielmehr vom Aufbau und der Vermarktung des Serviceangebots ab. Entscheidend bleibe hierbei der konkrete Nutzen und Mehrwert für den Verbraucher, wie die Analysten im Rahmen ihres im Juni veröffentlichten Branchenreports „Technology Forecast 2001-2003“ betonen.

Auch in Deutschland kommen entsprechende Untersuchungen zu ganz ähnlichen Resultaten: So hat eine bundesweite Expertenbefragung des Electronic Commerce Forums (eco) Köln ergeben, dass es aus heutiger Sicht vor allem drei „Killerapplikationen“ für UMTS gebe: Eine Navigationshilfe mit "intelligenten" Stadtplänen, das Ansehen von Videoclips sowie der Videochat mit Freunden gelten demnach als wichtigste Anwendungen. 71% der Befragten halten die Übertragung persönlicher Bilder beim Telefonieren und "SMSen" für die wichtigste UMTS-Anwendung, wohingegen 63% "intelligente" Stadtpläne favorisieren. Für die Hälfte der Kontaktierten ist das UMTS-Handy außerdem eine tragbare Videothek, um vor allem Musikclips zu konsumieren. Zudem halten 38% die Nutzung des Handys als "digitales Fotoalbum" für ein bedeutsames Einsatzgebiet.

Während rund drei Viertel der vom eco-Verband Kontaktierten erwarten, dass der UMTS-Markt ab 2005 in Schwung kommt, zeigen sich 25% deutlich skeptischer. Sie bezeichnen UMTS heute schon als Flop. Hauptgründe: Zu hohe Lizenzgebühren und die mangelnde Verfügbarkeit verbraucherfreundlicher Endgeräte. 38% glauben zudem, dass eine Killerapplikation für UMTS fehlt. Falls UMTS tatsächlich scheitern sollte, haben 75% dafür auch gleich eine Erklärung parat: "Kein Bedarf beim Verbraucher." Dr. Bettina Horster, Leiterin des eco-Arbeitskreises und zugleich Vorstand der Dortmunder Vivai Software AG, kommentiert: "Offenbar wurde von den Betreibern viel Geld in die Hand genommen, ohne die leiseste Vision zu haben, was sie den Kunden letztendlich anbieten wollen."

Der eco-Verband hat sich in seiner Umfrage auch mit Alternativen befasst. Fast zwei Drittel der befragten Experten glauben aber nicht, dass die japanische Konkurrenztechnik I-Mode die europäische UMTS-Norm ernsthaft behindern kann. Die Hälfte stuft hingegen Funk-WANs, in den USA sehr populär, als potenzielle Bedrohung für UMTS ein. Seinem Vorläufer GPRS werden im Übrigen überwiegend gute Chancen prognostiziert: 63% sind fest davon überzeugt, dass GPRS im Laufe des Jahres 2002 eine schwungvolle Marktentwicklung erleben wird. Ein Viertel sagen GPRS sogar schon ab diesem Herbst eine stärkere Verbreitung voraus.

In jedem Falle scheint den Telcos aber noch eine ganze Menge Arbeit ins Haus zu stehen, bevor sie die vermeintlichen UMTS-Früchte werden ernten können. Oder um es mit dem griechischen Dichter Hesiod zu sagen: „Vor den Verdienst setzten den Schweiß die Götter...“

Autoren: Birte Wimmer und Ralf Koyro

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