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Bill Payment: Mit Rechnungen Reibach machen

14.11.2001 - Einst als kommende Killer-Applikation angekündigt, sind Online-Rechnungsservices bislang noch nicht so richtig auf die Beine gekommen. Die jüngsten Marktentwicklungen geben jedoch Anlass zu neuer Hoffnung.

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Bill Payment: Mit Rechnungen Reibach machen

Einst als kommende Killer-Applikation angekündigt, sind Online-Rechnungsservices bislang noch nicht so richtig auf die Beine gekommen. Die jüngsten Marktentwicklungen geben jedoch Anlass zu neuer Hoffnung.

So beziffert die Yankee Group den Anteil amerikanischer Konsumenten, die sich fällige Rechnungen auf den Bildschirm schicken lassen, auf gegenwärtig bereits 8,7%. Im Jahr zuvor lag dieser Wert noch bei 5,1%. Nutznießer dieser Entwicklung bleiben bislang allerdings vorwiegend noch die Banken, denen als Mittelsmann zwischen Kunden und Käufer offenbar noch immer eine große Bedeutung beigemessen wird. So erfuhren die Marktforscher, dass von den Online-Bill-Payment Nutzern immerhin 55% den Weg über die Online-Angebote der klassischen Finanzdienstleister gehen und lediglich etwas mehr als 10% ihre Internet Service Provider oder andere Dienstleister mit der Begleichung offener Posten betrauen.

Das große Potential hat inzwischen jedoch eine ganze Reihe neuer Wettbewerber wie Telcos, öffentliche Dienstleister, Kreditkarten-Anbieter, Webportale etc. auf den Plan gerufen und treibt die Marktentwicklung spürbar voran: „Banken, die bezüglich ihrer Investitionen in EBPP-Technologien (Electronic Bill Presentment and Payment) bisher nach dem „wait-and-see“-Prinzip verfahren sind, verfügen - aufgrund der großen Kundentreue sowie der steigenden Akzeptanz des Online-Banking unter Ihren umsatzstarken Kunden - noch immer über einen deutlichen Vorsprung“, erklärt Paul Hughes von der Yankee Group, „im nächsten Schritt gilt es die Standardisierung des Rechnungs-Vertriebs zu verbessern, so dass gewährleistet ist, dass der Kunde auf den größten Teil seiner Rechnungen via EBPP zugreifen kann. Denn das unterstreicht den eigentlichen Mehrwert, den diese Technik zu leisten vermag.“

Auch andere Marktforscher vermelden einen spürbaren Anstieg des Interesses am Online-Billing in den USA: So machen die Analysten von Gartner vor allem die gewachsene Angst vor Anthrax-Anschlägen via Briefpost dafür verantwortlich, dass bis zum Jahresende beispielsweise 32 Millionen Amerikaner ihre Kreditkartenauszüge und andere Rechnungen möglichst nicht mehr auf dem traditionellen Postweg erhalten möchten. Gegenüber den 20 Millionen Konsumenten Ende 2000 ein Anstieg um immerhin 60%. Seit dem 11. September würden Gartner-Klienten aus dem Billing-Service Sektor eine Zunahme der Anmeldungen und Registrierungen um 20% verzeichnen.

Dieser Einschätzung widersprechen die Kollegen von Jupiter Media Metrix indes heftig. So stieg der Traffic auf Bill-Payment-Angeboten in den ersten drei Oktoberwochen um durchschnittlich 2,8%, während das Wachstum im Mittel der 3 Vormonate bei einer wöchentlichen Zunahme um 2,5% lag. Die Differenz ist hier also bestenfalls als marginal zu bezeichnen, während Jupiters Auguren insgesamt ein dauerhaftes und stetiges Wachstum beim Online Bill-Payment ausmachen. „Online Billing wird in dem Maße zunehmen, in dem die Konsumenten der Vorteile dieses Services gewahr werden und immer mehr Rechnungen auch tatsächlich online verfügbar sind“, urteilt Jupiters Jim Van Dyke. 2001 liegt das Wachstum von Online-Rechnungen nach Jupiter bei 12% über Vorjahresniveau, Ende 2002 könnte sich das Volumen mehr als verdoppelt haben. Wer sich bereits heute eine Eindämmung der Papierflut (und damit möglicherweise auch der Anthrax-Gefährdung) durch Online-Rechnungen verspricht, müsse ohnehin enttäuscht werden, denn während der amerikanische Durchschnittshaushalt monatlich rund 18 Rechnungen erhält, ließen sich bei den meisten Online-Billing-Anbietern gerade einmal 6 Rechnungen monatlich begleichen.

Mit aktuellen Zahlen zum Thema kann der deutsche und europäische Markt gegenwärtig nicht aufwarten. Doch auch hierzulande bemühen sich Anbieter bereits emsig um einen Marktzutritt. So präsentierte beispielsweise Xerox auf der diesjährigen IT-Fachmesse Orbit/Comdex Europe 2001 eine entsprechende Lösung. Für Richard Gaechter, Manager bei Xerox, ist dabei klar: "EBPP hat das Zeug zur Killer-Applikation". Für die Konsumenten wird das Begleichen der Rechnungen deutlich einfacher und komfortabler. Der Rechnungssteller spart Papier und Porto und kann die Frist von der Rechnungsstellung bis zum Zahlungseingang verkürzen. Die Banken schließlich, die gegenwärtig den ganzen Aufwand für die Transaktionen tragen, können diese Kosten umlagern.“

Autor: Ralf Koyro

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