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Bezahlen aus Händlersicht: den Kredit nicht verspielen
24.07.2002 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

Die Kunden sollten sich keine größeren Gedanken beim Bezahlen im Internet machen müssen – die Händler dagegen stehen häufig vor komplizierten Problemen. Und zu allem Überfluss steht ihnen in punkto Kreditkarten-Zahlungen einiges an Ungemach ins Haus.

Besonders für kleinere Händler ist bereits die Auswahl der entsprechenden Zahlungsvarianten ein Drahtseilakt. Bietet man zu wenige alternative Bezahlvarianten an, geht schnell ein Teil der potentiellen Kundschaft verloren. Eine größere Auswahl treibt die Kosten in die Höhe und die oft ohnehin schon geringe Gewinnmarge wird noch schmaler. Ein akzeptabler Mittelweg ist gefragt. Eine erste Orientierung kann ein Blick auf den Status Quo in Sachen Zahlungssysteme liefern.

Klassische Zahlungsarten werden von den Online-Händlern immer noch bevorzugt eingebunden. Ein Blick auf die Präferenzen der Nutzer lässt den Schluss zu, dass sich dies auch in naher Zukunft nicht ändern wird. Laut einer aktuellen Untersuchung des Instituts für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsforschung der Universität Karlsruhe (IWW) steht die Nachnahme (57,3%) immer noch an der Spitze, gefolgt von der Kreditkarte/SSL (44,9%), der Rechnung (44,3%), der Vorauskasse (42,7%) und der Lastschrift (41,2%). Zwar werden auch zunehmend neuere Zahlungssysteme wie Paybox (24,5%) oder Micropayment-Systeme wie Net900 (21,4%) oder Firstgate click&buy (10,8%) angeboten, doch die Nachfrage auf Nutzerseite ist weitaus geringer.

angebotene Zahlungssysteme

Laut IWW-Studie bleibt das beliebteste Bezahlverfahren aus Kundensicht bei physischen Gütern die Rechnung. Es folgen die Nachnahme, die Lastschrift sowie die Kreditkarte/SSL. Aber auch unverschlüsselt gelangt die Kreditkarte immer noch erstaunlich häufig zum Einsatz. Allerdings ist hier die Zahlungs-Ausfallquote für den Händler so hoch wie nirgendwo sonst.

Vor allem bei grenzüberschreitenden Bestellungen führt jedoch kein Weg an der Kreditkarte vorbei. Und gerade hier hat sich in den letzten Wochen einiges getan. Nachdem der BGH entschieden hatte, das Ausfallrisiko für Kreditkartenzahlungen per Internet oder Telefon vom Händler auf die Kreditkartenunternehmen zu verlagern, war die Freude auf Seiten der Händler nur von kurzer Dauer. Im vergangenen Monat begannen Kreditkartenorganisationen wie EURO Kartensysteme damit, die bestehenden Händlerverträge ihrerseits im großen Stil zu kündigen, da Schäden in Millionenhöhe befürchtet wurden. Weil jedoch viele Internet-Händler auf die Kreditkarte als Zahlungsmittel nicht verzichten können, müssen Händler entweder mit neuen Verträgen zu schlechteren Konditionen rechnen oder sich vertraglich dazu verpflichten das Ausfallrisiko, wie vor dem Urteil des BGH, wieder selber zu tragen - wodurch das BGH-Urteil ad absurdum geführt würde.

Gegen das ungeliebte Urteil hat der Kartendienstleister B+S Card Service nun Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eingelegt. Eine Entscheidung diesbezüglich steht noch aus. Eins dürfte das jüngste „Kreditkarten-Hickhack“ jedoch bewirken: Sowohl Händler als auch Kreditkarteninstitute werden sich wieder verstärkt Gedanken um eine sichere und verlässliche Authentifizierung machen.

Autor: Matthias Robben

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