Kategorie: Spotlight Erstellt am Mittwoch, 16. Oktober 2002 02:00
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Spotlight | Oktober 2002
mCommerce: Jetzt gehts los?
Etliche Höhen und Tiefen hat der mCommerce-Markt schon hinter sich zumindest soweit es die Prognosen der Marktforscher betrifft. Gegenwärtig mehren sich allerdings die Zeichen, dass nun tatsächlich ein Durchbruch in erreichbare Nähe rückt.
Dass es mit dem mBusiness in Zukunft nicht schlecht bestellt sein wird, steht für Topentscheider aus Telekommunikationsunternehmen jetzt fest. Jeden fünften Euro der Investitionsbudgets wollen sie in das mobile Geschäft stecken, so die Ergebnisse des Branchenkompass mBusiness. Die Studie, die von Mummert Consulting, dem manager magazin und dem FAZ-Institut durchgeführt wird, betont: Beim mBusiness herrscht wieder Optimismus. Zwar seien bei weitem nicht alle alten Probleme gelöst, geschweige denn wegweisende Konzepte für sinnvolle Anwendungen im Umfeld von UMTS entwickelt. Aber zumindest ein hoffnungsloses Unterfangen haben die Akteure endgültig aufgegeben: die Suche nach Killerapplikationen. Es wird sie voraussichtlich nicht geben, lautet entsprechend die lapidare Zusammenfassung jahrelanger Anstrengungen.
Revolutionen werden also nicht mehr erwartet. Im mCommerce werden sich die Kunden schrittweise an neue mobile Dienste und Inhalte gewöhnen. Die hundert für den Branchenkompass befragten Topentscheider gehen dabei davon aus, dass sich Multimedia Messaging Service (MMS) als neuer Standard etablieren wird. Zurzeit mache allerdings die SMS zwei Drittel aller Umsätze bei mobilen Diensten aus. Die Experten von Jupiter stoßen in diesem Zusammenhang ins gleiche Horn: Der Premium Mobile Messaging Markt soll nach ihren Prognosen im Jahr 2006 bei 4,6 Mrd. Euro liegen. Angesichts dieser Umsätze versprechen sie eine Vielzahl von Chancen nicht nur für die Telekommunikationsunternehmen und Gerätehersteller, sondern insbesondere auch für Applikationsentwickler. Kurzfristig werde die SMS das bessere Geschäft ermöglichen, erläutert Mark Mulligan von Jupiter Research: Mit niedrigpreisigen Services für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche wird ein Aufschwung im Bereich der Premium SMS einsetzen, der im Jahr 2004 rund 21 Prozent der europäischen Handynutzer erreicht.
Jetzt schon rüsten sich zahlreiche Anbieter für diese rosigen Zeiten. So startet aktuell Viva Fernsehen die SMS-basierte Anwendung Info&Order in Kooperation mit AS Interactive, dem Multimedia-Anbieter des Axel Springer Verlages. Per Premium SMS können zu ausgewählten Clips topaktuelle Star-News, Tour-Daten, TV-Tipps sowie Ticket und CD-Angebote abgefragt werden. Der Service soll so perfekt auf die Bedürfnisse und Wünsche der jungen und sehr aktiven Zielgruppe zugeschnitten werden. Ein Beispiel aus den Specials von Viva TV:
Stell dir vor, auf VIVA läuft der neueste Clip von Britney. Du denkst: Was macht Britney eigentlich im Moment? Wann geht sie auf Tour? Wo kann ich ihre CD ordern? Wann ist sie das nächste Mal bei VIVA?
Viele Fragen. Eine Antwort: Der brandneue SMS-Service von VIVA! Mit einer SMS bekommst du alle Infos, News und Daten auf dein Handy. Und die Musik für zuhause kannst du auch bestellen.
Die Akzeptanz von Premium SMS bei einer anderen, sehr wahrscheinlich etwas älteren, Zielgruppe wird der ebenfalls in diesem Tagen an den Start gegangene Service Wiso-SMS2mail auf die Probe stellen. Zusatzinfos zur Sendung können jetzt auch per SMS abgerufen werden. Der Infoservice kostet pro Abruf nur einen Euro. Die Abrechnung erfolgt über die Mobilfunkrechnung. Dieses Micropayment-Konzept basiert auf der Premium SMS einer höher bepreisten SMS, die vom Mobil- oder Festnetzkunden an eine definierte, einheitliche fünfstellige Kurzwahlnummer gesendet wird. Diese Anwendung aus dem Hause der der Materna GmbH erlaubt dem Content-Lieferanten Informationen kostenpflichtig anzubieten, ohne eine eigenen Infrastruktur aufbauen zu müssen. Bei Premium SMS fließt ein Teil des Aufschlags auf den üblichen SMS-Preis an den Content-Lieferanten zurück. Immer mehr Unternehmen wie zum Beispiel Verlage oder Medienunternehmen setzen auf dieses Konzept. So nutzt zum Beispiel auch die Rheinische Post Premium SMS. Die über 50.000 Leser der Zeitung und Nutzer von RP-online können per SMS zum Beispiel Grüße - die online veröffentlicht werden - einschicken, an Tipp- und Gewinnspielen teilnehmen, einen Nachrichten- und Serviceabruf nutzen oder Newsletter abonnieren.
Fast erhält man den Eindruck, als seien Anbieter und Nutzer den Experten voraus. Denn was in teuren Reports empfohlen wird, setzen viele Services bereits um und ein. Fassen wir also den Stand der Dinge ebenso wie die Zukunftsperspektiven im mCommerce in Anlehnung an die Analysten von Gartner so zusammen: In Zukunft kommt es weniger darauf an, die Mobiltechnologie weiter zu entwickeln, als vielmehr die Informationsdienste ganz nah am Kunden umzusetzen. Denn Information via Handy wird von den Nutzern entsprechend des jeweiligen Kontextes angefordert. Ob sie für den Handynutzer interessant ist, hängt ebenso von Zeit und Ort, wie auch von den persönlichen Umständen des Nutzers ab. Erst wenn in diesen Zusammenhängen bereits Vertrauen aufgebaut ist, werden auch komplexere Funktionen wie der Kauf eines Flugtickets akzeptiert werden.
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