Kategorie: Spotlight Erstellt am Mittwoch, 04. Dezember 2002 01:00
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Spotlight | Dezember 2002
eCommerce: Fröhliche Weihnachten!
Der Freitag nach Thanksgiving markiert in den USA traditionell den Auftakt für das Weihnachtsgeschäft. Und die amerikanischen eTailer zeigen sich in diesem Jahr mit dem Start durchaus zufrieden.
Es scheint gleich eine ganze Reihe US-Shopper gegeben zu haben, die zwischen Truthahn und Football noch die Zeit zu einem Einkauf via Internet gefunden haben. So kletterte der Traffic auf den Shopping-Sites laut Nielsen/Netratings am vergangenen Freitag im Vergleich zur vorangegangenen Woche um 18%. Und ComScore Networks bilanzierte an eben genau jenem Freitag einen Online-Umsatz von 195,6 Millionen US$ und damit eine Steigerung um 30% gegenüber dem Vorjahr. Das Gros dieser wachsenden Umsätze stamme zudem ausdrücklich von nicht reiserelevanten Online-Sites. Wir gehen davon aus, dass die Online-Shopper in diesem Jahr nicht nur häufiger online einkaufen, sondern dabei auch mehr Geld ausgeben als im letzten Jahr, prognostiziert dementsprechend Scott Silverman, Executive Director von Shop.org.
Ein großes Stück des Weihnachtsetats wandert vom stationären zum Online-Handel, erwartet Patrick Gates, Vizepräsident bei AOL TimeWarner: Unser Stück vom Kuchen wird größer. Die jüngst veröffentlichten Ergebnisse des Medienriesen scheinen diese Aussage zu stützen: So verzeichnete AOL TimeWarner zwischen dem 25. November und 1. Dezember Online-Umsätze in einer Höhe von 1,09 Milliarden US$ und damit einen Zuwachs von 26% gegenüber dem Vorjahr. Der durchschnittliche Betrag, den AOL-Kunden über das hauseigene Portal im Web lassen, liegt inzwischen bei 269 US$.
Auch andere Portale haben Grund zur wachsenden Zufriedenheit: MSN spricht von einem 50%igen Traffic-Zuwachs im Bereich der Shopping-Angebote und Yahoo durfte sich über Mehrbestellungen in einer Größenordnung im hohen 20%-Bereich freuen. Overstock.com, die mit Lagerüberbeständen und Merchandising-Artikeln direkt vom Hersteller handeln, beziffern die Einnahmen des Thanksgiving-Wochenendes auf 2,5 Millionen US$ und bilanzieren damit eine Umsatzsteigerung um 150%.
Analysten fragen sich indes, ob dieser erfreuliche Anstieg auch während des gesamten Weihnachtsgeschäfts aufrechterhalten werden kann. Die Frage bleibt, ob die Leute in diesem Jahr nicht einfach nur früher ins Web gehen um ihre Einkäufe zu erledigen und der Markt dann plötzlich wieder in sich zusammenfällt, unterstreicht Nielsen/Netratings-Analystin Lisa Strand die noch bestehenden Zweifel. Die Anbieter wiederum wollen den gewachsenen Traffic auf ihren Sites in jedem Falle aufrechterhalten und planen deshalb für die ersten Dezemberwochen zahlreiche Sonderaktionen und Rabatte.
Innerhalb Europas dürfen sich in diesem Jahr vor allem wieder einmal die britischen Online-Händler über volle Kassen zum Fest der Liebe freuen. Allein sie können laut einer aktuellen Untersuchung von Forrester Research mit 2,6 Milliarden Euro Umsatz im Weihnachtsgeschäft rechnen. Aber auch hierzulande müssen Online-Händler keineswegs den Kopf hängen lassen, denn die gleiche Studie bescheinigt Deutschland innerhalb Europas den 2. Platz mit 2,2 Milliarden Euro Online-Umsatz. Dass Deutschland Großbritannien in Sachen eCommerce noch nicht überholt hat, liegt vor allem an den hohen Sicherheitsbedenken der hiesigen Nutzer und einer geringeren Verbreitung von Kreditkarten (Deutschland: 36 % gegenüber Großbritannien 67 Prozent). Dies lässt den durchschnittlichen Bon des deutschen Online-Kunden niedriger ausfallen. Jedoch darf dabei nicht übersehen werden, dass sich in Deutschland besonders viele Käufer im Internet informieren und dann im stationären Handel kaufen. Forrester schätzt diese indirekten Internetumsätze fürs deutsche Weihnachtsgeschäft auf zusätzliche 5 Milliarden Euro.
Dabei wird zum Weihnachts-Fest wie könnte es auch anders sein hauptsächlich nach Geschenkartikeln wie Büchern oder CDs gesucht. Über den Einkauf von unkomplizierten Produkte im Niedrigpreissegment wollen die Online-Shopper einer Trendumfrage von Mummert Consulting zufolge ihr Risiko beim Online-Shopping minimieren. So will auch ein Fünftel der Befragten auf keinen Fall mehr als 50 Euro pro Einkaufsvorgang ausgeben. Profitieren dürfen hiervon eTailer wie Amazon &. Co. Und dass beim weltweit größten Internet-Händler die Geschäfte mehr als gut laufen, zeigt auch ein Blick auf den Aktienkurs. Binnen Jahresfrist hat sich der Kurs der Amazon-Aktie wieder mehr als verdoppelt.
Autor: Ralf Koyro
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