Kategorie: Spotlight Erstellt am Mittwoch, 22. Januar 2003 01:00
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Spotlight | Januar 2003
RFID-Tags: Alles wird anders
Kein Zweifel: Supply Chains werden sich in den nächsten Jahren weiter einschneidend verändern. Aktuell ist sogar wieder einmal von Revolution die Rede Per Radio Frequency Identification will man den Weg einzelner Produkte vom Rohmaterial bis zur Mülldeponie verfolgen.
Michelin baut sie im Rahmen eines Pilotversuchs in Reifen ein, Procter&Gamble will Lippenstifte damit ausrüsten: Radio Frequency Identification (RFID)-Systeme scheinen zum Renner des Jahres 2003 zu werden. Die Idee ist nicht neu: Mit Hilfe von Radiowellen sollen Gegenstände, die mit einem RFID-Tag ausgerüstet sind, durch so genannte Reader automatisch identifiziert werden egal, ob auf dem Schiff, im LKW oder Container, noch auf der Palette oder schon im Regal. Im militärischen Bereich nutzte man diese Technik schon während des zweiten Weltkriegs, um mit Freund oder Feind Funkfeuern die Nationalität von Flugzeugen zu bestimmen.
Für die betriebswirtschaftliche Nutzung wird diese berührungslose Datenerfassung aktuell hochinteressant, weil die Preise für die Technologie kontinuierlich sinken. Und ein weiteres Nachlassen kann erwartet werden, dafür sorgt ein Großauftrag von Gillette. Das Unternehmen bestätigte Anfang des Jahres die Bestellung von 500 Millionen RFID-Tags bei Alien Technology. Wie bekannt wurde, will man zunächst in ausgewählten US-Filialen von Wal-Mart und Tesco die Tag-Technologie und ihre Auswirkungen auf die Supply Chain testen. Bei Erfolg könnten im Laufe der nächsten Jahre bis zu einer halben Milliarde RFID-Tags Teil der Ausstattung von Gillette-Produkten werden. Das Tracking über den ganzen Produktlebenszyklus hinweg zielt darauf, Umsatzeinbußen durch Diebstähle oder Verluste zu vermeiden. Darüber hinaus soll die Effizienz der Supply Chain gesteigert werden, denn Informationen über den Status und den Standort der Produkte sind zeitgleich verfügbar.
Zum Einsatz kommt dabei auch die 'Smart Shelf' Technologie, die ebenfalls für Gillette vom Auto-ID Center gemeinsam mit dem MIT entwickelt wurde. Dieses besondere Verkaufsregal nutzt RFID-Tags, die dem Auto-ID Center entwickelten Standard entsprechen, um den Status der Produkte zu beobachten und auf einem Display anzuzeigen. Wird das Produkt gestohlen, benachrichtigt das System das entsprechende Verkaufspersonal. Sinkt der Bestand unter eine vorher festgelegte Marge, ist eine automatische Nachbestellung möglich.
Aber nicht nur in den USA sind die Unternehmen beim Thema RFID aktiv, sondern ausnahmsweise scheinen diesmal die Europäer die Nase vorn zu haben. Marks & Spencer kündigte die Ausrüstung von 3,5 Mio. Tabletts zur Auslieferung von TK-Kost mit RFID Tags bereits im Mai letzten Jahres an. Sie sollen dem Personal und den Zulieferern detaillierte Informationen über den Bestand sechsmal schneller liefern, als es mit herkömmlichen Verfahren möglich ist. Ein kompletter Transportwagen mit mehr als 25 Tabletts könne beim Passieren einer Schranke in fünf Sekunden mit hoher Verlässlichkeit gescannt werden für das Scannen konventioneller Barcodes sind immerhin 29 Sekunden erforderlich.
Dass sich in Europa, aber auch in den USA auf diesem Feld in den kommenden Monaten noch einiges tun wird, davon zeigt sich auch Peter Abell von AMR Research überzeugt. Viele Unternehmen werden in diesem Jahr mit Pilotversuchen beginnen. Zunächst geht es dabei häufig um Anwendungen mit beschränktem Umfang. In Europa sind auch signifikante Entwicklungen zu erwarten, ähnlich dem Projekt von Marks & Spencer. Der Fokus werde auf dem Lager- und Distributionsmanagement liegen, so Abell. Er erwarte bis spätestens Ende 2003 die ersten Early Adopter.
Einen Schritt weiter in seinen Visionen geht Kevin Ashton, Direktor des Auto ID-Center. Für ihn liegt der Nutzen von RFID-Tags und Smart Shelves ganz klar in der möglichen Reduzierung der Lagerhaltung. Das Potential lässt sich seiner Einschätzung nach einfach auf den Punkt bringen: Ein Lager ist doch nur eine Entschuldigung dafür, dass man nicht weiß, was man braucht."
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