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mPayment: Cash-Cow wird zum Opferlamm
05.02.2003 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

Dass eCommerce hierzulande sehr bequem ohne digitale Zahlungssysteme auskommt, beweist die aktuelle Praxis täglich aufs Neue. Lediglich mPayment galt bislang noch als der große Hoffnungsträger für das Endkundengeschäft. Vielleicht zu Unrecht, wie der Fall Paybox offenbart.

Neue Ideen – in der Regel mit nicht unbeträchtlichen Investitionen verbunden – lassen sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nur sehr schwer an den Mann bringen. Dieses bekam zuletzt Paybox, der nach eigenen Angaben am weitesten verbreitete mobile Zahlungsservice Deutschlands, zu spüren. Denn in dem Moment, indem die Kooperationsbereitschaft bei Banken und Telekommunikationsanbietern spürbar abnimmt, erweist sich die geplante Erschließung des ‚Massenmarktes mPayment’ schnell als aussichtsloses Unterfangen. Paybox bekam dieses sogar in Form eines vollständigen Rückzugs der Deutschen Bank, des bisherigen Hauptaktionärs, zu spüren. Der bekannte Lösungsanbieter hatte in den vergangenen Monaten immer wieder betont, dass er, allein aus eigener Kraft, die Erschließung des Konsumentenmarktes nicht bewerkstelligen könne und daher den Markteintritt zusätzlicher Wettbewerber ausdrücklich begrüße. Doch sämtliche Ankündigungen von Banken, Mobilfunkbetreibern und Konsortien, eigene mobile Zahlungsmethoden zu etablieren, mündeten bis heute ausschließlich in Pilotprojekten, die zudem die notwendigen Anforderungen an eine mobile Zahlungsmethode auch nur ansatzweise erfüllen.

In das gleiche Horn stößt auch der eco-Verband mit einer aktuellen Expertenumfrage: Demnach haben kleinere, netzunabhängige Anbieter im mPayment-Markt kaum eine Chance. Die befragten mCommerce-Experten gehen davon aus, dass Vodafone und T-Mobile, die beiden Big Player der Mobilfunkbranche, den Markt in Zukunft dominieren dürften. Dr. Bettina Horster, Leiterin des eco-Arbeitskreises mCommerce, erklärt die Situation: „Payment-Services sind ein Massengeschäft mit ganz kleinen Margen. Selbst für die Netzbetreiber ist es nur attraktiv, wenn es ihnen gelingt, über das Bezahlen hinaus lukrative Mehrwertdienste zu verkaufen.“ Und demzufolge werden Banken, Handel und Softwarehersteller - nach fast einhelliger Meinung der Fachleute - beim Bezahlen mit dem Handy in Zukunft kaum eine Rolle spielen.

Auch die Hoffnung auf den „schnellen Euro“ dürfte sich für die künftigen Marktteilnehmer schnell als trügerisch erweisen: Erst ab 2005 soll im Bereich mPayment tatsächlich ein Milliardenmarkt entstehen. Jedoch sind 92 Prozent der befragten Spezialisten gleichzeitig davon überzeugt, dass der Markt zur Mitte des Jahrzehnts zumindest anläuft und 46 Prozent gehen zu diesem Zeitpunkt auch von einem starken Marktwachstum aus.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, zumal vor allem die ungenügende Kooperationsbereitschaft der Netzbetreiber (66 Prozent), mangelnde Standards (60 Prozent) und zu hohe Transaktionsgebühren für das Bezahlen per Handy (53 Prozent) noch immer als große Hürden beim mPayment angeführt werden müssen. Im Gegensatz zur Kreditkartenzahlung im Web spielen Sicherheitsbedenken beim mobilen Bezahlen dagegen nur eine untergeordnete Rolle.

Auch wenn das Ausscheiden von Paybox für den deutschen Markt sicher alles andere als positiv zu werten ist, bleibt das Konzept (mit den richtigen Partnern) trotzdem durchaus ambitioniert: In Österreich wird Paybox gemeinsam mit mobilkom austria, Österreichs größtem Mobilfunkanbieter, vermarktet. Dabei gilt vor allem die Breite des Angebots als ein wichtiger Erfolgsfaktor. Neben Online-Einkäufen kann dort auch in vielen Situationen des täglichen Lebens (Bahnfahrkarten, Taxifahrten etc.) per Handy bezahlt werden. In Deutschland ist es Paybox dagegen nicht gelungen, den Kunden namhafte „Offline-Kooperationen“ zu offerieren. Dass das Thema mPayment auch in Deutschland noch nicht aufgegeben wurde, zeigen dagegen die Aktivitäten von Vodafone in Form der für Kleinbeträge ausgelegten Payment-Variante mPay. Ob und vor allem wann sich mPayment hierzulande durchsetzen kann, bleibt indes abzuwarten.

Autor: Matthias Robben

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