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Wer ist denn alles so „drin“?
09.04.2003 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

Um erfolgreich Geschäfte zu betreiben, sollte man vor allem wissen, für wen man eigentlich arbeitet. Vor diesem Hintergrund haben demographische Untersuchungen zur Internetnutzung ebenso ihre Berechtigung wie Aussagen über neue Trends beim Nutzerverhalten. Und beide Bereiche können jetzt mit aktuellen Zahlen aufwarten.

So lieferte die Forschungsgruppe Wahlen erst gestern die neuesten Zahlen zur Verbreitung des Internet in Deutschland: Verfügte bereits zum Jahreswechsel erstmals jeder zweite deutsche Erwachsene über einen Zugang zum Internet, ist dieser Wert innerhalb der ersten drei Monate diesen Jahres nochmals um drei Prozentpunkte auf nunmehr als 53% angestiegen. Mit einer Verbreitung von 54% gegenüber 48% liegt der Westen in dieser Statistik noch immer ein wenig vor dem Osten der Republik. Eine weitaus größere Lücke klafft dagegen im geschlechterspezifischen Vergleich: Hier nutzen mit 60% gegenüber 46% noch immer deutlich mehr Männer als Frauen die vielfältigen Möglichkeiten des WWW.

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Galt das Internet lange Zeit als ‚junges Medium’, so gelangen die Meinungsforscher inzwischen zu der Erkenntnis, dass bis zum ‚reiferen’ Alter von 50 Jahren das Web nahezu durchgängig über alle Altersstufen hinweg zu je zwei Dritteln Einzug in den Alltag der Bürger gehalten hat. Und auch in der Gruppe der 50-59 Jährigen verfügen inzwischen 55% über einen Zugang ins Internet. Lediglich darüber hinaus flacht die Kurve mit einem Nutzeranteil von knapp 20% doch recht deutlich ab.

Noch immer ist das Internet ein Medium der Angestellten und Selbstständigen, die es nicht nur beruflich, sondern auch privat wesentlich häufiger nutzen als die Arbeiterschaft. Knapp drei Viertel der Selbstständigen sind mittlerweile im Netz erreichbar. Und während bereits über die Hälfte der leitenden Angestellten und Beamten (59%) wie auch der einfachen und mittleren Angestellten und Beamten (54%) einen Internet-Zugang besitzt, sind Facharbeiter (38%) sowie ungelernte Arbeiter (19%) weiterhin klar unterrepräsentiert.

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Doch für Anbieter ist es natürlich nicht nur von Interesse, wer alles „drin“ ist, sondern vor allem auch, wofür sich die Nutzer konkret interessieren. Gemessen am Informationsbedarf ist da laut Forschungsgruppe Wahlen zunächst einmal Tagesaktualität gefragt. Dementsprechend schwindet das Interesse an Börsennachrichten und Online-Brokerage ebenso folgerichtig weiter, wie der Bedarf an Politiknachrichten innerhalb des ersten Quartals 2003 zugenommen hat. Auf konstant hohem Niveau bewegt sich dagegen die Nutzungsintensität von Online-Shopping(49%) - sowie Preisvergleichs-Angeboten(64%).

Doch das Internet wäre nicht das Internet, wenn es neben der passiven Nutzung nicht auch noch die Möglichkeit des ‚aktiven’ Agierens bereithielte. Und so beschäftigte sich eine jüngere Untersuchung von AOL Europe mit den webbasierten Auswirkungen bzw. Veränderungen des Sozialverhaltens der Internet-Nutzer. Das knappe Ergebnis: Für die sozialen Kontakte sind die modernen Kommunikationsmöglichkeiten heute gar nicht mehr wegzudenken. Belegt wird diese Aussage gleich mit einer ganzen Reihe von Beispielen: So haben sich laut Studie bereits mehr als 40% aller kontinentalen Singles schon einmal via eMail zu einem ‚Date’ verabredet und 43% nutzen hierfür die Möglichkeiten des Instant Messaging. Doch nicht nur die traute Zweisamkeit wird heute oft via Internet organisiert, auch andere Formen des ‚get together’ bauen auf die schnellen und flexiblen Kontakthilfen: So hat mit 47% fast jeder Zweite in Europa bereits einmal eine Einladung zu einer Party oder anderen privaten Runde via eMail erhalten. In Deutschland liegt diese Quote gar bei 57%. 43% haben zudem schon wichtige persönliche Mitteilungen wie Hochzeits- und Geburtsanzeigen oder den Verweis auf einen neuen Arbeitsplatz per eMail versandt.

"Unsere Studie beweist den dramatischen Einfluss der Online-Medien auf den privaten Bereich", kommentiert Philip Rowley, Aufsichtsratsvorsitzender und Chief Operating Officer von AOL Europe. "Das Internet verändert die Art und Weise, wie wir unsere Sozialkontakte organisieren, wie wir zusammenkommen und wie wir persönliche Informationen übermitteln. Dass sich jeder vierte Europäer bereits per eMail mit einem Online-Bekannten im realen Leben verabredet hat, zeigt, wie stark das Netz unsere gesellschaftlichen Normen beeinflusst."

Brad Fay, Geschäftsführer der Custom Division bei RoperASW ergänzt: "Besonders interessant an diesen Ergebnissen sind die Belege für die Fähigkeit des Internet, Menschen zusammenzubringen." So habe man bewiesen, "dass dieses Medium die Welt kleiner werden lässt und Leute verbindet - eine Tatsache, die auch Sozialwissenschaftler, Unternehmen und Politik endlich begreifen sollten."

Daran, dass die Welt kleiner wird, haben offenbar auch Suchmaschinen einen nicht geringen Anteil. Denn wie die Untersuchung von AOL Europe ebenfalls herausgefunden hat, gehört auch das ‚Stöbern’ nach Namen und Daten von Bekannten inzwischen zu den sich wachsender Beliebtheit erfreuenden Aktivitäten im Web. Mehr als ein Viertel der Internet-Nutzer (28%) haben demzufolge bereits einmal entsprechend bei Google & Co. recherchiert. Sozialwissenschaftler haben hierfür übrigens die Begriffe ‚ego searching’ bzw. ‚vanity searching’ geprägt.

Dass die berufsbedingte Neugier der Analysten beim ‚Stöbern’ offenbar ebenfalls kaum Grenzen kennt, belegt eine Randnote der Untersuchung: Demnach berichteten 29% der befragten Nutzer beim Einkaufen via Web in Pyjama oder Bademantel vor dem Computer zu sitzen. Es dürfte interessant sein herauszufinden, wie sich eine solche Information für Online-Anbieter gewinnbringend nutzen lässt ;-)

Autor: Ralf Koyro

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