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Online-Travel: Von Krise keine Spur?

30.07.2003 - Rechtzeitig zur Ferienzeit häufen sich wieder einmal die Meldungen der eCommerce-Musterbranche. Durch besseren Kundenservice und gewitzte Marketingaktivitäten machen die Reisevermarkter auf sich aufmerksam und untermauern ihre Führungsansprüche. Gefragt ist dabei vor allem viel Fantasie.

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Online-Travel: Von Krise keine Spur?

Rechtzeitig zur Ferienzeit häufen sich wieder einmal die Meldungen der eCommerce-Musterbranche. Durch besseren Kundenservice und gewitzte Marketingaktivitäten machen die Reisevermarkter auf sich aufmerksam und untermauern ihre Führungsansprüche. Gefragt ist dabei vor allem viel Fantasie.

Ganz allgemein gesprochen, geht es dem Reisemarkt gegenwärtig wie vielen anderen Branchen auch: Man leidet mehr oder weniger still unter den widrigen wirtschaftlichen Verhältnissen und kann von Umsatzsteigerungen im Grunde nur träumen. Interessanterweise scheint diese Aussage jedoch genau dann seine Gültigkeit zu verlieren, wenn es um die Vermittlung von Reisen via Internet geht: Denn laut eMarketer werden in diesem Jahr die Online-Travel-Umsätze in Westeuropa um 32 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro ansteigen und somit einen Anteil am Gesamtmarkt von 4,4 Prozent erreichen.

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Dieses schlägt sich auch in den Besucherzahlen der entsprechenden Websites nieder. So besuchten allein im Mai laut Nielsen/Netratings mehr als 10 Millionen Internet-Nutzer Reisewebseiten. Diese Websites besaßen damit eine absolute Reichweite von mehr als 35 Prozent. Marktführer ist hier zu Lande weiterhin die Deutsche Bahn. Ihre Website lockt pro Monat mehr als 3 Millionen unterschiedliche Nutzer an. Sicher nicht zuletzt auch eine Folge der kundenfreundlichen Ausweitung der Online-Bestellmöglichkeiten von Bahntickets. Derzeit werden mehr als 6.000 Tickets täglich via Internet abgesetzt - Tendenz stark steigend. Aber auch Reisevermittler wie Expedia können sich über mangelndes Interesse nicht beklagen: Mit etwas mehr als 1 Million Besuchern im Monat Mai liegt man in Deutschland auf Platz 2 der Reisesites. Und dass die Geschäfte bei dem weltweit agierenden Travel-Portal gut laufen, bezeugt auch ein Blick auf den gegenwärtigen Aktienkurs, der sich nahe am Allzeithoch befindet, was heutzutage für eCommerce-Unternehmen – es sei denn, sie heißen eBay - sicherlich alles andere als selbstverständlich ist.

Der Erfolg der Reisebranche im Netz basiert in erster Linie auf handfesten Preisvorteilen gegenüber der klassischen Buchung im Reisebüro um die Ecke. Im Internet kann Urlaub deutlich billiger sein. Allerdings sollten Interessenten möglichst mehrere Adressen ansurfen, da laut dem Telekommunikationsmagazin "connect" selbst bei Linienflügen zum Teil erhebliche Preisunterschiede von über 300 Euro durchaus keine Seltenheit sind.

Insgesamt gesehen steckt die europäische Touristikbranche einer Studie der internationalen Unternehmensberatung Mercer Management zufolge jedoch in der schwierigsten Phase ihrer jüngeren Geschichte und muss sich vor allem stärker differenzieren. Steigender Individualismus und das wachsende Preisbewusstsein der Kunden bremsen laut Studie die Marktaussichten der Branche. Jedoch haben drei Geschäftsmodelle nach Ansicht von Mercer Management das Potenzial, sich erfolgreich am Markt durchzusetzen: internationale, integrierte Touristik-Konzerne, fokussierte Spezialanbieter und virtuelle Reiseveranstalter wie z.B. Lastminute.com. Letztgenannter machte in der vergangenen Woche zudem durch eine eher ungewöhnliche Marketingaktion auf sich aufmerksam: So versprach das Unternehmen, den ersten Teilnehmern einer bestimmten New-York-Reise den Reisepreis zu erstatten, falls es diesen gelänge, auf ihrem City-Trip einen „Promi“ zu fotografieren, der gleichzeitig das Logo von lastminute.com als „Beweismittel“ in die Kamera hält.

Auch wenn die künftige Entwicklung der gesamten Reisebranche heute eher schwer zu prognostizieren scheint: der Online-Travel-Markt dürfte sich erst ganz am Beginn einer Entwicklung mit überproportional großem Wachstum befinden.

Autor: Matthias Robben

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