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Spotlight | Februar 2004
Das World Wide Web als Lokalderby
Es klingt irgendwie paradox: Aber ausgerechnet stark regional ausgerichtete Online-Angebote erfreuen sich im Internet seit langem wachsender Beliebtheit. Und es scheint noch reichlich Potential vorhanden.
So ließ dieser Tage erst die allesklar.com AG mit einer neuerlichen Erfolgsmeldung seines Städteportals meinestadt.de aufhorchen: Im Januar rangierte das regional orientierte Informationsangebot laut IVW-Rating auf Platz 9 von insgesamt 400 gemeldeten Angeboten. Bemerkenswerter noch als die Platzierung ist hierbei jedoch die Zahl der für den Monat gezählten Seitenabrufe, die mit 139,7 Millionen sogar noch so bekannte Namen wie Focus-Online oder AOL.de auf die weiteren Plätze verweist. Und auch in Bezug auf die Visits freute sich der Betreiber über einen Anstieg um immerhin 45%.
Das Konzept ist dabei relativ einfach: meinestadt.de besteht nach eigenen Angaben aus einem flächendeckenden Netz von Stadtportalen aller 13.000 Städte und Gemeinden mit insgesamt 500.000 lokalen Links, 3,5 Millionen örtliche Branchenadressen, 40.000 Fotos, 80.000 Veranstaltungshinweisen, 300.000 Stellenangeboten und umfangreichem statistischen Zahlenmaterial. Als besonders attraktiv für das Angebot scheinen sich jedoch insbesondere die inzwischen vermehrt anzutreffenden strategischen Partnerschaften zu erweisen: So kooperiert man nicht nur mit mobile.de, die bezogen auf die jeweilige Stadt bzw. Gemeinde Gebrauchtwagenangebote regionaler Händler bereit stellen, sondern neuerdings auch mit anderen Anbietern in den Bereichen Partnersuche sowie Immobilien & Geld.
Mit einem ähnlichen Konzept aber noch nicht wirklich vergleichbaren Marktzahlen kann ein Angebot des Verlags für Neue Medien aufwarten: So ist in der deutschen Internethauptstadt Karlsruhe jetzt vermutlich das erste Weblog an den Start gegangen, das sich ausschließlich den lokalen Themen und Facetten der eigenen Stadt widmet. Ambitionierte Autoren greifen die wichtigen und aktuellen Lokalthemen auf und jeder Nutzer hat die Möglichkeit, hierauf unmittelbar zu reagieren. Vor allem im angelsächsischen Raum haben sich Weblogs längst als eigenständige und ernstzunehmende Alternative zu den üblichen Mainstream-Medien entwickelt und genießen breiten Zuspruch. Da sich die Entwicklung eines solchen Webangebots für nur eine einzige Stadt wohl kaum rechnet, darf man davon ausgehen, dass unter der Domain stadtblog.de in absehbarer Zeit noch weitere Lokalangebote entstehen werden.
Von vornherein auf eine einzige Kommune beschränkt ist ein aktuelles Projekt aus der neuen Welt: So versucht die kanadische Metropole Ottawa seit geraumer Zeit im Rahmen einer großen Stadtmarketing-Kampagne den Nachweis anzutreten, the most connected city in the world zu sein. Stellvertretend für diesen Anspruch steht das neue Stadtportal "Smartcapital.ca, das zu einer Mischung aus eGovernment, Business- und Lokalservice-Angeboten wachsen soll. Ob Antrag, Austausch oder Ausleihe (in der Stadtbibliothek): was immer für die Einwohner attraktiv sein könnte, soll sich auf diesem Webportal wieder finden. Tickets zum Schlittschuhlaufen oder auch nur Parken inbegriffen.
Eine bereits im vergangenen Jahr erschienene ARD/ZDF-Studie zum Thema Regionale Internetangebote unterstreicht das große Interesse der Nutzer an regional orientierten Serviceangeboten. So gaben bereits 2002 rund 25% der befragten Personen an, sich wenigstens einmal pro Woche über Aktuelles aus der Region zu informieren. Dort, wo es um konkrete Veranstaltungshinweise ging, lag dieser Wert sogar bei 31%. Bemerkenswerter erschien den Marktforschern jedoch, dass innerhalb eines Jahres - nämlich von 2001 auf 2002 - das Interesse an regionalen Informationen und Serviceleistungen im Internet deutlich angestiegen ist. Vor allem Freizeitangebote (35%) sowie regionale Veranstaltungskalender (30%) erfreuen sich demnach einer großen Beliebtheit. Und man muss kein Prophet sein, um festzustellen, dass sich diese Zahlen bis heute allesamt noch ein gutes Stück nach oben korrigiert haben dürften.
Die Nachfrage nach regionalen Serviceangeboten dürfte insbesondere mit der Etablierung von Location Based Services und der Bereitstellung entsprechender Angebote noch einmal spürbar zulegen. Doch diese vor allem auf schnellen Mobilfunkstandards fußenden Dienstleistungen die dem Handybesitzer dann vielleicht die Pizza des Tages oder das Schnäppchen der Woche seines lokalen Einzelhandels bequem als Kurznachricht offerieren, müssen bis dato noch als Zukunftsmusik gelten. Aber regionale Kontakt- und Tauschbörsen via Internet sind ja schon ein guter Anfang ;-)
Autor: Ralf Koyro
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