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Das Prinzip der natürlichen Auslese

15.03.2000 - Die Gesetze des Darwinismus scheinen offenbar auch in Bezug auf den Online-Handel anwendbar. Mit dem Unterschied, dass für einsetzende Marktbereinigungsprozesse hier lediglich einige wenige Jahre nötig sind. Akut vom Aussterben bedroht sind laut eines aktuellen Reports mehr als 50 reine Internet-Companies.

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Das Prinzip der natürlichen Auslese

Die Gesetze des Darwinismus scheinen offenbar auch in Bezug auf den Online-Handel anwendbar. Mit dem Unterschied, dass für einsetzende Marktbereinigungsprozesse hier lediglich einige wenige Jahre nötig sind. Akut vom Aussterben bedroht sind laut eines aktuellen Reports mehr als 50 reine Internet-Companies.

Die von Barron's in Auftrag gegebene und kommentierte Studie prognostiziert einer Vielzahl bekannter Websites und Online-Angebote das Ende ihrer Liquidität innerhalb der nächsten zwölf Monate. Als eine wichtige Ursache hierfür erkennen die Analysten vor allem das schnelle Ausreizen vorhandener Investitionsspielräume und damit verbunden die drastische Reduzierung verfügbarer Barmittel. Ohne neuerliche Finanzierungsrunden seien viele Internet-Companies damit bereits in Kürze zahlungsunfähig. Und als sei dieses allein nicht schon dramatisch genug, sehen sich einige der bekannten Online-Shops nunmehr zusätzlich mit einer wachsenden Anzahl finanziell potenter Wettbewerber konfrontiert.

Die prominentesten Opfer dieser virtuellen Evolutionsszenarien könnten dabei schon bald CDNow und Peapod werden. Während der 1998 gegründete Online-Musikalienhändler insbesondere mit dem Markteintritt Amazons vor etwa einem Jahr sowie der gerade erst gescheiterten "Verheiratung" mit Columbia House zu kämpfen hat, beklagt das Lebensmittel-Delivery Unternehmen Peapod nicht nur das gesundheitsbedingte Ausscheiden seines CEOs Bill Malloy, sondern fast zeitgleich den Rückzug wichtiger Investoren mit insgesamt 120 Millionen US$ Einlagekapital. Nach eigenen Angaben verfügt Peapod demzufolge nur noch über rund 3 Millionen US$ an Barmitteln bei einer "burn rate" von mehr als 8 Millionen US$ pro Quartal, während Wettbewerber wie Homegrocer und Webvan ihre Marktbemühungen intensivieren.

Die Börse reagiert auf die jüngsten Entwicklungen sowie die Einschätzungen von Pegasus Research International, die für den Barron's Report verantwortlich zeichnen, mit einer deutlichen Abwertung zahlreicher E-Commerce Unternehmen. Ob sich hieraus jedoch eine Bestätigung der getroffenen Prognosen ableiten lässt, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Insbesondere unter den CEOs zahlreicher Dot.com Unternehmen aber auch bei verschiedenen Marktforschern gibt es Zweifel am Zustandekommen der Analyse. So erklärt Glen Santangelo von Salamon Smith Barney in einer schriftlichen Stellungnahme: "Wenn wir einigen Ergebnissen der Studie auch durchaus zustimmen, so halten wir es doch für einen grundsätzlichen Mangel, dass für die Untersuchung ausschließlich die Marktdaten für das 4. Quartal 1999 zugrunde gelegt wurden." Gesichert scheint indes die Einsicht, dass die Abhängigkeit der Dot.com Unternehmen von ihren Investoren zunimmt - und die Broker mit erhöhter Sensibilität reagieren.

Autor: Ralf Koyro

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