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Auch tiefgefrorene Rinderembryos gehören zu den Produkten, die bereits seit geraumer Zeit mit Erfolg im Internet verkauft werden. Wen diese Feststellung nicht überrascht, der ist in den meisten Fällen entweder erfahrener Internetexperte - oder ein Landwirt, der das elektronische Geschäftsfeld beackert.



Und immer häufiger beides in Personalunion. Professionelle Services wie acornembryo, die nicht nur das gesuchte Erbgut in Form befruchteter Keimzellen anbieten, sondern auch für die reibungslose Logistik sorgen, sind für eine zunehmende Zahl von Landwirten selbstverständlich. Anders als z.B. die Auto- und Reisebranche, blieb dieser Bereich zwar bislang häufig weitgehend von der Öffentlichkeit unbeachtet. Aber nichts desto trotz hat auch die Landwirtschaft das elektronische Geschäftsfeld beackert und nutzbar gemacht.

Um Laien in diesem Bereich von den letzten Vorurteilen zu befreien, zunächst ein Blick auf die Zahlen: Wie viele Landwirte haben einen Internetzugang? In den USA etwa 29 Prozent der Betriebe, wie das US-Department of Agriculture mitteilt. Und bei den großen Farmen, die im Absatz mehr 250.000 US$ erreichen, steigt die Zahl auf rund 52 Prozent. Im Vergleich dazu können sich auch die deutschen Zahlen durchaus sehen lassen: Nach Schätzungen von Dr. Stefan Tewes, Gründer und Vorstand der farmpartner.com AG, sind bereits 25 Prozent der 80.000 größten landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland online. Und die sollen für stattliche Umsätze sorgen. Bis 2004, erwarten die Experten der Goldman Sachs Group, wird das Segment Agrikultur mit einem acht Prozentanteil am gesamten B2B-Volumen den dritten Platz in der Rangfolge der Branchen erobert haben, nur übertroffen von der chemischen Industrie mit 23 Prozent und den computerbezogenen Produkten mit 15 Prozent.

Zwar stammen die Schätzungen für die deutsche Landwirtschaft nicht aus neutraler Quelle, dennoch zeigten sich die Venture Capitalists von den Erfolgsaussichten des B2B-Marktplatzes farmpartner.com überzeugt.









farmpartner

Am 15. Mai 2000 gestartet, sorgte der Einstieg der Risikokapitalgesellschaft IVC Venture Capital AG am 24. Mai für neue Schlagzeilen. Sie gehen davon aus, dass sich mit Düngemitteln, Pflanzenschutzpräparaten, Futter, Getreide, Treib- und Schmierstoffen sowie Agrartechnik im Internet gute Geschäfte machen lassen. Über die Produkte hinaus zeigt der Marktplatz wenig Unterschiede zu anderen B2B-Angeboten. Als Vorteile werden insbesondere die einfache und kostengünstige Platzierung von Ausschreibungen genannt. Auch zu neuen Lieferanten soll bequem Kontakt aufgenommen werden. Dass Zulieferer über das Portal neue Kunden gewinnen können, überrascht ebenso wenig: diese Argumente gehören mittlerweile zum Standardrepertoire im E-Business. Wahlweise stehen ein basic shop für wenige Produkte oder der pro shop mit Warenkorb und Anbindung an das vorhandene Warenwirtschaftssystem zur Verfügung. Neben der Handelsplattform bietet farmpartner.com einen Informationsdienst mit aktuellen Nachrichten aus der Branche sowie Communities für Genossenschaften, Landhändler, Landwirte und andere Marktteilnehmer. Für die weitere Entwicklung sind die Zeichen auf Wachstum gestellt, man will sich im gesamteuropäischen Markt als Portal etablieren. Eine erste Kooperation wurde im August vereinbart: die Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer Lebensmittelplattform eFoodmanager soll den Verkauf von Endprodukten wie Obst und Gemüse ebenfalls ermöglichen.

Wer und ob überhaupt jemand in diesem Bereich einen Firstmover-Advantage für sich verbuchen kann, ist noch nicht geklärt. Wettbewerber findet farmpartner.com z.B. in der Frankfurter GrowNex AG und dem Münchener Agri Exchange Network. Auch der deutsche Raiffeisenverband hat seinen Claim bereits angemeldet und unter www.raiffeisen.com mit einer eigenen Internet-Firma am 1. August 2000 die Zeichen auf E-Business gestellt. Neben den täglich aktuellen Informationen steht hier die Bündelung der Webauftritte der verschiedenen Haupt- und Ortgenossenschaften zunächst im Mittelpunkt, obwohl natürlich E-Commerce-Aktivitäten ebenfalls entwickelt und umgesetzt werden sollen.

Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. An Informations- und E-Commerce-Angeboten herrscht im deutschsprachigen Internet wahrlich kein Mangel. Ob Agromarkt, Agrar Online, Agrar.de oder Agrarnet, die naheliegenden Domain-Namen verbergen keine Baustellen, sondern versuchen mit zielgruppenspezifischem Mehrwert Besucher zu locken. Von aktuellen Nachrichten und Schlagzeilen über Fernseh-, Literatur- und Tierpflegetipps bis hin zur Präsentationsmöglichkeit des eigenen Betriebes ist ein breites Spektrum vertreten. Die Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle für Erzeugnisse der Land-, Forst und Ernährungswirtschaft informiert online über den Tagespreis für Obst und Gemüse - auch mit Auslandsmärkten. Ganz speziell die kleinen Dinge des alltäglichen Bedarfs liefert z.B. Werners Agrarversand: Ob Euterpflege, Melkeimer oder Reinigungsschwämme, was im Stall noch zur Routinearbeit neben dem E-Business nötig ist, kann hier bestellt werden. Und seit dem 15. August 2000 ist die erste deutsche Milchbörse im Internet. Die Rohmilchprodukte werden allerdings nicht bei den Landwirten direkt, sondern bei Meiereien und Milchwerken angekauft. Haben die US-Amerikaner uns beim Thema Landwirtschaft online denn gar nichts voraus?









rooster

Rooster.com, die Internethandelsplattform von Cargill, Du Pont und Cenex Harvest States Cooperatives, ist auch erst im Mai 2000 gestartet. Hier soll es den Farmern möglich werden, Waren für die Produktion wie Dünger und Saatgut zu erwerben und ihre eigenen Produkte zu verkaufen. In der bislang realisierten Phase 1 liegt der Schwerpunkt in der Vermittlung von Kontakten zwischen Landwirten und öffentlichen Einrichtungen, Verbänden und anderen Anbietern. Wie die Experten der Yankee Group berichten, gibt es aber schon erste Erfolgsbeispiele, wie insbesondere B2B-Marktplätze Katastrophen in der Landwirtschaft verhindern. Zwar können die elektronischen Medien Naturereignisse nicht wirklich beeinflussen, aber die Abwendung von betriebswirtschaftlich bedingten Schäden ist oft auch überlebenswichtig. Betroffen waren im konkreten Fall die Farmer der Tri Valley Cooperative, die im Juli diesen Jahres Bankrott anmelden musste. Die Aufträge für die diesjährige Tomatenernte wurden storniert, die Konservenfabriken geschlossen. Das traf hart, denn 85 bis 90 Prozent der Ernte geht normalerweise nicht an den Spotmarkt, sondern ist schon Monate im voraus verkauft. Eine Tomaten-Tragödie bahnte sich an: 500.000 Tonnen auf den Müll?

Das Internet schien einigen findigen Betroffenen einen möglichen Ausweg zu bieten. AgEx.com, ein im Februar des Jahres gelaunchter E-Marktplatz, war der geeignete Partner für die Krise.









Agex

Pläne für den Vertrieb von konservierten Tomaten lagen bereits in der Schublade, es musste "nur" etwas schneller gehandelt werden. Nach zehn Tagen ging die Auction-Site am 31 Juli 2000 online. Im frühen August waren bereits 35.000 Tonnen und damit 5 Prozent verkauft - was allerdings bis zur Ernte im September nicht tatsächlich "in der Dose" ist, muss untergepflügt werden.

Online-Märkte wie AgEx werden nach Einschätzunge der Yankee Group zunehmend auch in der Landwirtschaft populär. Denn gerade hier ist das Produktionsergebnis nur eingeschränkt vorhersagbar. Und die Landwirte müssen lange voraus planen. So führt die große Nachfrage im Vorjahr häufig zu einem Überangebot im Folgejahr. Elektronische Märkte ermöglichen daher nicht nur neue Verkaufschancen und mehr Preistransparenz sowie fundiertere Nachfrageprognosen, sondern ihre Spotmärkte können auch zu einem verläßlicheren Absatzkanal werden.

Hier scheinen die US-Amerikaner der deutschen Landwirtschaft dann doch um die üblichen 18 Monate und mehr voraus. Schon im Winter 1998/99 ging die erste live Online-Auktion bei AgChemical.com ans Netz. Mittlerweile unter dem Label Farms.com wurde der Service im Juli 2000 in einem Ranking des Forbes Magazine zu den "Best of the Web" B2B-Angeboten gerechnet. Hier finden nicht nur Rinder und Schweineauktionen statt, auch eine Börse für Futtermittel und Korn ist etabliert. Farms.com gilt mit seinem Launch 1995 als einer der Pioniere im landwirtschaftlichen E-Business.

Neben einigen anderen Services, die "erst" seit 1998 oder 1999 online sind, wie Farmbid.com, DirectAg.com oder NetSeeds Inc. ist auch Agriculture Online ein Veteran im Internet. Zunächst als Online-Auftritt einer Zeitschrift gestartet, gibt es mittlerweile zahlreiche Services, die von der Qualität des Agro-E-Commerce überzeugen. Der in Zusammenarbeit mit der XS Inc neu eingerichtete Online-Shop z.B. ermöglicht nicht nur Kaufen und Verkaufen von Produkten, sondern setzt auch auf das Name-Your-Price Prinzip: Kaufgesuche mit fester Preisvorstellung können aufgegeben werden. Dass Group-Buying im Internet gerade den kleinen Farmern Preisvorteile ermöglichen kann, davon ist die National Corn Growers Association schon seit 1999 überzeugt.

Es entsteht ein deutliches Bild: die Agrarindustrie und die Landwirte haben das Internet bereits für sich fruchtbar gemacht. Natürlich ist auch hier in den nächsten Jahren noch mit Veränderungen zu rechnen, aber die Branche steht im Vergleich durchaus nicht schlecht dar. Wer jetzt noch beim Thema E-Commerce und Landwirtschaft lediglich mit hämischem Unterton auf Angebote wie Landflirt verweist - der ist weder erfahrener Internetexperte noch Landwirt.









landflirt

PS.: Apropos Landflirt - auch das ist ein Angebot, das einen Nischenmarkt bedient und die Bedürfnisse und Probleme der Zielgruppe kennt. Was durchaus nicht alle Internetangebote von sich behaupten können...



 



 



 



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