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Deutsche Bank Research

Wegweisende Innovationen der Informations- und Kommunikationstechnologien

23.12.2004 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

Nach dem Flop der "New Economy" am Aktienmarkt hellt die Stimmung an den Märkten für Informations- und Kommunikations-Technologien (IuK-Technologien) inzwischen wieder deutlich auf. Neue Produkte und Prozesse aus dem Bereich der IuK-Technologie verändern das Geschäft in allen Segmenten der Volkswirtschaft. In dieser Studie diskutieren wir die für Business-Anwendungen in diesem Jahrzehnt hoch gehandelten IuK-Innovationen.

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1 Wegweisende Innovationen der Informations- und Kommunikationstechnologien
2 Quantenkryptografie, Biometrie und MDA
3 Dezentralisierung, Open Source und Outsourcing
4 RFID und Prognose

Dazu unterscheiden wir mit dem IuK-Trend und dem IuK-Konzept zwei Abstraktionsstufen. Die obere Abstraktionsstufe der IuK-Trends beschreibt fortwährend treibende Faktoren und strategische Ziele der Unternehmen. Die IuK-Trends beeinflussen die IuK-Innovation über dieses Jahrzehnt hinaus. Die darunter liegende Abstraktionsstufe der IuK-Konzepte beschreibt konkrete IuK-Produkte und -Prozesse, in denen sich die Trends am Markt spiegeln. Die in dieser Studie dargestellten IuK-Konzepte erheben den Anspruch, das Geschäftskunden-Segment innerhalb dieses Jahrzehnts fundamental zu verändern. Diese hoch gehandelten IuK-Konzepte überprüfen wir auf ihr tatsächliches Verbreitungspotenzial im Geschäftskundensegment.

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Effizienz und Sicherheit treiben Innovation

Mit den wirtschaftlichen, politischen und technologischen Veränderungen in den letzten Jahren kristallisieren sich im IuK-Bereich zwei bestimmende Trends heraus. Zum einen rücken mit dem Platzen der "New Economy"-Aktienblase die Bestrebungen hin zu mehr Effizienz verstärkt in den Fokus der Entscheider. Zum anderen gewinnt vor allem mit dem 11. September 2001, daneben aber auch mit der fortschreitenden Komplexität des Internet und den zunehmenden Web-Attacken die Sicherheit der Prozesse nachdrücklich an Bedeutung. Dabei umfasst das Streben nach verbesserter Sicherheit sowohl die höhere Zuverlässigkeit der Prozesse (z.B. bei der garantierten, d.h. jederzeit verfügbaren Bandbreite der Datenübertragung) als auch die Vertraulichkeit bzw. Integrität der Information. Der Schutz vor Spionage, Sabotage bzw. Zerstörung ist ein weiterer, besonders relevanter Aspekt der IT-Sicherheit. Die Datenübertragung im anarchisch organisierten, anonymen World Wide Web (WWW) muss auf Spionage, Viren- und Wurmattacken gefasst sein. Die Gefahren sind eklatant. Allein im Mai 2004 kursierten im Internet 1.000 neue Viren - mehr wurden lediglich im Dezember 2001 gezählt. Daneben stieg die Zahl betrügerischer Phishing-Mails (Phishing: Kunstwort aus "Password" und "Fishing"), die vertrauliche Daten von Bankkunden (z.B. Kartennummer, Passwort, PIN) ausspionieren, innerhalb von zwölf Monaten allein in Deutschland von 300 auf 200.000.

Somit treiben die beiden Trends Sicherheit und Effizienz in besonderem Maße die Produkt- bzw. Prozessinnovationen im IuK-Bereich voran. Allerdings sind die beiden Trends nicht zwangsläufig gleichgerichtet. Zumindest im kurzfristigen Kalkül unter der Annahme des Business-as-Usual kann das Streben nach höherer Effizienz mit den Investitionen in Sicherheit in Konflikt geraten.

In der Öffentlichkeit heiß diskutierte IuK-Konzepte

Wir überprüfen die zehn in der Öffentlichkeit besonders intensiv diskutierten IuK-Konzepte, die sich aus den beiden bestimmenden Trends ableiten, auf ihr tatsächliches Verbreitungspotenzial. Diese zehn innovativen IuK-Produkte und -Prozesse sind:

- die Internet-Telefonie (Voice over Internet Protocol, VoIP),

- die fortentwickelten Mobilfunktechnologien, insbesondere Universal Mobile Telecommunication System (UMTS), Wireless Local Area Network (WLAN) bzw. Worldwide Interoperability for Microwave Access (WiMax),

- die Biometrie,

- die Quantenkryptografie,

- das automatisierte Architekturgetriebene Programmieren, insbesondere Model Driven Architecture (MDA),

- das dezentrale Speichern von Daten, insbesondere Information Lifecycle Management (ILM)

- das dezentrale Verarbeiten von Daten, insbesondere Grid Computing,

- die Open Source Software,

- das Outsourcing und

- das Funketikett (Radio Frequency Identification Transponder, RFID-Tag).

In anderem Kontext untersuchte Deutsche Bank Research bereits vier der essenziellen IuK-Konzepte; nämlich die fortentwickelten Mobilfunktechnologien, die Biometrie, die Open Source Software und das Outsourcing. Daher präsentieren wir bei diesen vier IuK-Konzepten im Gegensatz zu den sonstigen sechs Themen lediglich die neusten marktrelevanten Entwicklungen.

Sprachkommunikation via Internet hoch im Kurs

Mit den Innovationen im IuK-Bereich verwischen sich die Grenzen zwischen ehemals klar getrennten Geschäftsfeldern. So erweitern Web-Provider - eigentlich auf Datentransport im Festnetz spezialisiert - ihr Angebotsspektrum um die Internet-Telefonie (Voice over Internet Protocol, VoIP) und machen damit der gewöhnlichen Sprachtelefonie direkte Konkurrenz. Ein erster Anlauf von VoIP im Markt versandete Mitte der 1990er. Die Einrichtung der damals erforderlichen Technologie war recht komplex, zusätzlich war die tatsächlich erreichbare Sprachqualität wenig zufrieden stellend. So erklärt sich, dass in Deutschland derzeit lediglich 2% des gesamten Minutenaufkommens über die angemeldeten 300.000 VoIP-Anschlüsse generiert werden. Doch nun sollen nutzerfreundliche Technologien und bis zu 90% günstigere Tarife den Endkunden den Umstieg vom üblichen Telefonanschluss auf VoIP schmackhaft machen. Gleichwohl hängt der Erfolg von VoIP im Markt von zwei wesentlichen Faktoren ab. Zum einen steigt die Attraktivität von VoIP mit der Verbreitung innovativer breitbandiger Übertragungs-Technologien, speziell der für mittelständische Unternehmen besonders relevanten Festnetztechnologie Digital Subscriber Line (DSL). Allein breitbandige Telekommunikationsnetze (TK-Netze) können derzeit die Qualität des Services VoIP hinsichtlich der zeitnahen Datenübertragung garantieren. Zum anderen steigt die Attraktivität von VoIP auch mit der Anzahl teurer Auslandsgespräche. VoIP richtet sich daher noch vorwiegend an große Unternehmen mit über den Globus verstreuten Standorten. Bei diesen Unternehmen sind die laufenden Telefongebühren so hoch und der Betrieb des unternehmenseigenen TK-Netzes so teuer, dass sich die Investition in eine VoIP-Infrastruktur auszahlt.

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Ob VoIP neben den internationalen Unternehmen und den technologiebegeisterten Privatnutzern auch den breiten Massenmarkt erreichen kann, ist fraglich. Der Erfolg hängt von der Strategie der traditionellen TK-Unternehmen hinsichtlich ihrer Produkte (speziell DSL) und Kundenentgelte im Festnetz und im Mobilfunk ab. Die zumeist nur sehr kleinen Differenzen zu den Kundenentgelten bereits etablierter Angebote, die eingeschränkte Verfügbarkeit von Notruf- bzw. Servicenummern sowie die Ängste der potenziellen Anwender hinsichtlich der Abhörsicherheit bzw. hinsichtlich der zu erwartenden Flut von Werbenachrichten dämpfen dort nachhaltig die Chancen von VoIP. Demnach hat VoIP als allein stehende Offerte außerhalb eines gebündelten Servicepaketes des Providers ein deutlich geringeres Potenzial als zunächst erhofft.

Sprachtelefonie mittels Internet ist prominentes Beispiel für die Konvergenz ehemals klar getrennter Technologiebereiche. VoIP tritt mit dem Anspruch an, Kosten zu senken und reflektiert damit den Trend Effizienz. Der Aspekt Sicherheit, speziell in Form von Vertraulichkeit der Information steht aus Sicht der Nutzer bei VoIP derzeit noch im Hintergrund - wird künftig aber bedeutend.

IuK-Technologien zunehmend kabellos

Doch der Wettbewerb beschränkt sich nicht auf Sprachtelefonie im Festnetz. So erobert der Mobilfunk - ursprünglich für Sprachkommunikation konzipiert - mit innovativen Applikationen den Markt für Datenkommunikation. Die Datenkommunikation im Geschäftskunden-Spektrum arbeitet heute noch weitgehend mit stationär verwendeten IT-Endgeräten. Üblicherweise werden Desktop PC oder Notebook über fixe Zugänge in das Datennetz der Unternehmen eingeklinkt. Vor Ende dieses Jahrzehnts werden fortgeschrittene Applikationen, wie die Auftragsplanung und Rechnungsstellung von unterwegs, den Markt erobern. Besonders der Außendienst hofft darauf, breitbandige Dienste, wie umfassende Datenbanken, kabellos mobil und bequemer als bislang über mobile Endgeräte zu nutzen.

Allerdings fällt bei den unterschiedlichen systemtechnischen Anforderungen von Endgeräteherstellern, TK-Netzausrüstern und Softwarehäusern die Integration mobiler Lösungen in die bestehenden IuK-Strukturen der Unternehmen oft schwer. Bereits leicht erweiterte Desktop-Anwendungen lassen sich nicht zwangsläufig deckungs-gleich auf portable Endgeräte, insbesondere den sehr kleinen Personal Digital Assistant (PDA) übertragen. Zwar werden derzeit etliche mobile Endgeräte mit gängiger Unternehmenssoftware ausgerüstet, doch bei der grafischen Darstellung und der breitbandigen Datenübertragung bleiben Fragen offen.

Während die Mobilfunknetze die Vision des nahtlosen, mobilen Büros noch nicht unterstützen, dürfte sich bis zum Ende dieses Jahr-zehnts ein Quantensprung in der mobilen Übertragungstechnologie realisieren. Für breitbandige Datenkommunikation ist Wireless Local Area Network (WLAN) mit seiner Übertragungsrate von 54 Mbit/s grundsätzlich besonders geeignet. Diese Übertragungsgeschwindigkeit ist 1.000mal größer als im analogen TK-Festnetz und vergleichbar mit der Festnetztechnologie DSL. Hemmschuh hinsichtlich der stärkeren Verbreitung von WLAN bleibt die geringe Zellgröße, die lediglich Datenübertragung im Umkreis von maximal 500 m erlaubt. Die unterbrechungsfreie Übergabe der Verbindungen beim Übergang zwischen WLAN-Zellen ist bislang nicht gewährleistet. Neben den ungelösten technischen Herausforderungen sinkt die Marktrelevanz von WLAN auch mit dem von den Providern eingeschlagenen Weg der Insellösungen bei der Tariffierung. Solange die konkurrierenden WLAN-Betreiber ihre Abrechnungsmodelle nicht harmonisieren, bleibt der Markt für allein stehende WLAN-Lösungen zwangsläufig klein. Bis zum Ende dieser Dekade sorgt die Kombination aus WLAN und Universal Mobile Telecommunication System (UMTS), der dritten Generation (3G) der Übertragungstechnologien im Mobilfunk, für Abhilfe. Darüber hinaus steht bis Ende dieses Jahrzehnts die Mobilfunktechnologie Worldwide Interoperability for Microwave Access (WiMax) dem Anwender zur Verfügung. Diese bislang noch in der Versuchsphase befindliche Weiterentwicklung im Mobilfunk kommt unter Idealbedingungen bei einem Zelldurchschnitt von bis zu 50 km auf Übertragungsraten von 70 Mbit/s. WiMax eröffnet damit der gesamten Datentelefonie das Tor zu neuen Märkten.

Die neuen Mobilfunkgenerationen und die im Mobilfunk beobachtbare Konvergenz der Technologien (Konvergenz von Sprach- und Datenübertragung) stellen einen Meilenstein auf dem Weg zu nahtloser Kommunikation und effizienteren Arbeitsabläufen dar. Gleichwohl sind die modernen Mobilfunktechnologien hinsichtlich des Aspektes Sicherheit weiter gefordert. Speziell bei der Übermittlung vertraulicher Information und im Bereich der garantierten, jederzeit verfügbaren Übertragungskapazität existiert Handlungsbedarf.

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Inhalt:
ECIN Solutions - Online-Research Teil 1 Wegweisende Innovationen der Informations- und Kommunikationstechnologien
Quantenkryptografie, Biometrie und MDA Teil 2 Quantenkryptografie, Biometrie und MDA
Dezentralisierung, Open Source und Outsourcing Teil 3 Dezentralisierung, Open Source und Outsourcing
RFID und Prognose Teil 4 RFID und Prognose


 

 

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