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IT-Offshoring an neuen Ufern: Die Länder Mittel- und Osteuropas

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Deutsche Bank Research


Die Verlagerung von IT-Dienstleistungen in Niedriglohnländer stellt auch weiterhin einen sich dynamisch entwickelnden Markt dar. Neben bereits etablierten Ländern wie Indien, sind für europäische Unternehmen durch die kulturelle und geographische Nähe IT-Dienstleister in Mittel- und Osteuropa von wachsender Bedeutung. Der genaue Vergleich zeigt jedoch, dass diese Standorte nur in bestimmten Bereichen und unter bestimmten Voraussetzungen die Nase vorn haben.



Indien hat es vorgemacht. Andere wollen folgen. Viele aufstrebende Länder und Regionen wollen nicht nur die verlängerte Werkbank, sondern auch das Back-Office für Unternehmen in Hochlohnländern werden. Offshoring ist eine besondere Form des Handels, bei der bestimmte Geschäftsprozesse aus Unternehmen ausgegliedert und ins Ausland verlagert werden. Davon sind besonders IT-Dienstleistungen und allgemeine Back-Office-Prozesse betroffen.

Die Auslagerung von Geschäftsprozessen an inländische Anbieter wird gemeinhin als Outsourcing bezeichnet. Bei IT-basierten Dienstleistungen wird in der Literatur zwischen IT Outsourcing (ITO) und Business Process Outsourcing (BPO) unterschieden. Beim klassischen ITO wird Informationstechnologie quer für mehrere Unternehmensfunktionen ausgelagert – zum Beispiel in Form eines externen Rechenzentrums – während BPO die Auslagerung einzelner Prozesse mit oder ohne zugehörige IT bezeichnet Back-Office- Prozesse in Buchhaltung, Personalwesen oder Forschung und Entwicklung gehören dazu. Die Verlagerung ins Ausland wird als Offshore- Outsourcing oder kurz Offshoring bezeichnet.

Im Mittelpunkt dieser Studie stehen Nearshore-Standorte in Mittelund Osteuropa (MOE). Nearshoring ist eine Spielart von Offshoring und bezeichnet die Auslagerung von Geschäftsprozessen ins nahe gelegene Ausland. Inzwischen verlagern zahlreiche Unternehmen IT-Dienstleistungen und Back-Office-Prozesse nach MOE – einige Beispiele sind in der Box aufgeführt. Sie schätzen vor allem die geografische, kulturelle und mitunter sprachliche Nähe. Im Vergleich zu klassischen Offshore-Standorten sprechen die meist höheren Löhne und die effizientere Kommunikation dafür, dass sich MOE gerade bei anspruchsvolleren Dienstleistungen etablieren wird. Bei einfacheren IT-Dienstleistungen liegt der komparative Vorteil bei klassischen Offshore-Standorten wie z.B. Indien.

IT-Offshoring: Robustes Wachstum von niedrigem Niveau

Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Offshoring wird kontrovers diskutiert. Eine besonders hitzige Diskussion hatte sich während des letzten Wahlkampfs um die US-Präsidentschaft entzündet. Allerdings sind internationale Arbeitsteilung und Spezialisierung ein wichtiger Motor für den Welthandel und den Wohlstand der Nationen. Die weltweite Verbreitung des Internet sowie leistungsfähiger Computer und Software haben die Handelbarkeit von Dienstleistungen verbessert. Dadurch ist es möglich, eine Vielzahl von Dienstleistungen räumlich und zeitlich getrennt vom Konsum zu produzieren. Die Güter lassen sich digitalisieren und über globale Datennetze vertreiben. Viele Dienstleistungen können so in einem arbeitsteiligen Prozess hergestellt werden. Durch Spezialisierung steigt die Produktivität, und durch Offshoring können internationale Kostenvorteile genutzt werden.

Offshoring wird nicht direkt in offiziellen Statistiken ausgewiesen, daher ist die quantitative Schätzung mit einigen Unsicherheiten behaftet. Zwei Methoden werden häufig zur Messung verwendet. Erstens können Unternehmen direkt nach ihren Ausgaben für Offshoring befragt werden. Diese Angaben bilden häufig die Grundlage für Schätzungen des Gesamtmarkts. Beratungsfirmen und kommerzielle Datenanbieter sind typische Nutzer dieses Instruments. Eine zweite Methode besteht darin, Handelsströme zu beobachten, die in offiziellen Zahlungsbilanzstatistiken ausgewiesen werden. Autoren der OECD oder des IWF nutzen besonders diese Informationen.









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Die Technologieberatung IDC schätzt die globalen Ausgaben für Offshoring im IT-Bereich im Jahr 2006 auf gut USD 14 Mrd. Davon entfallen USD 11 Mrd. auf die USA und USD 2,5 Mrd. auf Westeuropa. Andere Regionen spielen nur eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist, dass hier nur klassische IT-Dienstleistungen berücksichtigt werden, aber kein Offshore-BPO. Außerdem werden keine Dienstleistungen betrachtet, die im Rahmen von Captive Offshoring erbracht werden. Bei Captive Offshoring befindet sich der Anbieter der Dienstleistung zumindest im Teileigentum des auslagernden Unternehmens. Berücksichtigt man zusätzlich sowohl BPO als auch Captive Offshoring, so erscheint ein Volumen für den Gesamtmarkt zwischen USD 46 und 53 Mrd. für 2006 als realistisch.

Unternehmen aus den USA sind die bedeutendsten Nachfrager von IT-Offshoring. Indien ist der wichtigste Standort für die Produktion. IDC schätzt, dass im Jahr 2004 Leistungen im Wert von USD 5,5 Mrd. in Indien für die USA erbracht wurden. In Mittel- und Osteuropa wurden knapp USD 0,5 Mrd. und auf den Philippinen USD 0,4 Mrd. für die USA produziert.

Offshoring führt zu Im- und Exporten von Dienstleistungen, die in internationalen Zahlungsbilanzstatistiken ausgewiesen werden. Daher versuchen einige Autoren, die Volumina von Offshoring anhand der Handelsströme zu beobachten. Zwei Positionen werden in der Literatur häufig verwendet: 1. EDV- und Informationsdienstleistungen (EDV) 2. Sonstige unternehmensbezogene Dienstleistungen (SUD)

In beiden Positionen werden wichtige Transaktionen aus den Bereichen ITO und BPO erfasst. Allerdings sind nicht alle dort erfassten Handelsströme auch Offshoring-Ausgaben. Auch der einmalige Bezug einer Dienstleistung, zum Beispiel das Erstellen einer Webseite, würde hier erfasst, ohne dass notwendigerweise ein Geschäftsprozess dauerhaft verlagert worden wäre. Manche Autoren verwenden Handelsströme daher als Obergrenze für das tatsächliche Volumen.

Sowohl die USA als auch Westeuropa sind bedeutende Importeure und Exporteure von Dienstleistungen. In den Positionen EDV und SUD erzielten die USA in 2004 einen Exportüberschuss von über USD 25 Mrd., obwohl die Leistungsbilanz insgesamt ein Rekorddefizit aufwies.









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Die EU-15 erzielte 2004 einen Exportüberschuss vis-à-vis MOE und einen Importüberschuss gegenüber Indien. Das Volumen der Importe aus MOE von knapp EUR 4,5 Mrd. und aus Indien von knapp EUR 1 Mrd. ist aber bescheiden. Weltweit hat die EU-15 Dienstleistungen in den Bereichen EDV und SUD im Wert von knapp EUR 220 Mrd. importiert – vor allem aus anderen Industriestaaten.

Die Handelsströme zeichnen ein differenzierteres Bild als häufig in den Medien präsentiert wird. Der Handel mit IT-basierten Dienstleistungen ist keine Einbahnstrasse: Standorte wie Indien oder MOE sind sowohl Exporteure als auch Importeure von IT-basierten Dienstleistungen.

Hohe Wachstumsraten









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Während das Volumen von IT-basierten Dienstleistungen, die in Niedriglohnländern für Unternehmen in Hochlohnländern erbracht werden, noch überschaubar ist, sind die Zuwachsraten beträchtlich. IDC schätzt, dass die Ausgaben für IT-Offshoring in den USA um durchschnittlich 14,4% und in Westeuropa um 16,5% pro Jahr bis 2009 wachsen werden. Die höchsten Wachstumsraten von fast 36% werden für den asiatisch-pazifischen Raum erwartet – allerdings von einem sehr niedrigen Niveau aus.

Ein Blick auf die Handelsströme bestätigt den Eindruck: Die Importe von IT-basierten Dienstleistungen aus Offshore-Regionen sind deutlich gewachsen. Zwischen 1992 und 2004 sind die weltweiten Importe der EU-15 von EDV und SUD nominal um knapp 9,3% pro Jahr gestiegen, dagegen haben die Importe aus MOE im gleichen Zeitraum um 13% und aus Indien um 14% pro Jahr zugenommen. Zum Vergleich: Die gesamten Dienstleistungsimporte haben um lediglich 6,7% zugelegt.

Neue Standorte auf der Angebotsseite

Viele neue Standorte versuchen den Erfolg Indiens bei IT-Dienstleistungen zu kopieren. Allerdings zeigen die Exportstrukturen, dass Indien offenbar einen ausgeprägten komparativen Vorteil besitzt.

Der Anteil der Exporte eines Sektors oder einer Branche an den Gesamtexporten eines Landes wird in der Literatur häufig als Indikator für den offenbarten komparativen Vorteil gedeutet. Dabei ist es plausibel anzunehmen, dass Länder dort Wettbewerbsvorteile in der Produktion besitzen, wo sie überdurchschnittlich viel exportieren.

Bei IT-basierten Dienstleistungen, also den Zahlungsbilanzpositionen EDV und SUD, bestätigt sich die führende Rolle Indiens als Exportnation. Indiens Exportanteil von 17% wird nur von Irlands 19% übertroffen. In absoluten Zahlen sind die USA der größte Exporteur von EDV und SUD mit einem Volumen von USD 76,4 Mrd. – das sind aber nur knapp 7% der gesamten Exporte.

Der Anteil der Exporte von EDV und SUD aus MOE-Ländern beträgt weniger als 4%. Damit liegt er deutlich unter dem anderer Länder. In Russland liegt der Exportanteil nur bei etwas über 2%. Auf den Philippinen werden nur knapp 0,8% der Exporte mit IT-basierten Dienstleistungen erzielt. Zudem ist die Dynamik interessant: Während Indien den Exportanteil von EDV und SUD in den vergangenen Jahren um durchschnittlich 4,5% pro Jahr gesteigert hat, sank der Anteil in den neuen EU-Mitgliedsländern um durchschnittlich 3% pro Jahr. Dabei sind die Exporte sowohl in Indien als auch in MOE nominal gestiegen – allein, Exporte anderer Sektoren sind in den neuen EU-Mitgliedstaaten noch stärker gestiegen.

Die Exportstruktur zeichnet allerdings ein Bild der gegenwärtigen Spezialisierung. Wenn die Nachfrage zunimmt, wird die Angebotsseite darauf reagieren. Daher lohnt es sich, die Standortfaktoren in MOE etwas näher zu betrachten.

Standortfaktoren in Mittel- und Osteuropa

Die meisten osteuropäischen Länder haben sich seit der Wende beeindruckend entwickelt. Makroökonomische Stabilisierung, robustes Wachstum und steigender Lebensstandard sind das Ergebnis eines weitgehend erfolgreichen Transformationsprozesses.

Sprachfähigkeiten und kulturelle Nähe erleichtern die Verständigung

Länder in MOE liegen in räumlicher und kultureller Nähe zu den Märkten in Westeuropa. Typische Nearshore-Standorte punkten mit niedrigeren Kosten für die Kommunikation zwischen auslagerndem Unternehmen und Anbieter. Dafür sind drei Gründe verantwortlich:

- Persönlicher Kontakt: Komplexe Probleme lassen sich am besten von Angesicht zu Angesicht lösen. Nearshore-Standorte sind näher am Auftraggeber. Das erleichtert gegenseitige Visiten.

- Gemeinsame Sprache: Nearshore-Standorte verfügen häufig über Mitarbeiter mit Kenntnissen in der Landessprache ihrer Auftraggeber – selbst wenn sich die offiziellen Sprachen unterscheiden.

- Kulturelles Verständnis: Nearshore-Mitarbeiter kennen und verstehen den kulturellen Hintergrund ihrer Auftraggeber meist besser als solche in Offshore-Standorten. Dies erlaubt eine einfachere, implizite Verständigung, da Interpretationsfehler seltener werden.









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Sprachfähigkeiten haben besondere Bedeutung. Der Erfolg Indiens wird nicht zuletzt auf das große Angebot englischsprachiger Mitarbeiter zurückgeführt – und die meisten Offshore-Transaktionen kommen aus angelsächsischen Ländern. Hier sind kontinentaleuropäische Unternehmen im Nachteil. Zwar gilt Englisch als Lingua Franca, dennoch steigt die Effizienz der Kommunikation, wenn beide Partner die Sprache flüssig beherrschen. Das ist in manchen kontinentaleuropäischen Firmen offenbar nicht immer der Fall. Zudem sind bei vielen Dienstleistungen Kenntnisse in der Landessprache des auslagernden Unternehmens unabdingbar, zum Beispiel bei der Kundenbetreuung in Call-Centern oder der Bearbeitung von Belegen, die in der Landessprache verfasst sind.

Gerade für deutsche Unternehmen ist MOE interessant. Knapp 40% aller Schüler in den neuen EU-Mitgliedstaaten lernen Deutsch. Der Anteil ist besonders hoch in den direkten Nachbarstaaten. Freilich bedeutet das nicht, dass Deutsch auch flüssig beherrscht wird, aber es sind zumindest ausbaufähige Grundkenntnisse vorhanden. Darüber hinaus lernen über 70% der Schüler Englisch, so dass sprachliche Lücken gefüllt werden können. Für französische Unternehmen ist Rumänien interessant; hier lernen über 85% der Schüler Französisch.

Diese Sprachfähigkeiten sind ein wichtiger Standortfaktor, der nicht leichtfertig verschenkt werden sollte. In einigen MOE-Ländern, zum Beispiel in der Tschechischen Republik oder der Slowakei, lernen weniger Schüler Deutsch als noch 1998.









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Neben Sprache ist die Kenntnis der Kultur und Gepflogenheiten eine wichtige Grundlage für eine effiziente Kommunikation. Viele Unternehmen in Europa empfinden Unterschiede in Sprache und Kultur als hinderlich für Offshoring-Aktivitäten. Es ist interessant, dass selbst 56% der Unternehmen aus Großbritannien hier Probleme sehen, trotz der engen sprachlichen und kulturellen Bindungen zum bevorzugten Offshoring-Standort Indien.

Kommunikation findet auf mehreren Ebenen statt. Neben dem formalen – schriftlichen oder mündlichen – Austausch von Informationen spielen implizite Signale und Erwartungen eine große Rolle. Das Verständnis und die Interpretation dieser Signale und Erwartungen sind abhängig vom kulturellen Hintergrund der kommunizierenden Personen. Zum Beispiel wird Zustimmung in Albanien durch seitliches Kopfschütteln signalisiert, anstelle des sonst üblichen Nickens. Werden kulturelle Besonderheiten nicht berücksichtigt, kommt es schnell zu Missverständnissen, die zusätzliche Kosten verursachen.

Erfahrungsberichte betonen die hohe Sorgfalt indischer Mitarbeiter. Allerdings geht die hohe Sorgfalt häufig mit einer sehr prozessorientierten und formalisierten Arbeitsweise einher. Das erhöht den Aufwand für Kommunikation und Dokumentation und erschwert schnelle und flexible Reaktionen.

Demgegenüber existiert in Europa ein breiter Kanon an gemeinsamer Geschichte und Tradition, der das gegenseitige Verständnis erleichtert. Mitarbeitern in MOE fällt es leichter die impliziten Signale im Sinne des Senders zu interpretieren. Sie verstehen oft besser, welche Ziele der Auftraggeber verfolgt. Dazu gehört auch, dass sie die Spezifikationen ihrer Auftraggeber kritisch hinterfragen.

Persönliche Erfahrungen bereichern den gemeinsamen Kanon. Sie werden z.B. in Studienaufenthalten gesammelt. So waren 2003 fast 70.000 Studenten aus mittel- oder osteuropäischen Ländern in Deutschland – das sind knapp 30% aller ausländischen Studenten. Indische und chinesische Studenten spielen vor allem in Großbritannien eine größere Rolle.

Große Lohnunterschiede









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Kosteneinsparungen sind das überragende Motiv für die meisten Auslagerungen. Dienstleistungen werden arbeitsintensiv produziert, daher spielen Löhne und Lohnnebenkosten eine große Rolle. In MOE liegen die Arbeitskosten deutlich unter denen in Westeuropa: In den neuen EU-Mitgliedstaaten betragen die durchschnittlichen Arbeitskosten bei nichtöffentlichen Dienstleistungen gut ein Fünftel derjenigen in Deutschland. In Rumänien und Bulgarien betragen sie weniger als 10% der deutschen Kosten. Allerdings haben die Kosten in den letzten Jahren deutlich zugelegt: Zwischen 1996 und 2004 sind die Arbeitskosten in den neuen EU-Mitgliedstaaten um durchschnittlich 7,7% pro Jahr gestiegen. In Rumänien sind sie um 8,1%, in der Slowakei um 9,7%, in Litauen sogar um 15% pro Jahr gestiegen. Dagegen war das Lohnwachstum in Westeuropa gebremst: 2,1% in Deutschland und 3,4% in der EU-15. Die Lohnunterschiede sind weiterhin ausgeprägt, sinken aber.

Bei qualifizierten Tätigkeiten gehören die meisten MOE-Länder nicht zu den billigen Offshore-Standorten. Die Löhne in China und vor allem in Indien liegen meist niedriger. Nur einige Länder außerhalb der EU können da mithalten. Ein Ingenieur kostet in der Tschechischen Republik etwa USD 5,4 pro Stunde, während er in China bereits für USD 3,5 und in Indien für USD 2,4 zu haben ist. In Rumänien liegt der Stundenlohn bei etwa USD 2,6, in Bulgarien bei nur USD 1,4.









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Erwartungsgemäß gibt es eine deutliche Korrelation zwischen der Lohnhöhe und dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf. Indien und China verbinden ein niedriges BIP pro Kopf mit niedrigen Löhnen für Ingenieure, während in Ungarn und der Tschechischen Republik Löhne und BIP vergleichsweise hoch sind. Lediglich in Bulgarien verdient ein Ingenieur weit unterdurchschnittlich.

Für die zukünftige Entwicklung der Löhne sind Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt sowie die strukturelle Entwicklung der Arbeitsmärkte selbst entscheidend. Strukturelle Fragen spielen gerade in den ärmeren Offshore-Standorten noch eine untergeordnete Rolle. Die Korrelation in Grafik 12 deutet an, dass die Löhne für qualifizierte Arbeit mit zunehmender wirtschaftlicher Entwicklung ansteigen. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt in den fortgeschrittenen MOE-Ländern über dem in Indien oder China und entsprechend ist das Lohnniveau höher. Allerdings sind Löhne nicht das einzige Kriterium für eine Standortentscheidung. Weitere Standortfaktoren wie Ausbildungsniveau, Infrastruktur oder institutionelle Qualität – die typischerweise in reicheren Ländern besser sind – können Lohnkostennachteile kompensieren.


Hohes Bildungsniveau – aber keine IT-Spezialisierung

Das Angebot an gut ausgebildeten Arbeitskräften ist eine Schlüsselgröße für die Attraktivität eines Standorts. Das Bildungssystem ist in den meisten mittel- und osteuropäischen Ländern konkurrenzfähig. In den neuen EU-Mitgliedstaaten werden im Vergleich zur EU-15 oder den USA leicht überdurchschnittlich viele Hochschulabsolventen ausgebildet. Pro 1000 Einwohner im Alter zwischen 20 und 29 Jahren graduieren rund 60 Studenten in den neuen EU-Mitgliedstaaten und in den USA, während gut 51 ihren Abschluss in der EU- 15 machen. Die öffentlichen Bildungsausgaben liegen mit rund 5,3% des BIP in allen drei Regionen auf einem ähnlichen Niveau. In den MOE-Ländern außerhalb der EU liegen die Werte meist niedriger: In Bulgarien zum Beispiel liegt die Absolventenquote bei 4,1% und 3,6% des BIP werden für öffentliche Bildungsausgaben verwendet.









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Der Pool an qualifizierten Arbeitskräften ist in den meisten Offshore- Standorten recht groß. Allerdings sagt die formale Qualifikation häufig wenig darüber aus, ob sich die Arbeitskräfte auch für den Einsatz bei einem international ausgerichteten Dienstleistungsanbieter (Insourcer) eignen. Nicht alle Universitäten erfüllen die Standards, die in Westeuropa oder den USA üblich sind. Zudem vermitteln manche Studiengänge zu wenig Sprachkenntnisse oder praktische Erfahrungen. Die Differenz zwischen der Anzahl der formal ausreichend ausgebildeten Arbeitskräfte und der Anzahl der tatsächlich geeigneten kann dramatisch sein. Laut einer Studie von MGI eignen sich nur 10% der studierten Ingenieure, Mathematiker, Statistiker und Physiker in China oder Russland für – ihrer Ausbildung entsprechende – Jobs bei Insourcern. In der Tschechischen Republik, Ungarn oder Polen (MOE-3) liegt der Anteil bei knapp 50%, während sich in den Industrieländern rund 80% der Absolventen auch für den Einsatz bei internationalen Dienstleistern eignen. Dadurch relativiert sich die Zahl der tatsächlich verfügbaren Arbeitskräfte.

Obwohl sich in Indien und China nur ein kleiner Teil der ausgebildeten Fachkräfte für einen qualifizierten Einsatz bei einem Insourcer eignen, ist ihre absolute Zahl dennoch höher als in anderen Offshore- oder Nearshore-Standorten. Außerdem zeigt sich, dass umfangreiche Reserven durch eine verbesserte Qualität in der Ausbildung mittelfristig aktiviert werden können.









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Viele IT-basierte Dienstleistungen verlangen Kenntnisse in technischen Prozessen und die Fähigkeit, abstrakte Probleme zu lösen. Eine gute Vorbereitung dafür sind technische, mathematische sowie naturwissenschaftliche Studiengänge und natürlich das Studium der Informatik. Gerade in MOE haben diese Fachbereiche in der Vergangenheit eine besondere Bedeutung gehabt. Inzwischen scheinen aber viele Studenten das Interesse verloren zu haben. Im Vergleich zur EU-15 oder den USA graduieren nur unterdurchschnittlich viele Studenten in Informatik: Deutlich weniger als 2% aller Absolventen in den neuen EU-Mitgliedstaaten haben Informatik studiert. Ähnlich sieht es außerhalb der EU, z.B. in Bulgarien, aus. In der EU- 15 liegt der Anteil bei über 4%, in den USA bei über 5%.

Im Jahr 2003 lag der Anteil der Informatik-Absolventen in Russland bei gut 2,5%. Für Indien wird der Anteil der Absolventen im ITBereich auf 5,7% geschätzt. Das ist aber möglicherweise nicht ausreichend. Einige Beobachter befürchten einen Engpass bei den Fachkräften, der den Boom der indischen IT-Industrie bremsen könnte.

Der Anteil der IT-Absolventen ist in den Jahren zwischen 1998 und 2003 allgemein gestiegen. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass sich dieser Trend universell fortsetzen wird. Viele, die in 2003 ihr Studium in Informatik abgeschlossen haben, waren noch vom New Economy- Boom beeinflusst. Inzwischen hat sich der Enthusiasmus für Informatik wieder gelegt, daher werden die Absolventenanteile in Zukunft eher wieder fallen.

Neben Informatik spielen weitere technische und wissenschaftliche Fächer eine Rolle: Während in der EU-15 fast 12% aller Absolventen Naturwissenschaften, Mathematik oder Informatik studiert haben, ist der Wert in den neuen Mitgliedstaaten weniger als halb so hoch. Ähnlich sieht es außerhalb der EU aus: In Rumänien und Bulgarien liegt der Anteil bei unter 6%. In den neuen EU-Mitgliedstaaten sind Sozial-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften bei den Studenten beliebt. Hier graduieren über 46% aller Absolventen im Vergleich zu 31% in der EU-15.

Insgesamt herrscht in MOE ein vergleichsweise gutes Ausbildungsniveau – freilich ohne eine Spezialisierung auf Informationstechnologie. Hier wiederholt sich der Eindruck, dass MOE wohl keinen ausgeprägten komparativen Vorteil bei klassischen IT-Dienstleistungen besitzt. Allerdings ist ein breites Angebot an qualifizierten Arbeitskräften ein wichtiger Standortvorteil bei höherwertigen Geschäftsprozessen.

Arme Länder haben schwache Institutionen

Niedrige Löhne für gut ausgebildete Arbeitskräfte sind nicht das einzige Kriterium für eine Standortwahl. Makroökonomische und institutionelle Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle, schließlich sind die ausgelagerten Prozesse häufig von hoher Bedeutung für die auslagernden Unternehmen – selbst wenn es sich um Standarddienstleistungen handelt. Würde zum Beispiel der ins Ausland verlagerte IT-Support durch äußere Einflüsse unterbrochen, könnte das den gesamten Produktionsablauf empfindlich treffen. Andere Probleme ergeben sich, wenn im Offshore-Standort der Datenschutz oder geistiges Eigentum nicht ernst genommen werden, Verträge nicht eingehalten werden oder staatliches Verhalten unberechenbar ist.

Die Qualität der Institutionen eines Landes korreliert deutlich mit dem Grad der wirtschaftlichen Entwicklung. In der Literatur wird häufig der International Country Risk Guide Composite Indicator (ICRG) als Maß für die institutionelle Qualität verwendet. Er verbindet Einschätzungen zum politischen Risiko, zur Rechtsstaatlichkeit, der Qualität der Bürokratie etc. mit wirtschaftlichen und währungspolitischen Variablen. Da typische Offshore-Standorte meist ärmere Länder sind – nur dort lassen sich die gewünschten Lohnkostenvorteile erzielen – sind also Abstriche bei den Institutionen zu erwarten.









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Offshoring bedeutet, dass eine mittel- bis langfristige Lieferbeziehung zwischen Käufer und Verkäufer für eine bestimmte Leistung vereinbart wird. Die Art und Qualität der Leistung wird in Service Level Agreements (SLA) festgehalten. Allerdings ist es wichtig, dass die darin enthaltenen Vereinbarungen durchgesetzt werden. In einigen Ländern sind die Kosten der Vertragsdurchsetzung aber erheblich. Eine allgemeine Einschätzung zu den durchschnittlichen Kosten findet man in der Doing Business-Datenbank der Weltbank. Hier wird gemessen, wie lange es dauert und wie viel es kostet, einen Zahlungsanspruch im Fall eines Streits gerichtlich durchzusetzen. In Indien kann das über 40% der ausstehenden Summe kosten. In China und Russland beträgt der Wert über 20%. In Ungarn und der Tschechische Republik dagegen liegen die Kosten mit unter 10% niedriger als in Deutschland. Auch in Rumänien und Bulgarien liegen die Kosten bei unter 15%.

Noch komplizierter wird die Vertragsbeziehung dadurch, dass sich die Anforderungen im Lauf der Zeit verändern werden, zum Beispiel durch neue technische Entwicklungen oder veränderte Regulierung. Diese Veränderungen sind nicht immer vorhersehbar. Lieferant und Käufer müssen sich also während der Vertragslaufzeit über Änderungen einigen, die bei Vertragsabschluss nicht erwartet wurden.

Aufgrund der langen Laufzeit eines SLA und der häufig notwendigen Anpassungen ist die Gefahr von Nachverhandlungen, die einen Geschäftspartner benachteiligen, besonders hoch. Der Anbieter eines Services kann zum Beispiel versuchen, mit dem Hinweis auf veränderte Rahmenbedingungen den Preis seiner Leistung zu erhöhen. Inwieweit die angeführte Begründung die Preiserhöhung tatsächlich rechtfertigt, lässt sich häufig nicht eindeutig entscheiden. Gute Institutionen stabilisieren aber die Geschäftsbeziehung, indem sie ein verlässliches Forum und Regelwerk für Auseinandersetzungen bieten, bis hin zu einer fairen gerichtlichen Klärung.

Indiens IT-Industrie hat eine Sonderrolle

Die aggregierten Daten zur institutionellen Qualität sind Durchschnittswerte für die gesamte Ökonomie, die sektorale Unterschiede überdecken. Dies ist gerade in Ländern wie Indien von Bedeutung, in denen die Unterschiede zwischen den Branchen besonders ausgeprägt sind. Tatsächlich ist der indische Dienstleistungssektor erfolgreicher als andere Sektoren: Er stellt nur 20% der Beschäftigten erwirtschaftet aber über 50% der Wirtschaftsleistung. Besonders die IT-Industrie spielt eine Sonderrolle. Indische Top-Anbieter sind seit Jahrzehnten im Geschäft und haben sich international Respekt und Anerkennung erarbeitet. Das so aufgebaute Vertrauen bietet Sicherheit, bürgt also für eine angemessene und einvernehmliche Durchführung der Geschäftsbeziehung. Schließlich will kein Anbieter seine Reputation dadurch beschädigen, dass er seine Kunden bei Nachverhandlungen benachteiligt. In MOE haben ITO- und BPOAnbieter eine kürzere Geschichte und hatten daher bisher weniger Gelegenheit Reputation aufzubauen.

Dynamik auf der Nachfrageseite

Nachholbedarf in Kontinentaleuropa









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Unternehmen aus den USA oder Großbritannien sind die führenden Nachfrager nach Offshore-Dienstleistungen. Sie profitieren bislang von der Angebotsstruktur, da der wichtigste Anbieter – Indien – vor allem ihre Bedürfnisse bedienen konnte.

Über 70% aller europäischen Offshoring-Ausgaben werden in Großbritannien oder Irland getätigt. Deutschland, Österreich und die Schweiz kommen gemeinsam nur auf einen Anteil von 9%, Frankreich auf 8%. Südeuropäische Länder wie Italien, Spanien oder Portugal spielen nur eine sehr kleine Rolle.

Kontinentaleuropa ist ein attraktiver Markt für Anbieter aus MOE, da hier der Nachholbedarf im Vergleich zu angelsächsischen Ländern am größten ist. Zudem bietet MOE möglicherweise genau die Faktoren, welche die Unternehmen in Kontinentaleuropa bislang vermisst haben – vor allem mit Blick auf Sprache und Kultur. Allerdings spielen auch andere Regionen hier ihre Stärken aus: Französische Unternehmen finden in Nordafrika Französisch sprechende Mitarbeiter; spanische Unternehmen suchen Partnerunternehmen in Lateinamerika. Eine Vielzahl von Ländern in Asien entwickeln Angebote für den kleinen, aber stark wachsenden japanischen Markt.

Kleinere Unternehmen sind zurückhaltender bei der Nutzung von Offshoring. Für sie bietet MOE ein interessantes Angebot an Offshore- Dienstleistungen. Kleinere Unternehmen können ihre Prozesse typischerweise nicht so stark gliedern und standardisieren wie große Unternehmen. Zudem haben die Prozesse jeweils ein kleineres Volumen. Daher übersteigen die Investitionen für Auswahl und Kontrolle eines Offshore-Partners häufig die Einsparpotenziale. Nearshoring ist hier eine Alternative, weil die Rüstkosten meist niedriger sind.

Neue Prozesse

Offshoring beschränkt sich längst nicht nur auf einfachste Programmieraufgaben und Call-Center. Auch komplizierte und komplexe Prozesse werden ins Ausland verlagert, wo zunehmend die Kompetenz dafür wächst. Indische Radiologen zum Beispiel analysieren und interpretieren Röntgenbilder für amerikanische Krankenhäuser. Auch andere anspruchsvolle Back-Office-Tätigkeiten werden ausgelagert, zum Beispiel in der Rechtsberatung (Legal Process Outsourcing) oder die Auswertung von Wirtschaftsdaten. Die Technologieberatung Forrester schätzt, dass bis 2010 knapp 39.000 Jobs in der Rechtsberatung aus den USA in Offshore-Standorte verlagert werden.

Der Fantasie der Unternehmen sind beim Offshoring kaum Grenzen gesetzt. Viele Dienstleistungen lassen sich günstig in Niedriglohnländern erbringen – auch jenseits der klassischen IT-Dienstleistungen. Geeignete Prozesse zu entdecken und die nötigen Strukturen im Unternehmen für Auslagerungen zu schaffen, wird sich zunehmend zu einer betriebswirtschaftlichen Kompetenz entwickeln.

Einen wichtigen Hinweis für das Offshoring-Potenzial liefert ein Blick auf das Outsourcing-Verhalten. Viele Prozesse werden erst inländisch ausgelagert (Outsourcing), bevor sie ins Ausland verlagert werden (Offshoring). Komplexere Geschäftsprozesse werden typischerweise dem Business Process Outsourcing zugeordnet, während klassische IT-Dienstleistungen unter IT Outsourcing erfasst werden. IDC schätzt, dass BPO bis 2009 ein Volumen von über USD 35 Mrd. in Westeuropa erreichen wird. Damit steht es dann fast auf einer Stufe mit ITO. In den USA nimmt BPO bereits einen Anteil von fast 90% des gesamten Outsourcing- Volumens ein.

Die wachsende Bedeutung von BPO gerade in Westeuropa spricht für den Standort MOE. Schließlich spielen Anbieter aus MOE gerade bei komplexeren Geschäftsprozessen ihre Stärken aus.

Fazit: Selektives Offshoring

IT-Dienstleistungen und Back-Office-Tätigkeiten für Unternehmen in Hochlohnländern sind ein attraktives Geschäftsfeld für viele aufstrebende Ökonomien. Offshoring schafft dort gut bezahlte Jobs, Exporterlöse und fördert den Technologie- und Wissenstransfer. Es ist kein Wunder, dass so viele Länder versuchen, den indischen Erfolg zu imitieren und ihrerseits als Offshore- oder Nearshore-Standort aufzutreten. Mittel- und Osteuropa (MOE) ist aufgrund seiner geografischen und kulturellen Nähe zu wichtigen Märkten sowie seines vergleichsweise günstigen Lohn- und hohen Bildungsniveaus ein vielversprechender Standort.

Der Markt für Offshore-Outsourcing der IT und anderer Geschäftsprozesse wächst beträchtlich. Die Zuwachsraten liegen deutlich über denen anderer Handelsströme – allerdings von einem niedrigen Niveau aus. Im Vergleich zu ihren angelsächsischen Konkurrenten agieren kontinentaleuropäische oder asiatische Unternehmen noch zurückhaltender, aber sie können die zu erwartenden Kostenvorteile nicht dauerhaft ignorieren. Zudem erweitert sich die Geschäftspalette, da neue Prozesse für Offshoring entdeckt werden – zum Beispiel in Forschung und Entwicklung.

Auf der Angebotsseite spielen typische Standortfaktoren eine wichtige Rolle. Das Lohnniveau in den fortgeschrittenen MOE-Ländern ist niedriger als in den alten EU-Mitgliedstaaten, aber über dem klassischer Offshore-Standorte. Außerhalb der EU finden sich aber auch günstigere Nearshore-Standorte, zum Beispiel in Rumänien oder Bulgarien. Typischerweise sind die Löhne umso niedriger, je ärmer das Land ist. Allerdings erhöht sich das makroökonomische und institutionelle Risiko, wenn Prozesse in besonders arme Länder verlagert werden. Das kann zu einem Problem werden, wenn zum Beispiel die Abhängigkeit von dem ausgelagerten Prozess sehr hoch ist oder sensible Daten bearbeitet werden. Der indische IT-Dienstleistungssektor genießt eine Sonderrolle, weil er in den letzten Jahrzehnten erfahrener und professioneller geworden ist. Dieser Vorteil fehlt in den günstigen MOE-Ländern. Daher wiegen institutionelle Schwächen hier schwerer.

Indien hat eine spezialisierte Exportstruktur, in der IT-basierte Dienstleistungen einen hohen Anteil einnehmen. Das deutet auf einen komparativen Vorteil in der Produktion dieser Dienste. Den Ländern in MOE fehlt diese Spezialisierung bisher genauso wie eine Spezialisierung in der IT-Ausbildung.

MOE spielt seine Stärken gerade dort aus, wo die Kommunikation zwischen auslagerndem Unternehmen und Dienstleistungsanbieter besonders wichtig ist. Das ist häufig bei komplexeren Geschäftsprozessen der Fall. Zudem fällt die fehlende IT-Spezialisierung in MOE bei typischen Back-Office-Prozessen – z.B. in der Buchhaltung – weniger ins Gewicht. Die geografische und kulturelle Nähe zum Auftraggeber erleichtert die Verständigung. Dadurch werden Missverständnisse reduziert und der Austausch von komplexer und abstrakter Information wird leichter. Darüber hinaus besitzen viele Mitarbeiter in MOE Kenntnisse in Deutsch und Französisch und können diese Märkte daher leichter bedienen.

Wie wichtig die Kommunikation ist, muss jedes Unternehmen selbst entscheiden. Dabei ist zu erwarten, dass Unternehmen für vergleichsweise komplexe, innovative oder kreative Prozesse eine intensive Kommunikation mit ihrem Anbieter wünschen. Unerfahrene Unternehmen werden die Offshoring-Beziehung anfangs intensiver beobachten und häufig Rückversicherungen suchen. Einfache, standardisierte Dienstleistungen dagegen bedürfen weniger der Interaktion. Hier entscheiden Unternehmen eher nach dem Kriterium Preis, selbst wenn die Kommunikation mit dem Anbieter komplizierter ist. Die Attraktivität eines Nearshore-Standortes wie MOE nimmt mit der Intensität der gewünschten Kommunikation zu.



 



 



 



 



 



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