Wegen ökonomischer, technischer und juristischer Herausforderungen stoßen die im traditionellen Geschäft bislang gebräuchlichen Lösungen, bei den räumlich und zeitlich getrennten elektronischen Geschäftsvorgängen immer deutlicher an ihre Grenze. Systemanbieter müssen umgehend überzeugende Lösungen bieten, die zum anwachsenden eBusiness passen. Aufgrund der teilweise sehr unterschiedlichen Anforderungen von Verbrauchern und Händlern ist dieses allerdings überaus komplex. Die Unterstützung namhafter Partner ist für die Verbreitung neuer Bezahlsysteme essenziell. Der Erfolg der Angebote entscheidet sich an den Fragen nach Anwenderfreundlichkeit und empfundener Sicherheit. Hier stehen Content-Provider, Infrastrukturanbieter der Telekommunikation und insbesondere Banken mit ihrem Renommee bei Geldtransaktionen in der Pflicht, den Grundstein für einen guten Start zu legen. Anbietern neuer Produkte fällt es äußerst schwer, gegen bereits im Markt etablierte Systeme zu punkten. Allein in Nischen, bei denen große Marktakteure derzeit keine ausreichenden Margen erkennen, haben kleine innovative Systemanbieter reelle Chancen. So eröffnet der Bereich Kleinstbeträge in den nächsten fünf Jahren für innovative Systeme begrenzte Möglichkeiten.
Die anstehende Ablösung des Anscheinbeweises beim Vertragsabschluss bringt das aktuelle Geschäftsmodell vieler innovativer Zahlungssysteme künftig ins Wanken. Die derzeit in der Praxis üblichen Hilfsmechanismen können das notwendige Maß der Unbestreitbarkeit, welches die digitale Signatur garantiert, nicht gewährleisten. Obgleich das Handy als alltäglicher Begleiter grundsätzlich eine interessante Alternative darstellt, schränken juristische und technische Bedenken die langfristigen Potenziale der mPayment-Systeme nachhaltig ein. Kurzfristig erzielen die mobilen Zahlungssysteme mit dem Erfolg der neuen schnellen Übertragungstechnologien im Mobilfunk dennoch achtbare Erfolge. Ihr Anteil an der Anzahl aller bargeldlosen Transaktionen, der heute in Westeuropa noch im niedrigen Promille-Bereich liegt, sollte in den kommenden fünf Jahren auf über 5% wachsen, hernach aber mit Anpassung der arrivierten Systeme schnell wieder deutlich abfallen. Entsprechend schreitet im noch jungen Geschäftsfeld der elektronischen Zahlungssysteme die Konsolidierung massiv voran. Aufgrund des Netzeffektes werden selbst grundsätzlich äußerst nutzerfreundliche innovative Bezahlsysteme aus dem Markt gedrängt. Weniger als drei der über 100 aktuellen Geschäftsmodelle dürften die kommenden fünf Jahre überleben. Demgegenüber haben bereits im Offline-Geschäft arrivierte Systeme, wie die international etablierte Kreditkarte, speziell in Deutschland auch die weit verbreitete Debitkarte und die chipkartenbasierte Geldbörse beste Aussichten. So sollte sich in Deutschland die Zahl der Transaktionen per GeldKarte in fünf Jahren verzehnfachen.
Die Chancen von Credit-, Debit- und chipkartenbasierte Geldbörse im elektronischen Handel wachsen deshalb, weil sich zum einen dank des Signaturbündnisses neue Sicherheitsmechanismen etablieren. Zum anderen sollte aber auch sehr bald die derzeitige Nische Kleinstbeträge für große Banken interessant werden. Die dann über deutliche Investitionen auf die Anforderungen des eBusiness erweiterten, bereits heute etablierten Zahlungssysteme dürften Online-Kunden umgehend überzeugen.
Bei Fragen zu diesem Thema wenden Sie sich bitte an: Stefan Heng (stefan.heng@db.com), Deutsche Bank Research