Gesundheitsreform: eHealth bleibt außen vor

23.07.2003 – Unternehmen, die darauf gesetzt haben, dass der Reformentwurf vielleicht auch den Weg für den verstärkten Einsatz von Informationstechnologien ebnen würde, zeigen sich enttäuscht. Allen voran IBM-Chef Raizner.

Unternehmen, die darauf gesetzt haben, dass der Reformentwurf vielleicht auch den Weg für den verstärkten Einsatz von Informationstechnologien ebnen würde, zeigen sich enttäuscht. Allen voran IBM-Chef Raizner.

"Kosten werden im Wesentlichen umverteilt und nicht gespart. Trotz richtiger Ansätze sind viele Chancen verpasst." So beurteilt der Vorsitzende der Geschäftsführung der , Walter Raizner, die Ergebnisse der Verhandlungspartner zur Gesundheitsreform. Ein wesentlicher Beitrag zur nachhaltigen Kostensenkung im Gesundheitswesen steht einmal mehr nicht auf der Agenda: Der konsequente Einsatz von Informationstechnologie. Dadurch ließen sich nach Schätzungen von IBM Business Consulting Services mittelfristig fünf bis acht Prozent der gesamten Aufwendungen für das Gesundheitssystem in Höhe von rund 230 Milliarden Euro einsparen. "Diese Einsparungen", argumentiert Walter Raizner, "lassen sich im Wesentlichen durch die Optimierung von Arbeitsschritten im administrativen sowie im medizinisch-pflegerischen Bereich erzielen. An keiner Stelle geht es dabei um eine Verminderung von therapeutischen oder pflegerischen Leistungen". Effizienzgewinne sind unter anderem durch den Einsatz der elektronischen Patientenakte, leistungsfähige Dokumenten-Management-Lösungen und den elektronischen Einkauf möglich.

"Die Privatwirtschaft setzt schon seit vielen Jahren sehr erfolgreich auf eBusiness, um ihre Arbeitsschritte effizienter zu gestalten und ihre Beziehungen zu Kunden und Zulieferern zu optimieren", so Raizner weiter, "und auch das Gesundheitswesen könnte dies in ganz ähnlichem Maßstab tun. Doch obwohl dieser Bereich zu den datenintensivsten Sektoren unserer Volkswirtschaft überhaupt gehört, wird vergleichsweise wenig investiert": Geben andere datenintensive Branchen wie Versicherungen oder Finanzdienstleister bis zu zehn Prozent ihrer jährlichen Budgets für IT aus, werden im Gesundheitswesen lediglich zwei bis drei Prozent, in deutschen Krankenhäusern sogar nur 0,8 bis ein Prozent in Informations- und Kommunikationstechnologie gesteckt. Fast schon ein Armutszeugnis: Vergleichbare Industrieländer investieren bis zu fünf Prozent in die IT ihres Gesundheitswesens.

Ein teures Versäumnis, wie das Beispiel eProcurement, der Einkauf von Waren und Dienstleistungen über das Netz, zeigt: Obwohl sich 80 Prozent der Krankenhäuser dadurch wesentliche Kosteneinsparungen versprechen würden, wird der Einkauf über das Internet erst von wenig mehr als zehn Prozent tatsächlich praktiziert. Darüber hinaus leidet der gesamte Sektor an einer starken Fragmentierung der Daten: Krankenhäuser, Krankenversicherer und der ambulante Sektor erfassen und verwalten ihre Daten heute noch weitgehend getrennt – und generieren damit wahre Datenfriedhöfe, die nicht nur teuer sind, sondern einer optimalen Versorgung ernsthaft im Wege stehen.

 


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