eGovernment: Deutschland hinkt hinterher

22.09.2008 – Laut einer Studie gibt es in Deutschland noch immer zu wenige eGovernment-Angebote. Zudem sind die vorhandenen Dienste für viele Firmen unattraktiv oder schlicht unzugänglich.

Laut einer Studie gibt es in Deutschland noch immer zu wenige eGovernment-Angebote. Zudem sind die vorhandenen Dienste für viele Firmen unattraktiv oder schlicht unzugänglich.

Unternehmen können ihre Behördengänge in Deutschland nur in den seltensten Fällen vollelektronisch erledigen. Online-Services der verschiedenen Verwaltungsebenen werden – wenn überhaupt vorhanden – meist nicht flächendeckend angeboten. So haben hierzulande im vergangenen Jahr nur 56 Prozent der Firmen eGovernment-Anwendungen genutzt. Im Vergleich aller 27 EU-Länder landet die Bundesrepublik damit lediglich im unteren Drittel auf Platz 21. Zu diesen Ergebnissen kam eine Studie von . Der aktuelle Stand der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung werde der wirtschaftlichen und politischen Bedeutung Deutschlands nicht gerecht, es müsse der Wirtschaft leichter gemacht werden, mit den öffentlichen Stellen digital zu kommunizieren, so BITKOM-Präsident Prof. August-Wilhelm Scheer. Besserung stellt eine EU-Dienstleistungsrichtlinie in Aussicht, die bis Ende 2009 umgesetzt werden muss und eGovernment-Möglichkeiten vorschreibt.

Eine zentrale Position bei der Dienstleistungsrichtlinie nimmt eine zentrale Stelle namens „Einheitlicher Ansprechpartner“ ein. Daran sollen Unternehmen zukünftig vielfältigste Anliegen richten können. Der Einheitliche Ansprechpartner soll sich dann – über bestehende Verwaltungs- und Zuständigkeitsgrenzen hinweg – um die Firmengesuche kümmern. Allerdings existiert bereits – entgegen des eigentlichen Ziel der Vereinfachung – eine Vielzahl verschiedener Umsetzungsvarianten. Einige Bundesländer planen eine Lösung auf der kommunalen Ebene, andere auf Kreisebene, wieder andere möchten die Kammern als Ansprechpartner einschalten, manche sehen die Schaffung neuer Anstalten öffentlichen Rechts vor. Föderale Vielfalt sei sinnvoll, aber nicht, wenn gerade eine nationale einheitliche Lösung angestrebt werde, mahnt Scheer zur konsistenten Vereinheitlichung.

Wie sinnvoll und gefragt wirksame eGovernment-Anwendungen sind, zeigt sich im Finanzwesen. Die elektronische Steuererklärung „Elster“ wurde so gut aufgenommen, dass bereits die zukünftige Einführung eines elektronischen Einkommensnachweises beschlossen wurde. Dennoch können diese Positivbeispiele nicht über das schwache Gesamtbild hinwegtäuschen. Andere Länder Europas sind beim eGovernment sehr viel weiter als Deutschland. In Finnland beispielsweise nehmen laut der Statistikbehörde Eurostat bereits seit Jahren mehr als 90 Prozent der Unternehmen per Internet Kontakt zu den Behörden auf. Ähnliche Spitzenwerte erzielen Irland mit 89 Prozent, Dänemark mit 88 Prozent, sowie Luxemburg und die Slowakei mit je 85 Prozent.

 


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