Internet-Hypes mathematisch entschlüsselt

19.11.2008 – Warum entwickeln sich manche YouTube-Videos zu Publikumsrennern, während andere kaum Aufmerksamkeit erzielen? Forscher der ETH Zürich haben hierfür ein verblüffendes mathematisches Modell entwickelt.

Warum entwickeln sich manche YouTube-Videos zu Publikumsrennern, während andere kaum Aufmerksamkeit erzielen? Forscher der ETH Zürich haben hierfür ein verblüffendes mathematisches Modell entwickelt.

Online-Medienphänomene als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung: Wissenschaftler der haben die Frage untersucht, warum manche YouTube-Videos ungeheure Popularität entwickeln können und nach welchen Charakteristika diese Entwicklung verläuft. Dazu wurde über einen Zeitraum von zwei Jahren die Popularitätsentwicklung einzelner YouTube-Inhalte verfolgt. Erfolgreiche Videos, deren Anteil mit zehn Prozent am Gesamtvolumen des Portals recht gering ist, lassen sich demnach in drei Gruppen unterteilen.

Sogenannte „Junk“-Videos, welche für kurze Zeit unerhofft viel Aufmerksamkeit generieren, sind die „Eintagsfliegen“ unter den YouTube-Phänomenen. Sie erzeugen keinen „Herdentrieb“ und sind daher mathematisch eher uninteressant, da sie in der Entstehung zu spontan sind und kaum Nachwirkungen zeigen. Anders verhält es sich bei der „viralen“ Kategorie: Diese Videos breiten sich epidemieartig über das ganze Internet über Foren, Blogs und soziale Netzwerke aus und erlangen so schnelle und nachhaltige Popularitätsraten; als Beispiel führten die Forscher ein Trailer-Video für einen Film an, dass allein durch Mund-zu-Mund-Propaganda im Internet zu großer Aufmerksamkeit kam. Die dritte Kategorie sind „Qualitäts-Videos“, welche durch ihren Inhalt ein großes Publikumsinteresse erzeugen. Hier entwickelt sich die Popularität rasch und ebbt dann langsam ab; als Beispiel wurde hier ein Video der Tsunami-Katastrophe in Indonesien von 2004 genannt.

Als die Forscher nun die Zuschauerzahlen der Kategorie „Viral“ und „Qualität“ als Kurve im Verhältnis zur Zeit darstellten und verglichen zeigten sich einige Gesetzmäßigkeiten: So ist der Kurvenverlauf eines erfolgreichen Videos in der Anfangsphase sehr charakteristisch, ebenso in der Phase des langsamen Abebbens des Publikumsinteresses. Die Kapazität eines Videos zu einem Massenphänomen kann also, laut den Forschern, an der Form dieser Kurve abgelesen werden. Der „Nachhalleffekt“ eines populären Videos ähnelt in der Darstellung mathematischen Modellierungen von Nachbeben bei großen Erdbeben; die Wissenschaftler sprechen hier gar von „Soziophysik“. Praktisch genutzt werden kann das Modell für fast alle Arten von Online-Marketing-Aktivitäten, sei es für eCommerce, Nachrichten oder eben Online-Videos. Sobald der kritische Punkt, der sogenannte „Tipping-Point“, für das Einsetzen des viralen Effektes erreicht ist, wandeln sich Inhalte und Produkte zum Selbstläufer. Mittelfristig schwebt den Forscher sogar eine Art „Trendüberwachungszentrum“ für das Internet vor.

 


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