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XML und BMEcat: die Lösung für Produktkataloge?

  • Redaktion ECIN
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StratediAuf welchem Wege und in welcher Form gelangen eigentlich die Produktdaten zum Kunden, in die elektronischen Kataloge und Online-Shops? Die manuelle Erfassung von Artikelstammdaten ist wenig effektiv - BMEcat erleichtert die Arbeit.

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Für den technisch ambitionierten Verbraucher (Consumer) ist das Verfahren, welches man neudeutsch mit business-to-consumer (B2C) bezeichnet, fast schon eine Selbstverständlichkeit: Produkte wie Bücher, Musik-CD's, DVD's etc. werden über das Internet geordert und in der Regel innerhalb von 24 Stunden versandkostenfrei geliefert.

Doch auch innerhalb von business-to-business-Beziehungen (B2B) erfolgt die Beschaffung zunehmend via Web. So stehen bereits heute den Mitarbeitern großer Konzerne elektronische Kataloge zur Verfügung, mit deren Hilfe sich bspw. das benötigte Büromaterial per Mausklick beschaffen läßt. In diesem Zusammenhang sei auch an die Ankündigung einiger Konzerne aus der Automobilindustrie erinnert, eine zentrale eCommerce-Plattform für den gemeinsamen Einkauf zu schaffen. Gleiche Tendenzen sind auch innerhalb der Chemie und in anderen Branchen festzustellen.

Einen anderen Weg - mit gleichen Zielen - beschreiten externe Dienstleister, die für ihre zahlreichen Kunden die Beschaffung sog. C-Teile im Zuge eines Outsourcings vornehmen (eProcurement). Mit Hilfe der elektronischen Beschaffung werden im B2B-Bereich zwei grundsätzliche Ziele verfolgt: zum einen werden Preisvorteile aufgrund einer gebündelten Nachfrage realisiert, zum anderen sollen die Kosten der Beschaffung minimiert werden. Viele Unternehmen haben erkannt, dass die Prozesskosten einer Bestellung häufig über dem eigentlichen Bestellwert liegen. Artikelstammdaten und Produktkataloge bilden dabei die Grundlage zur Realisierung unternehmensübergreifender elektronischer Geschäftsprozesse wie bspw. dem Austausch von Bestellungen, Rechnungen und der Zahlungsverkehrsabwicklung.

Doch eine wichtige Frage stellt sich in diesem Zusammenhang: auf welchem Wege und in welcher Form gelangen die Produktdaten zum Kunden, in die elektronischen Kataloge und Online-Shops ? Es ist für jeden leicht nachvollziehbar, dass im Zuge einer zunehmenden elektronischen Vernetzung der Geschäftspartner für die manuelle Erfassung von Artikelstammdaten kein Platz mehr ist. Großkonzerne mit oft mehreren tausend Lieferanten sowie Shopbetreiber haben ein vitales Interesse daran, dass die liefernde Industrie diese Daten kontinuierlich, strukturiert und elektronisch zur Verfügung stellt.

Diese Überlegungen führten zur Bildung eines gemeinsamen Arbeitskreises "E-Commerce" unter Federführung des BME (Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V.).
Ein wichtiges Ziel dieses Arbeitskreises war es, den elektronischen Austausch von Produktstammdaten zwischen Herstellern und beschaffenden Organisationen zu vereinheitlichen.

Mit BMEcat in der Version 1.01 liegt jetzt aktuell eine Spezifikation für den standardisierten, elektronischen Austausch multimedialer Produktdaten und Kataloge vor. Die fachlichen Entwicklungen wurden von Fraunhofer IAO, Stuttgart und den Universitäten Essen und Linz durchgeführt. U.a. haben die Firmen BMW, Bayer, Deutsche Telekom, Deutsche Bahn, Ruhrgas, DaimlerChrysler, Audi, GZS, Mannesmann, Infraserv Hoechst, Siemens, Philips, VEBA und Pirelli zugesagt, BMEcat in ihren Unternehmen ab sofort einzusetzen und zukünftig die elektronischen Kataloge mit ihren Lieferanten im neuen Einheitsformat austauschen. Daher ist anzunehmen, dass sich BMEcat zum wichtigsten Standard für die Übermittlung von Produktkatalogen im deutschsprachigen Raum entwickeln wird.

BMEcat verwendet den de-facto-Industriestandard XML (Extensible Markup Language), der es erlaubt, Strukturen und Daten gleichzeitig zu kodieren. Wie jedes Standarddatenformat kennt BMEcat Muss- und Kann-Informationen, die durch die ebenfalls zum BMEcat-Standard gehörenden Document Type Definitions (DTD) definiert werden. In aller Regel spezifiziert der Kunde (=Datenempfänger) zusätzlich diejenigen Datenelemente, die er neben den in jedem Fall zu übertragenden Muss-Informationen zusätzlich erwartet.

BMEcat bietet - neben der Übermittlung reiner Produktstammdaten - die Möglichkeit...
 • zur Abbildung von Katalogstrukturen,
 • zur einheitlichen Klassifizierung von Produkten (bspw. in Verbindung mit e@Class
 • zur einheitlichen Definition von Produktmerkmalen (z.B. Größe, Farbe, Gewicht etc.) innerhalb von Produktgruppen
 • zur Einbindung multimedialer Informationen wie Bilder, Grafiken, Videodaten und Sounddateien.

Die Vorteile für die Lieferanten liegen auf der Hand: statt wie bisher die Kunden mit vielen unterschiedlichen Datenformaten zu versorgen, muss zukünftig mit BMEcat lediglich ein standardisiertes Datenformat unterstützt werden, was wiederum bei vielen Lieferanten zu einer deutlichen Kostenreduktion führt.

Zwar existieren bspw. mit DATANORM oder SINFOS seit langem Standarddatenformate für den Produktdatenaustausch, jedoch sind diese stark branchenabhängig. BMEcat dagegen ist ein branchenunabhängiger Standard, der darüber hinaus aufgrund von XML und wegen der Unterstützung multimedialer Informationen "internettauglich" und damit "e-Commerce- fähig" ist.

Der Vorteil für die Kunden ist in erster Linie in einer deutlichen Zunahme der Markttransparenz zu sehen. Aufgrund der Verwendung einheitlicher Produktklassifizierungen und Produktmerkmale wird ein direkter Vergleich von Produkten unterschiedlicher Hersteller deutlich vereinfacht.

Die technische Realisierung auf Seiten des Lieferanten (=Datensenders) gestaltet sich in aller Regel wie folgt:
 • Prüfung der vorhandenen Artikelstammdaten auf "Vollständigkeit"
 • Export der Daten aus der Applikation in eine Dateischnittstelle/Tabelle
 • ggf. manuelle Ergänzung der Stammdaten um fehlende Informationen
 • ggf. Zuordnung der Produkte/Produktgruppen in das Klassifikationsschema des Kunden
 • Konvertierung der Daten in das BMEcat-Format (XML)
 • Übermittlung der Daten an den Kunden bzw. die beschaffende Organisation

Am Markt sind hierfür Software-Tools erhältlich, mit deren Hilfe die zu versendenden Daten aus dem ERP-System extrahiert, manuell nachbearbeitet und konvertiert werden können.

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