Megatrends fördern die Breitband-Entwicklung

Autor: Dr. Jürgen Kaack  veröffentlicht am 08 Januar 2009  
 
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STZ-Consulting GroupOb soziale Web-Dienste oder moderne Verwaltungsprozesse, Internet-Trends haben in der Gesellschaft längst eine feste Basis. Mit der steigenden Zahl beispielsweise an multimedialen Angeboten, erhöht sich auch der Wunsch nach schnelleren Zugängen zum weltweiten Datennetz. So können Megatrends nicht nur den Breitband-Ausbau vorantreiben, auch das Netz selber kann als Treiber verschiedenster Anwendungen aus den Bereichen Bildung, Gesundheit, Verkehr oder Verwaltung agieren.

Die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft folgt langjährigen und überregional gültigen Tendenzen, die konjunkturelle Zyklen wie eine Finanzkrise oder zyklisch mögliche Rezessionen überlagern. In der Vergangenheit waren dies die Erschließung von Rohstoffen, die Industrialisierung und der Aufbau von Transportwegen wie Eisenbahnschienen, Kanälen und Straßen. Die aktuellen weltweiten Megatrends sind nach Ansicht von Experten:

- Globalisierung
- Mobilität
- Bildungs- statt Informationsgesellschaft
- Alternde Gesellschaft
- Virtualisierung

Wie der Name nahe legt, wirken Megatrends auf alle Gesellschaftsgruppen weltweit ein und überlagern andere Tendenzen. Sie bieten Ansätze für Breitbandlösungen, die einen konkreten Beitrag zur weiteren Entwicklung leisten können. Dabei ist heute ebenso wenig absehbar, in welche Richtung sich die Telekommunikation tatsächlich weiterentwickeln wird, so wie dies bereits vor zehn Jahren der Fall war. So ist das Internet 2008 erst 15 Jahre alt geworden, nachdem im Jahr 1993 der erste Web-Browser eingeführt wurde. Mittlerweile nutzen weltweit 1,23 Mrd. Menschen das Internet, in Deutschland sind 65 % der Bevölkerung online und in diesem Jahr werden wohl noch mal 5 % hinzukommen.

Da das Internet-Angebot auf vielen Seiten immer multimedialer wird mit animierten Seiten, Videos, Musik und Fotos. So bleibt es nicht aus, dass die erforderliche Bandbreite stetig steigt. Ende 2008 werden 21,9 Mio. Haushalte in Deutschland einen Breitband-Anschluss nutzen. Dabei steigt die genutzte Bandbreite kontinuierlich. Während 2005 noch 8,2 Mio. (von insgesamt 10,3 Mio.) Anschlüsse eine Bandbreite von weniger als 2 MBit/s hatten, werden es bis Ende 2008 nur noch 3,7 Mio. Anschlüsse sein. Gleichzeitig werden 2008 bereits 4,5 Mio. Anschlüsse mehr als 6 MBit/s zur Verfügung haben, 2005 gab es dieses Bandbreiten-Angebot noch nicht im Privatkundensegment!


Aufholjagd in der Breitband-Durchdringung

Die Anzahl der Breitband-Anschlüsse ist gegenüber dem Vorjahr um 17 % gestiegen. Das Marktsegment mit mehr als 6 MBit/s ist dagegen gegenüber 2007 um 125 % gewachsen. Der Trend zu mehr Bandbreite ist somit eindeutig und sicher nicht am Ende. Derzeit nutzt das Gros der Kunden, nämlich 13,7 Mio. den Bandbreitenbereich von 2 bis 6 MBit/s. In den nächsten Jahren werden Bandbreiten mit 16, 32, 50 oder sogar 100 MBit/s genauso selbstverständlich werden wie heute 6 MBit/s!

Beeindruckend ist die Entwicklung des Breitband-Verkehrsvolumens von 2001 mit nur 22 Mio. GB auf voraussichtlich 2397 Mio. GB in 2008. Durchschnittlich ist das Internet-Verkehrsvolumen in den letzten Jahren um ca. 340 GB jährlich gestiegen, allerdings mit deutlichem Anstieg in den letzten beiden Jahren. Alleine von 2007 auf 2008 beträgt der Anstieg über 33 % und somit fast doppelt so stark wie die Anzahl der Breitband-Anschlüsse! Das durchschnittliche Datenvolumen pro Monat und Nutzer liegt 2008 laut VATM bei 9,2 GB und wächst weiter. Das steigende Verkehrsvolumen ist letztlich auch die entscheidende Ursache für den Bedarf an ständig steigenden Bandbreiten.


Das Internet wird mobil

Nicht nur im Festnetz wächst das Verkehrsvolumen, auch im Mobilfunk steigt die Datenkommunikation zwar noch auf niedrigem Niveau aber doch stetig. 2002 betrug der Umsatz mit mobiler Datenkommunikation gerade mal € 0,1 Mrd., aber 2008 werden es wohl bereits € 2,3 Mrd. sein. Gegenüber dem Vorjahr ist das Umsatzvolumen um über 35 % angewachsen und es ist zu erwarten, dass auch im nächsten Jahr über 30 % Wachstum erreicht werden. Bemerkenswert ist, dass die mobile Datenkommunikation voraussichtlich bereits 2009 einen höheren Umsatz generiert als SMS und MMS zusammen!

Bedenkt man, welche Anwendungen die Entwicklung des Internets getrieben haben, so wird deutlich, warum auch in der mobilen Datenkommunikation noch erhebliches Wachstumspotenzial steckt. Eine der ersten und bis heute wichtigsten Anwendungen ist das Versenden und Empfangen von Emails. Mit dem Aufkommen der Push-Dienste und kostengünstiger Datenpaket-Angebote ist die Email-Nutzung auch in mobiler Umgebung nicht mehr ungewöhnlich.

Weitere mobile Anwendungen wie z.B. Standort-abhängige Informations- und Transaktions-Dienste werden die mobile Datenkommunikation weiter entwickeln. Dabei sollte nur gewährleistet sein, dass die neuen Dienste beim Anwender nicht als Spam gewertet werden. Hierzu ist es notwendig, nur solche Informationen aktiv zu verschicken, die der Nutzer vorher angefordert hat. Auch die Möglichkeit mit dem Handy zu bezahlen, z.B. im Nahverkehr, bei der Deutschen Bahn, aber auch in zunehmend mehr Städten für die Parkplatznutzung, wird die Datenkommunikation weiter vorantreiben. Die Nutzung des Handys für den mobilen Fernsehempfang, z.B. nach dem DVB-H Standard war dagegen bislang nicht erfolgreich.

Internet und Breitband sind weder im Festnetz noch im Mobilfunk am Ende ihres Wachstums, im Gegenteil sind dies die Treiber für die weitere Entwicklung des Telekommunikationsmarktes. Vergleicht man die Breitband-Entwicklung in Deutschland mit derjenigen in anderen Ländern, so wird deutlich, dass Deutschland bestenfalls im Mittelfeld liegt. Viele Länder haben in der Breitband-Durchdringung bereits die Marke von 80 % der Haushalte überschritten. Dabei braucht man nicht mal nach Asien oder in Richtung Skandinavien zu sehen, selbst Holland ist im Hinblick auf die Breitbanddurchdringung deutlich weiter entwickelt als Deutschland.


Breitband ist ein Treiber vieler Entwicklungen

In den letzten fünf Jahren waren soziale Netze wie z.B. MySpace, StudiVZ, Flickr oder YouTube starke Treiber des Wachstums, die dem übergreifenden Trend zur Individualisierung der Inhalte folgen. "Ernsthafte" Anwendungen aus den Bereichen Bildung, Gesundheit, Verkehr und Verwaltungsdienste werden in den nächsten Jahren für zusätzliches Wachstum sorgen. Zunehmend werden die Inhalte von Portalen nicht nur über das Festnetz erreichbar sein, sondern auch in speziell aufbereiteter Form mobil mit einem Handy. Ein großer Schub in der weiteren Entwicklung ist mit dem "Internet der Dinge" zu erwarten, wenn alle elektrischen Verbraucher mit eigener Internet-Adresse versehen werden und untereinander kommunizieren. Entsprechende Lösungen können den Verkehr sicherer machen und bei höherem Komfort helfen, Energie ein zu sparen.

- Breitband in der Bildung

Im Studium ist der Computer und das Internet schon heute nicht mehr weg zu denken. In der Schule dagegen ist in Deutschland der Einsatz von Computer immer noch eher die Ausnahme. Es gibt immer noch viele Schule, die nur mit einem schmalbandigen Anschluss an das Internet angebunden sind. Dabei kann der Einsatz von Computern im Unterricht helfen, die individuellen Fähigkeiten der Schüler zu fördern, die Arbeit in Lerngruppen zu unterstützen und den Frontalunterricht auf zu lösen. Natürlich sollten die Schüler dabei beim gezielten Einsatz des Internets unterstützt werden und über Risiken aufgeklärt werden.

Die Arbeit mit Computer und Internet kann dann auch außerhalb der Schule sinnvoll erfolgen, z.B. zur Erledigung von Hausarbeiten und die Erstellung von Seminararbeiten. So lässt sich nicht nur das Ausbildungsniveau steigern, sondern durch die Erfahrung im sinnvollen Umgang mit Computer und Internet wird eine gute Voraussetzung für den Einstieg in die Berufswelt geschaffen.

Auf keinen Fall darf der durchschnittliche Kenntnisstand der Jugendlichen auf der Ebene der perfekten Nutzung von Online-Games, Chats und der Nutzung von Social Networks wie YouTube und SchülerVZ stehen bleiben. Der Einsatz von Online-Unterricht ist im Bereich der Erwachsenenbildung und der beruflichen Weiterbildung zwar schon weiter verbreitet, aber auch in diesem Bereich kann eine weitere Durchdringung durch intuitive Nutzungsmöglichkeiten und Sprachsteuerung mehr erreicht werden. Selbst im Seniorenbereich ist die Beschäftigung mit Bildungsthemen ein verbreiteter Wunsch. Hier kann mittels Internet der Beschäftigungsbereich deutlich erweitert werden. Allerdings gilt hier in besonderem Maße die Anforderung nach einfachen Benutzerschnittstellen, da erst 40 % der über 50-Jährigen in Deutschland heute das Internet nutzen (im Vergleich zu über 90 % der Generation der 14 bis 29-Jährigen).

- Breitbandlösungen für Unternehmen

Unternehmen haben schon früh mit der Nutzung von Telekommunikations- und Breitbandlösungen begonnen. Ohne solche Anwendungen wäre die internationale Zusammenarbeit sehr viel schwerer. Die gemeinsame Arbeit an großen Entwicklungsvorhaben rund um den Globus ist ohne Breitbandnetze nicht vorstellbar. Da Unternehmen den Einsatz von Telekommunikationslösungen in erster Linie unter Nutzengesichtspunkten bewerten, werden neue Lösungen schnell übernommen, sofern sie einen Nutzen bringen, der über den Kosten für die Lösung liegt und einen Wettbewerbsvorteil verspricht.

Unter diesem Gesichtspunkt braucht man keine Lösungen für die international agierenden Unternehmen suchen, da sie entweder mit eigenen Experten oder durch Systemhäuser maßgeschneiderte Lösungen realisieren lassen. Bei vielen mittelständischen Unternehmen sieht dies aber noch anders aus. Mit standardisierten Anwendungs-Lösungen, die mit geringen Anpassungen genutzt werden können und geringe Kosten bringen als den erzielten Nutzen, können auch dem Mittelstand und kleineren Unternehmen neue Lösungen nahe gebracht werden. So können mobile Zugangslösungen vom jedem Computer aus einen sicheren Zugang auf den eigenen Rechner ermöglichen. Durch einen Internetzugang über Festnetz oder Mobilfunk können Computer zu Eingabe- und Anzeigegeräte reduziert werden. Vor etwa zehn Jahren wurde dieses Konzept als "Netz-PC"-Lösung bezeichnet. Die fehlende Bandbreite hat damals eine breite Einführung verhindert. Gerade mit Breitband können aber heute auch datenintensive Anwendungen auf diesem Wege aus der Ferne und von fremden PCs aus bearbeitet werden. Neben dem mobilen Zugang und "Virtual Desktop" Anwendungen schaffen Kollaborations-Lösungen Ansätze zu Wettbewerbsvorteile auch für mittelständische Unternehmen durch Kooperationen mit nationalen und internationalen Partnern. Dabei sind Identifikation und Authentifizierung sowie die Prüfung von Berechtigungen und der Schutz vor Datenverfälschung oder Abhören wichtige Voraussetzungen. Je nach Anwendung braucht eine Erfolg versprechende Kollaboration sichere Breitband-Verbindungen.

Die Verlagerung von Anwendung aus dem lokalen Umfeld zu einem zentralen Dienstleister bietet gerade kleineren Unternehmen Vorteile. Ein solches auch als ASP (Application Service Provider) bezeichnetes Dienstleistungsangebot erspart den Erwerb von Lizenzen und die Sorge um Updtes und die Kompatibilität von unterschiedlichen Programmen. Ein solches Angebot wird sich natürlich zunächst um Standard-Software im Bereich der Büro- und Buchahltungs-Software entwickeln, aber je weiter sich der Markt entwickelt, um so eher ist zu erwarten, dass auch spezifischere Lösungen für kleinere Zielgruppen angeboten werden. Neben der Bereitstellung der Software kann ein ASP-Anbieter auch die Bereiche des Datenschutzes und der Datensicherung abdecken, Bereiche die bei vielen kleineren Unternehmen nicht mit der erforderlichen Sorgfalt beachtet werden. Hier schafft die Bündelung des Bedarfs vieler Unternehmen die Voraussetzung für ein wirtschaftlich attraktives Angebot. Durch die in den letzten Jahren drastisch gefallenen Kommunikationspreise sind die Kommunikationskosten heute kein Hinderungsgrund mehr.

- Breitband im Gesundheitswesen

Im Bereich des Gesundheitswesens ist aufgrund der Alterung in der Gesellschaft mit einer weiteren Steigerung der Kosten zu rechnen. Durch den Einsatz von Telemedizin können Patienten mit chronischen Erkrankungen auch zuhause überwacht werden. Damit können Kontroll-Besuche beim Arzt reduziert werden und der zuständige Arzt kann gleichzeitig mehr Patienten überwachen. Ein wesentlicher Effekt ist dabei, dass bei einer regelmäßigen (täglichen) Überwachung das Risiko einer nicht erkannten schleichenden Verschlechterung reduziert wird. Auf diesem Wege können solche Krankenhausaufenthalte vermieden werden, die durch solche Effekte bedingt werden. Da Krankenhausaufenthalte ein wichtiger Kostentreiber im Gesundheitswesen sind, können durch Telemedizin nicht nur Vorteile für den Patienten geschaffen werden, sondern auch Einsparungen bei den Gesundheitskosten. Für den Erfolg entsprechender Lösungen ist es entscheidend, dass die Benutzeroberfläche so einfach wie möglich ist. Hierbei sollte auf automatische Abläufe gesetzt werden und eine Interaktion nur mit gewohnten Geräten wie z.B. der Fernbedienung für das Fernsehen. Trotzdem ist eine ausführliche Einweisung ein zu planen! Für die Akutmedizin ist die Telemedizin in der Regel nicht geeignet.

Die elektronische Verfügbarkeit von Patientendaten mit Angaben über frühere Erkrankungen und Unverträglichkeiten kann aber auch in der Akutmedizin für den Patienten erhebliche Vorteile bringen. Hierzu ist eine zentrale Datenbank mit sämtlichen Informationen über den Patienten erforderlich, die z.B. auch Röntgenbilder in digitalisierter Form enthält. Die Datenschutz-Anforderungen an eine solche Datenbank, ein Diagnostikportal, sind aufgrund der personenbezogenen Daten besonders hoch und das Management der Zugriffsrechte ist sicher zu regeln, und vom Patienten frei zu geben.

- Breitband in der Wohnungswirtschaft

In der Vergangenheit beschränkte sich das Engagement der Wohnungswirtschaft in der Telekommunikation typischerweise auf die Verkabelung innerhalb des Hauses. Da die Breitbandversorgung in Deutschland nicht zur Grundversorgung gehört, gibt es aber viele Regionen - insbesondere im ländlichen Raum, aber auch in Stadtrandlagen, in denen kein Breitband verfügbar ist. Für die bundesweit tätigen Netzbetreiber ist der flächendeckende Ausbau in der Regel nicht wirtschaftlich. Zumindest entsteht ein erheblicher Kapitalbedarf, um die erforderlichen Investitionen zu tätigen. Auch alternative, regionale Netzbetreiber sind nicht überall präsent. So bleibt manchmal nichts anderes übrig, als das Unternehmen der Wohnungswirtschaft selber die Initiative ergreifen und alleine oder in Kooperation mit Netzbetreibern die Breitbandanbindung ihrer Wohnungen sicherstellen.

Für eine solche Aufgabe empfiehlt sich ein Vorgehen, wie es auch für Kommunen gilt, die in Eigeninitiative die Breitbandversorgung für ihre Einwohner und die Unternehmen vor Ort verbessern wollen. Zunächst gilt es zu klären, wie eine Backbone-Anbindung realisiert werden kann. Oft sind Glasfaserstrecken anderer Anbieter (z.B. der Deutschen Telekom, von Arcor oder einem der Kabel-Netzbetreiber, aber auch von der Deutschen Bahn entlang der Gleise) verfügbar. Die Anmietung und Anbindung an bestehende Glasfaserstrecken ist in den meisten Fällen wirtschaftlicher als der Bau von neuen Strecken. Dies gilt insbesondere in überbauten Regionen. Alternativ können mithilfe von Richtfunk-Strecken Anbindungen geschaffen werden. Neben der Anbindung an ein Backbone-Netz ist ein Anschlussnetz erforderlich, das bis zum Hausabschluss reicht. Falls bereits ein Koaxial-Netz für die Fernsehausstrahlung vorhanden ist, kann dies unter Umständen aufgerüstet werden, um eine Rückkanalfähigkeit zu schaffen. Auch das Kupfer-Zweidraht-Kabel der Deutschen Telekom kann grundsätzlich genutzt werden. Allerdings ist hiermit nur in Ausnahmefällen (z.B. mithilfe von VDSL) die Übertragung von Fernsehsignalen möglich, die für die Wohnungswirtschaft in der Regel eine wesentliche Forderung darstellen.

Wenn die technischen Voraussetzungen für einen Netzauf- oder -ausbau geklärt sind, ist festzulegen, in welcher Wertschöpfungstiefe die Unternehmen tätig werden wollen. Grundsätzlich steht es allen Unternehmen frei, selber als Netz- und Dienste-Anbieter über alle Wertschöpfungs-Stufen hinweg tätig zu werden. Allerdings sind die typischerweise begrenzten potenziellen Teilnehmerzahlen hinderlich für einen effizienten Geschäftsbetrieb. Insbesondere für Kundenbetreuung und Billing sind Vorleistungen zu tätigen, die sich nur bei höheren Teilnehmerzahlen rechnen (selbst bei er Nutzung von ASP-Angeboten spezialisierter Dienstleister). Aus diesem Grunde ist für Unternehmen der Wohnungswirtschaft in den meisten Fällen eine Kooperation mit einem oder mehreren Netzbetreiber(n) sinnvoll, der die TK-typischen Aufgaben wahrnimmt. In der Kooperation kann der Wohnungswirtschafts-Betrieb beispielsweise die Backbone-Anbindung und die Anbindung der Haushalte mit passiven Netzelementen übernehmen. Der Netzbetreiber rüstet das Netz mit den aktiven Infrastruktur-Elementen (z.B. für die Übertragungs- und Vermittlungstechnik) aus und betreibt die Dienste-Plattformen mit den nachgelagerten Kundenbetreuungssystemen.

Durch Partnerschaften, die natürlich auch mehr als zwei Partner umfassen können, lässt sich die Breitbandanbindung realisieren und die Grundversorgung mit Breitband je nach eingesetzter Technik sichern. Dem Unternehmen der Wohnungswirtschaft obliegt es dann, Verträge mit den Mietern zu schließen, sofern dies nicht bereits im Rahmen der Mietverträge erfolgt ist. Neben der Realisierung von Telekommunikations-Basisdiensten kann die Breitband-Infrastruktur auch genutzt werden, um zusätzliche Dienstleistungen anzubieten (auf unentgeltlicher Basis oder gegen Verrechnung), die einen zusätzlichen Nutzen für die Wohnungswirtschaft und oder den Mieter schaffen. Der Nutzen kann sich sowohl in Richtung auf eine effizientere Organisation der Wohnanlagen erstrecken wie auch in einen höheren Mietwert. Beide Komponenten tragen zu einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu anderen Wohnungen bei.

Für die Mehrwertdienste bieten sich verschiedene Anwendungsbereiche an. Zunächst kann das Energiemanagement im Sinne einer verbesserten und zeitnahen Ablesung von Zählerständen unterstützt werden, eine Mieter-individuelle Heizungssteuerung verbessert den Wohnkomfort. In den Gemeinflächen einer Wohnanlage lässt sich der Energie-Einsatz optimieren durch Messung und Steuerung in Verbindung mit Sensoren. Die dauerhafte Beleuchtung von Gemeinflächen ist in jeder Hinsicht unwirtschaftlich und kann durch eine Schaltung über Bewegungssensoren ersetzt werden. So lässt sich ohne Komfort- oder Sicherheitseinbussen Energie einsparen. Auch die Heizung lässt sich effizienter steuern, wenn aktuelle Ereignisse und Wettertrends Berücksichtigung finden. Die laufende Überwachung der einzelnen elektrischen Verbraucher erlaubt darüber hinaus, frühzeitig Fehlfunktionen zu erkennen und einen Austausch zu planen. Das Facility-Management kann auf diesem Wege effizienter, weil vorausschauend planend arbeiten.

Im Bereich der Sicherheit können sowohl Gemeinflächen (Keller, Tiefgaragen und Flure) mit Sensortechniken überwacht werden, aber auch individuelle Tür- und Fenstersicherungen können in die allgemeine Überwachung eingegliedert werden. Höhere Sicherheit ist eine zunehmende Forderung vieler Mieter und kann als Entscheidungskriterium bei der Wahl zwischen verschiedenen Wohnungsangeboten den Ausschlag geben.

- Breitband für seniorengerechtes Wohnen

Die Ausstattung der Wohnung mit Sensoren und Kommunikationseinrichtungen kann älteren Bewohnern eine seniorengerechte Ausstattung ihrer Wohnung geboten werden. Wenn es hiermit Senioren ermöglicht wird, länger in ihrer gewohnten Lebensumgebung zu bleiben, wird sich dies voraussichtlich positiv auf die Pflegekosten auswirken. Bei den Sensoren kommen verschiedene Einsatzfelder in Betracht. Neben der Raumüberwachung können auch Notfallsensoren (z.B. Bewegungsmelder) integriert werden. Die Medikamenteneinnahme kann ebenso überwacht, wie individuelle Vitaldaten an ein ärztliches Betreuungszentrum übertragen werden. Die einzelnen Sensoren müssen natürlich vernetzt und mit einer entsprechenden Steuerung versehen werden. Dies setzt voraus, dass die Wohnungseigentümer in die entsprechende Infrastruktur, insbesondere auch in einen Breitbandzugang, investieren. In der Wohnung können die Sensoren und Bedienelemente entweder über Funklösungen untereinander verbunden oder z.B. unter Nutzung des Stromnetzes. Bei entsprechender Breitbandanbindung ist ergänzend Video-Telephonie möglich, um mit Angehörigen und Betreuern in Verbindung zu bleiben. Neben den zu erwartenden Kostenvorteilen für die Pflegeversicherungen schafft ein solches Angebot eine bessere Auslastung für die Wohnungswirtschaft. Da auch die älteren Menschen in der Mehrzahl lieber in ihrer gewohnten Umgebung bleiben, bietet eine solche Systemlösung für alle Beteiligten Vorteile. Wenn auch die Kosten auf die beteiligten Parteien umgelegt werden, sollte eine breite Einführung möglich sein.

- Breitband im Verkehr

Im Verkehr kann der Verkehrsfluss in Zukunft nicht mehr durch den Bau neuer Straßen verbessert werden, sondern durch den Einsatz von intelligenten Lösungen zur frühzeitigen und großräumigen Erfassung der Verkehrslage, durch eine Verkehrsleitzentrale, die Informationen der verschiedenen Verkehrsträger zusammenfassen und aus den verschiedenen Informationen Schlussfolgerungen für die Verkehrsleitung ziehen, die dann wiederum über Wechselwegweiser, Navigationsgeräte oder Handys an den Verkehrsteilnehmer weitergegeben werden. So können frühzeitig Alternativen geprüft werden und der Verkehrsfluss unter Einbeziehung des öffentlichen Verkehrs leichter und flüssiger gestaltet werden.

Ergänzt wird das Verkehrsleitsystem durch eine Kommunikation zwischen den Fahrzeugen, den Fahrzeugen und der Straße und natürlich der intelligente Elemente der Straße mit einer Verkehrsleitzentrale. Möglich wird dies durch eine Entwicklung, die als Internet der Dinge bezeichnet wird. Die laufende Information von vielen Verkehrsteilnehmern verbessert Verkehrslage und die Prognose der weiteren Entwicklung.

Beim Einsatz von intelligenten Steuerungs-Systemen ist die Verzahnung der verschiedenen Verkehrsträger unerlässlich. Die Übergänge vom Individual- zum öffentlichen Verkehr und zurück müssen so erleichtert werden, dass Hindernisse abgebaut werden. Hierzu ist erforderlich, dass dem Autofahrer Informationen übermittelt werden, wie lange die Fahrt vom Ausgangs- zum Ziel-Punkt mit den unterschiedlichen Verkehrsmitteln dauert, wo Übergänge sind und wo das Auto abgestellt werden kann, wann das nächste Verkehrsmittel hält und auch die Zahlung sollte unmittelbar mit dem Kommunikationsgerät möglich sein. Dies stellt hohe Anforderungen, die aber mittels Breitband und IT-Anwendungen lösbar sind.

- Breitband in der Verwaltung

Mit der Steuererklärung über das Elster-Programm kann bereits einjährlich wiederkehrender Vorgang weitgehend auf elektronischem Wege erledigt werden. Aber auch weitere Abläufe in der Verwaltung können durch Telekommunikationslösungen effizienter und für den Nutzer leichter erreichbar werden. Auf der Basis einer Prozessanalyse können Abläufe digitalisiert und automatisiert werden. Durch die Vermeidung von Medienbrüchen im Ablauf z.B. zwischen Papier und elektronischen Daten können Prozesse transparenter und schneller werden. Dies schafft die Voraussetzung für einen Multikanalzugang für diejenigen, die etwas bei der Verwaltung zu erledigen haben. Fallweise können komplette Vorgänge Online erledigt werden. Viele Vorgänge kommen mit geringen Bandbreiten aus, aber für die Übertragung von vollständigen Bau-Plänen oder georeferenzierte Daten werden größere Bandbreiten benötigt.

Mit dem durch EU Dienstleistungsrichtlinie geforderten einheitlichen Ansprechpartner für Unternehmen aus dem EU-Raum, die sich in Deutschland niederlassen wollen, wird ein weiterer Grad der Automatisierung erforderlich, der die Entwicklung von eGovernment-Lösungen vermutlich weiter beschleunigen wird. Auch die geplante Einführung des rechtssicheren Email-Verkehrs kann bei entsprechender Akzeptanz einen erheblichen Teil des Informations-Versands vom Brief auf den elektronischen Versand verlagert werden. Es bietet sich hier z.B. die Substitution der monatlich erstellten Gehaltsabrechnungen für Angestellte an. Aber auch für Steuerbescheide und Kontoauszüge könnte eine Verlagerung auf den elektronischen Weg in Betracht kommen. Während auf diesem Wege erhebliche Mengen an Briefen eingespart werden und somit auch Kosten, gleichzeitig steigt der elektronische Datenstrom weiter an.


Fazit

Telekommunikations- und Breitband-Anwendungen sind weder Ursache noch Antwort auf die Megatrends. Allerdings können solche Lösungen helfen, Chancen durch die Megatrends zu nutzen und Risiken zu begrenzen. Mit ziemlicher Sicherheit wird die Telekommunikation auch in den nächsten Jahrzehnten eine zentrale Rolle bei der Entwicklung im geschäftlichen wie privaten Bereich einnehmen. Nicht nur als Technologie, die einen unmittelbaren Nutzen für den Anwender bringt, sondern auch als Unterstützungs-Technologie, die andere Anwendungen unterstützt oder erst möglich macht, wird die Telekommunikation weiter wirken. Schließlich besteht die Branche aus Unternehmen, die etliche Tausend Arbeitsplätze in Deutschland sichern und einen erheblichen Unternehmenswert schaffen.

IT-Thema des Eintrags?
Breitband Internet

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