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Suchmaschinen - Geht Google jetzt die Luft aus?

  • Matthias Robben
Updated

Schier unaufhaltsam schien sich Google im vergangenen Jahr als Maß aller Dinge im Suchmaschinenmarkt zu etablieren. Doch nach und nach bringen sich insbesondere Yahoo und MSN als ernst zu nehmende Gegenpole zum Marktführer in Position. Gar zu verlockend scheint das Segment, als dass man es kampflos dem Shooting-Star des Webs allein überlassen mag.

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Egal, welche Statistik man bemüht: an Google führt einfach kein Weg vorbei. So hat der Suchdienst derzeit in Europa eine Reichweite von etwas mehr als 47 Prozent (Nielsen//Netratings) und verweist damit die einzigen nennenswerten Mitbewerber MSN mit 23 Prozent bzw. Yahoo mit knapp11 Prozent deutlich auf die weiteren Plätze.

Dabei sind die Einstiegshürden für Anbieter von Suchtechnologien vergleichsweise gering. Ebenso schnell, wie Google vor einigen Jahren praktisch aus dem „Nichts“ an die Spitze der Suchmaschinenlandschaft vorgestoßen ist, könnte dieses – zumindest theoretisch – auch einem anderen Newcomer gelingen. Die Ausgangslage ist dabei gegenwärtig durchaus vergleichbar. Die Suchergebnisse der einstigen Marktführer (z.B. AltaVista) waren alles andere als zufrieden stellend. Die Ergebnislisten waren überfüllt mit Spam bzw. nicht passenden Suchergebnissen. Google revolutionierte die Suchmaschinenlandschaft mit Link Popularität und Page Rank. Die Suchergebnisse erreichten eine bisher nie da gewesene Qualität. Zudem konnten die Ergebnislisten auch nicht mehr so einfach manipuliert werden. Dieses hat sich mittlerweile leider geändert. Auch die Google Ergebnislisten haben zunehmend mit Spam zu kämpfen. Besonders bei kommerziellen Anfragen tauchen immer wieder zweifelhafte Treffer auf. Wirft man allerdings einen Blick auf den aktuellen Datenbestand von Google, kann das eigentlich auch nicht verwundern: Mehr als 4 Milliarden Webseiten sind laut Unternehmensinformation im Google Index erfasst. Hinzu kommen noch knapp 900 Millionen Bilder und fast ebenso viele Beiträge in Newsgroups. Kein Wunder also, dass sich darunter nahezu zwangsläufig auch Spam befindet.

Doch wie sieht es bei der Konkurrenz aus? Auf den ersten Blick sind die Ergebnislisten der neuen Inktomi-Suche bei Yahoo fast frei von Spam. Doch nicht nur laut Suchmaschinen-Experte Klaus Schallhorn ist es nur eine Frage der Zeit, bis der momentan sauberere Inktomi-Datenbestand, den Yahoo verwendet ebenfalls „vollgespamt“ wird. Dies dürfte spätestens dann der Fall sein, wenn kommerzielle Website-Betreiber feststellen, dass die entsprechenden Yahoo-Zugriffszahlen auf ein attraktives Niveau steigen. Markterfolg scheint demnach bei Suchmaschinen ein zweischneidiges Schwert zu sein.

Dass sich die Suchergebnisse von Yahoo und Google gar nicht so riesig unterscheiden, wird auf der Website von Christian Langreiter via Flash-Tool verdeutlicht. Hier werden die Ergebnislisten von Google und Yahoo anschaulich miteinander verglichen.

Google: Von der einfachen Suchmaschine zur Allround-Auskunft im Netz?
Ein Blick in die Google-Labs dürfte manch anderen Suchmaschinenbetreiber vor Neid erblassen lassen. Haben die meisten Mitbewerber schon genug damit zu kämpfen, ihre „herkömmlichen“ Suchergebnisse zu optimieren, verfügt der Platzhirsch über ein ganzes Arsenal von mehr oder minder verheißungsvollen Suchtechnologien: Von der Bildsuche, über das Newscenter bis hin zur Shoppingsuche Froogle ist man so vielfältig aufgestellt, wie kein anderer Anbieter. Eine sicher folgerichtige Strategie, denn mittlerweile scheint Google vom Jäger zum Gejagten geworden zu sein.

Diese Einschätzung vertreten jedenfalls die Marktforscher von Forrester Research in einem aktuellen Report. Laut Charlene Li, Pricipal Analyst bei Forrester, hat Google zwar in den letzten Jahren ein nahezu unglaubliches Wachstum sowohl bei den Nutzerzahlen als auch im Bereich der Sponsored Listings hingelegt, doch mit der allumfassenden Strategie läuft Google laut Li Gefahr, sich zu übernehmen. Bei der klassischen Suche geht Forrester davon aus, das Yahoo und MSN ihre Stellungen weiter ausbauen werden. Hier dürfte hauptsächlich die große Reichweite ihrer Angebote wie Hotmail oder Yahoo Mail dafür sorgen, dass Google Markanteile abspenstig gemacht werden könnten. Schließlich lassen sich auf diesen Websites ganz vorzüglich die entsprechenden eigenen Suchfenster unterbringen. Doch wie sieht der Suchmaschinenmarkt eigentlich jenseits der Big Player Google, MSN und Yahoo aus? Gibt es überhaupt verheizungsvolle Neulinge bzw. Suchdienste? Einige Angebote mit unterschiedlichen Suchansätzen werden ohne Anspruch auf Vollständigkeit im Folgenden vorgestellt.


Teoma
Auf die Technik von Google baut die Suchmaschine Teoma auf und ergänzt diese um so genannten Autoritätseiten im Web. Der Platz einer Website wird dadurch verbessert, je mehr andere gleichartige Websites auf die entsprechende Site verlinken. Dabei sollen gleichartige Seiten anhand des Subject identifiziert werden. Ergebnisse können per Mausklick verfeinert (Refine) werden oder es kann zu bedeutenden Quellseiten (Resources) gewechselt werden. Vor allem, wenn es um englischsprachige Suchergebnisse geht, stellt Teoma eine durchaus lohnenswerte Alternative dar. Auch wenn der Datenbestand bei weitem nicht an die Dimensionen von Google heranreicht (Teoma selbst vertritt den Standpunkt Qualität statt Quantität) und der Marktanteil entsprechend eher gering ist, gehört die zu Ask Jeeves zählende Suchmaschine sicherlich noch mit zu den hoffnungsvolleren Nachwuchs-Suchdiensten im Web.


Vivisimo
Vivisimo ist eine Meta-Suchmaschine, die mit Clustering-Methoden arbeitet und die Suchergebnisse übersichtlichen Kategorien zuordnet und darstellt. Zurückgegriffen wird von Vivisimo dabei auf die Suchdienste von MSN, Netscape, Lycos, Looksmart, Wisenut, Overture und dem Open Directory. Dabei werden die Ergebnisse nicht nur in der rechten Spalte nach Relevanz gelistet, sondern auf der linken Seite werden parallel dazu inhaltliche Cluster gebildet. Abgerundet wird das Angebot durch eine integrierte Webseitenvorschau, die ein zu schnelles Verlassen der Ergebnisseite verhindert.

Nicht umsonst hat Vivisimo bereits mehrfach den bedeutenden Search Engine Watch Award in der Kategorie Metasuchmaschinen gewonnen. Und auch bei einer Untersuchung von Stiftung Warentest landet Vivisimo nur knapp von Google geschlagen auf dem 2. Platz. Tony Philipp, Präsident von Vivisimo Europa erklärt den eigenen Erfolg dann auch wie folgt: „Internetnutzer schätzen unsere Internetseite, weil sie ihnen die Mühe erspart, sich durch lange Listen von Suchergebnissen zu klicken, welche von normalen Suchmaschinen generiert werden."

Nach einem ähnlichen Prinzip arbeitet auch die Metasuchmaschine Dogpile, die in diesem Jahr den begehrten Search Engine Watch Award in der Kategorie Metasuchmaschinen gewinnen konnte. Einen Schritt weiter geht in dieser Rubrik der Suchdienst Kartoo, der – wie der Name schon verrät – die Ergebnisse in einer Karte visualisiert und Verbindungen zwischen den Ergebnissen kennzeichnet.


Queryster
Queryster ist eigentlich keine eigene Suchmaschine, sondern eher eine nützliche Suchmaschinenerweiterung. Mit ihr lassen sich Ergebnislisten bzw. Suchmaschinenrankings im Netz bequem vergleichen. Startet der Nutzer die Suche mit Queryster wird einerseits die Ergebnisliste einer Suchmaschine geladen und gleichzeitig ein kleine Navigationsoberfläche mit Suchmaschinenlogos geöffnet. Per Mausklick auf das entsprechende Logo kann über das Interface, das sich über die eigentliche Website legt, zwischen den Suchdiensten dann bequem gewechselt werden. Die Suchanfrage muss dabei nicht erneut eingegeben werden Um dies zu ermöglichen, muss im Browser die Ausführung von JavaScript aktiviert sein. Neben den eigentlichen Suchmaschinenabfragen, können auch verschiedene Shoppingangebote, Newsseiten, Bilddatenbanken, Weblogs oder Nachschlagewerke durchsucht werden. Dabei kann der Nutzer auch selbst seine Top-10 Suchmaschinen zusammenstellen.


Eurekster
Eine Funktion, die bisher noch keine der großen Suchmaschinen bietet, hat sich Eurekster auf die Fahnen geschrieben: soziales Networking. Ziel ist es, die Relevanz von Suchergebnissen dadurch zu erhöhen, dass die von einer Person als interessant erachteten Suchtreffer auch für dessen Freunde bzw. Kollegen interessant sind, wenn diese die gleiche Suchanfrage starten. Folglich werden bei wiederholter Suche diese Treffer in der Ergebnisliste hoch gelistet.

Eurekster lernt nach Angaben der Betreiber kontinuierlich durch das Verhalten der Nutzer bzw. Freundeskreise hinzu. Personalisierte Suchergebnisse und das zeitgleiche Anzeigen der in der jeweiligen „Peer Group“ am häufigsten gesuchten Begriffe sind dadurch möglich. Es gehe darum, das individuelle Wissen und die persönlichen Erfahrungen zu teilen, so die Verantwortlichen von Eurekster.

Dies bedeutet jedoch auch, dass sich Anwender zunächst mit Namen, Vornamen und eMail-Adresse bei Eurekster anmelden müssen, wenn Sie die Vorteile des sozialen Networkings nutzen möchten. Auch sollten sie nach Möglichkeit natürlich Freunde und Bekannte zur Teilnahme überreden. Da jedoch nicht alle Suchanfragen auch für die Augen des Bekanntenkreises bestimmt sein dürften, kann der Nutzer Anfragen auch als privat kennzeichnen und dadurch verbergen. Ob sich jedoch genug Nutzer davon überzeugen lassen, ihr Suchverhalten aufzeichnen zu lassen, bleibt –auch wenn Eurekster bekundet, persönliche Daten nicht weiterzugeben – zumindest fraglich. Als mehr oder minder ganz normale Suchmaschine kann Eurekster, dessen Ergebnisse laut SearchEngineWatch von AlltheWeb geliefert werden, jedoch auch ohne Anmeldung genutzt werden.


Warum Google in naher Zukunft nicht vom Thron zu stoßen ist
Vom Underdog zum Platzhirsch - Googles Erfolgsstory hat den Suchmaschinenmarkt in den letzten Monaten wieder aufleben lassen. Zu verlockend erscheinen die Erfolgsaussichten. Schließlich wird das Unternehmen aus Mountain View Kalifornien von Analysten vor einem möglichen Börsengang mit bis zu 25 Milliarden US$ bewertet. Da ist es nur allzu verständlich, dass andere Angebote auch ein Stück dieses Kuchens für sich reklamieren möchten. Vor allem auf das Geschäft mit den Sponsored Listings dürften es die Google-Mitstreiter abgesehen haben. Immerhin soll laut Piper Jaffray das Segment für kommerzielle Suche von knapp zwei Milliarden US$ im vergangenen Jahr bis zum Jahr 2006 auf rund fünf Milliarden US$ anwachsen.

Doch ganz so einfach dürfte es für neue Suchdienste nicht werden. Vor allem Umfang und Aktualität der Suchmaschinenergebnisse setzen einiges an Rechnerleistung voraus. Darüber hinaus ist es eher verwunderlich, wie vergleichsweise wenig Spam doch in den Ergebnislisten von Google zu finden ist. Schließlich ist Google durch seine marktbeherrschende Stellung auch das häufigste Ziel von Manipulationsversuchen.

Deshalb verwundert es auch nicht, dass mittlerweile Google, Inktomi oder alltheWeb vielfach auch dort auftauchen, wo von ihnen offiziell gar nicht die Rede ist ;-) Dies verdeutlicht auch die Suchmaschinen-Übersicht von Stefan Karzauninkat. Eine anschauliche Grafik schlüsselt das Beziehungsgeflecht der Suchmaschinen in Deutschland untereinander auf.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Wer immer aktuell in den Suchmaschinenmarkt einsteigt, erfindet in den seltensten Fällen das Rad gänzlich neu. Auch bei den vorgestellten Branchenneulingen greift man nicht selten auf bestehende Lösungen bzw. eine komplette Suchmaschine zurück und überarbeitet lediglich die Form der Darreichung. Und so innovativ diese im Einzelfall auch aussehen mag: Einen Riesen wie Google wird man damit (zunächst) nicht wirklich aus der Reserve locken können.

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