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ePayments: zeitgemäße Ergänzung traditioneller Zahlungssysteme

  • Stefan Heng
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Deutsche Bank ResearchWer nicht auschließlich kostenlose Produkte im Internet anbietet, sondern auch etwas verkaufen will, muss die Abwicklung der Zahlungsprozesse sicherstellen. Und nicht ohne Grund sind Käufer ebenso wie Verkäufer besonders sensibel, wenn es ans Bezahlen geht. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Alternativen, unter denen eine sorgfältige Wahl getroffen werden muss.

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In der Phase des Internet-Hypes prognostizierten führende private Forschungsinstitute bis 2005 jährlich mehr als eine Verdopplung des eBusiness-Umsatzes. Doch diese exorbitanten Erwartungen wurden enttäuscht, das Volumen entwickelte sich deutlich gemäßigter. Eine Ursache liegt darin, dass die Pioniere des eBusiness die Schwierigkeiten eher bei der Produktpalette, dem Marketing und der Logistik sahen. Dabei unterschätzten sie zunächst die Herausforderungen des nachgelagerten Bezahlvorgangs. Demgemäß dominieren heute auch die im Offline-Geschäft üblichen Bezahlverfahren (Kreditkarte, Debitkarte, Lastschrift, Nachnahme, Rechnung, Vorauskasse) die rd. 35 Mio. Online-Käufe in Europa. Gleichwohl bleibt unbestritten, dass die traditionellen Geschäftsmodelle immer deutlicher an ihre Grenzen stoßen. Für den grenzüberschreitenden Handel mittels elektronischer Medien ist essenziell, dass sich sehr bald sichere, anwenderfreundliche und preisgünstige innovative Bezahllösungen etablieren. Zum einen können sich diese online-tauglichen Systeme aus heute bereits im Offline-Geschäft verfügbaren Lösungen entwickeln. Zum anderen entstehen sie aus speziell auf die eBusiness-Anforderungen zugeschnittenen Innovationen.

Zum Einstieg fokussieren wir auf allgemeine Charakteristika der Bezahlverfahren und diskutieren diese exemplarisch anhand derzeit existierender Systeme. Danach geht es um die Anforderungen, die involvierte Parteien an die Bezahlsysteme stellen. Aus der Gegenüberstellung von System-Charakteristika und -Anforderungen leiten wir die Chancen für elektronische Bezahlverfahren ab.

Symbiose im Online-Handel herausgebildet
Die Akzeptanz elektronischer Zahlungssysteme steigt insbesondere mit dem Vertrieb rein digitalisierter Inhalte. Doch kostenpflichtige Angebote im Mobilfunk oder Internet werden von den Nutzern allein dann akzeptiert, wenn sie einen echten Mehrwert bieten. Laut Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) sind 51% der Internet-Nutzer grundsätzlich bereit, für Inhalte zu zahlen. Zahlungsbereitschaft besteht speziell bei Datenbanken und Multimedia-Angeboten für Erwachsene. Vor allem der Mobilfunk, der 2005 weltweit auf einen Umsatz von EUR 11 Mrd. kommen dürfte, eröffnet mit den schnellen Übertragungstechnologien UMTS und WLAN ein wichtiges Geschäftsfeld. Bereits 2001 gaben die Europäer für mobile Inhalte, wie Klingeltöne oder Logos, rd. EUR 600 Mio. und für Internet-Inhalte EUR 250 Mio. aus. Die Umsätze mit bezahltem Content werden deutlich steigen - z.B. dürften sie sich in Deutschland zwischen 2002 und 2005 verzehnfachen.
Besonders Kleinstbeträge (Micro-Payments) unter EUR 10, die für multimediale Inhalte veranschlagt werden, sind derzeit zwar per Micro-Payment-System, nicht aber per Kreditkarte kostendeckend abzuwickeln. Angesichts der zu zahlenden Provisionen und Rückbuchungsgebühren berechnet die Stiftung Warentest für Deutschland, dass die Abrechnung per Kreditkarte erst ab Beträgen von EUR 1,50 aufwärts profitabel ist. So zahlen Kunden des Online-Archives der Frankfurter Allgemeinen Zeitung per elektronisches Abrechnungssystem pro Artikel EUR 1,50, während per Kreditkarte ein Mindestumsatz von EUR 4 vorgesehen ist. Die Betreiber innovativer elektronischer Zahlungssysteme haben großes Interesse an der Kooperation mit renommierten Inhalte-Anbietern. Sie hoffen, ihre Reputation zu verbessern und so neue Kunden zu gewinnen.

Zahlungssysteme benötigen starken Start
Verkäufer zögern bei der Investition in die Infrastruktur eines elektronischen Zahlungssystems, das bislang nur wenige Kunden interessiert. Gleichzeitig entscheiden sich lediglich wenige Käufer für ein System, das nur vereinzelt von Händlern eingesetzt wird. Dieses gilt sogar für Käufer, die sich gegenüber neuen Technologien üblicherweise besonders aufgeschlossen zeigen. Etablierte Zahlungssysteme - Kredit- und Debitkarten mehr als Rechnung und Nachnahme - verfügen im Vergleich zu innovativen elektronischen Zahlungssystemen über den Vorteil des Netzwerkgutes, welches von umfassender Akzeptanz lebt. Die Attraktivität des Systems steigt überproportional mit der Zahl der Anwender. Allein ein Angebot, das nachhaltig die kritische Masse überspringt, um kurzfristig schnell wachsen zu können, hat langfristig eine Chance, sich im Markt festzusetzen. Einen Weg bieten die beiden über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg gespannten Plattformen Mobile Electronic Transactions (MeT) oder E-Commerce Expert Group (ECOMEG). Entscheidend ist dabei, dass Telekommunikationsunternehmen und Inhalte-Anbieter, aber insbesondere etablierte Banken mitarbeiten. Denn Finanzinstitute stehen für Nachhaltigkeit und verfügen daher bei den Kunden über einen Vertrauensvorsprung, der den Start eines Systems erleichtert.

Kernkriterien bevorzugter Zahlungsmethoden

Anforderungsspektrum: Quadratur des Kreises
Um ein Zahlungssystem zu etablieren, muss die Technologie bei Zugriffsbedingungen und Sicherheit Lösungen bieten, die alle Anbieter und Nachfrager akzeptieren. Dabei können die Ansprüche an das System stark voneinander abweichen - sie können sich sogar widersprechen.

So hat der Verbraucher z.B. ein Interesse, Transaktionen stornieren zu können. Allerdings wollen Finanzinstitute und Händler angesichts hoher Rückbuchungskosten oder eventueller Totalausfälle der Forderungen dieses möglichst ausschließen.

Überdies sind Händler immer an Kundenprofilen interessiert. Nur so ist es möglich, Marketing zielgenau zu adressieren. Trotz Sicherheitsmechanismen sind besonders deutsche Kunden bei der Herausgabe personenbezogenen Daten im Internet sehr zurückhaltend. Lediglich jeder vierte Konsument ist bereit, vertrauliche Daten preiszugeben. Drei von fünf, die bislang nie elektronisch einkauften, begründen dieses mit ihrer empfundenen Furcht vor Datenmissbrauch im anonymen Internet.

Als offenes System ist das Internet besonders bei sensiblen Daten gefordert. Die Sicherheit stellt für elektronische Zahlungssysteme ein zentrales Kriterium dar. Im Vordergrund stehen Fragen bezüglich Autorisierung, Authentifizierung, Vertraulichkeit, Integrität und Datenkorruption. Unberechtigte Eingriffe Dritter, Missbrauch und Manipulation müssen ausgeschlossen sein. Die Konsistenz hinsichtlich Höhe, Ausführungszeitpunkt und Transaktionszweck ist zu gewährleisten, damit Zahlungen unbestreitbar werden.

Anforderungen an ePayment-Systeme

Empfundene Sicherheit - das A und O!

Die (empfundene) Sicherheit, die sich u.a. aus dem technischen Sicherheitsniveau in Verbindung mit dem Marketing ableitet, spielt eine große Rolle. Ein hohes Maß an technischer Sicherheit resultiert, wenn das System auf Fragen nach Autorisierung, Authentifizierung, Vertraulichkeit, Integrität, vorgesehene Reaktion beim Diebstahl von Werteinheiten und dem Verfahren bei fehlerhafter Transaktion akzeptable Antworten bietet. Dabei bedeutet Autorisierung, dass tatsächlich allein legitimierte Anwender das System nutzen. Im Zusammenhang damit steht die Authentifizierung. Hier wird sichergestellt, dass die Transaktionspartner tatsächlich diejenigen sind, für die sie sich ausgeben. Das Kriterium der Vertraulichkeit ist dann erfüllt, wenn das System lediglich beteiligte Parteien in die Transaktion einblicken lässt. Damit verwandt ist die Integrität. Hier geht es darum, dass die übertragene Information nicht unrechtmäßig manipuliert werden kann. Darüber hinaus ist festzulegen, wie bei einem angezeigten Diebstahl des Trägermediums (z.B. des Laptops) mit gespeicherten Werteinheiten verfahren wird. Weiterhin müssen elektronische Zahlungssysteme auf die Möglichkeit unbeabsichtigter Datenkorruption vorbereitet sein. Es ist sicherzustellen, dass im Falle eines technischen Defektes die Transaktion auf keiner Seite abgewickelt wird (Totalität). Der Kunde braucht Gewissheit, dass die veranlasste Zahlung den adressierten Empfänger erreicht und nur eine erfolgreiche Transaktion sein Konto belastet.

Nutzerfreundliche Zugriffsbedingungen öffnen Türen
Neben der Sicherheit entscheiden natürlich auch die Zugriffsbedingungen über die Akzeptanz. Wesentlich sind hierbei die Bequemlichkeit und einfache Nutzung. Die Notwendigkeit spezieller Systemvoraussetzungen bei Hard- bzw. Software, umständliche Registrierungsprozesse oder eine stark gewöhnungsbedürftige Menüführung verhindern, dass Verfahren akzeptiert werden. Spezielle Systemvoraussetzungen sind allein deshalb ein K.o.-Kriterium, da etliche Online-Käufe vom Bürorechner aus getätigt werden, bei dem der Nutzer nur beschränkt über Administrationsrechte verfügt. Weiterhin geht Bequemlichkeit mit der Übertragungsgeschwindigkeit und der Abwicklung einher. Die Aussicht auf langsame, instabile Verbindungen blockiert die Akzeptanz. Letztlich fordert Bequemlichkeit auch, dass ein System in technischer, ökonomischer und geografischer Hinsicht flexibel ist. Aussichtsreich sind Lösungen, die sowohl online als auch offline Geschäfte abwickeln und darüber hinaus die Nutzung via unterschiedliche Medien ermöglichen (Portabilität).

Belastungszeitpunkt bei Zahlungsmitteln

Gegenüber den internetgestützen Angeboten bieten mPayment-Systeme in puncto Zugriffsbedingungen den großen Vorteil, dass sie sowohl online als auch offline eingesetzt werden. Dennoch sind auch mPayment-Angebote Beschränkungen unterworfen, da sie beim Mobiltelefon ansetzen, welches für höhere Sicherheitsanforderungen ungeeignet ist. Zahlungen werden über Kurznachricht (SMS) oder automatisierte Mobilfunkanrufe authentifiziert. Die Betreiber mobiler Zahlungssysteme gehen dabei derzeit vom Anscheinbeweis des "gewöhnlichen Geschehensablaufes" aus. Danach gilt, dass der Eigentümer des Endgerätes zwangsläufig auch die Bankverfügung initiiert. Juristisch ist dieses Konstrukt umstritten.

Die praktische Umsetzung der komplexen Forderungen wird nachfolgend anhand prominenter Lösungen dargestellt. Diese exemplarische Gegenüberstellung von Credit-, Debit- und chipkartenbasierte Geldbörse mit neuen elektronischen Verfahren weist auf die Marktchancen der innovativen Zahlungssysteme hin.

Kreditkarte im neuen Kleid noch attraktiver

Kreditkarte

Die global weit verbreitete Kreditkarte hat zwar ihre Ursprünge in der Offline-Welt, gewinnt aber auch bei Macro-Payments im international orientierten Online-Geschäft. Einige Konsumenten schrecken allerdings bei Online-Käufen per Kreditkarte noch zurück. Sie fürchten, dass die für eine Zahlung erforderlichen Kartendaten (Name, Nummer, Gültigkeitsdatum) im anonymen Medium Internet in die falschen Hände geraten könnten. Objektiv erweist sich diese Furcht allerdings als wenig begründet, denn außer bei grober Fahrlässigkeit kann der Kunde fehlerhafte Belastungen zurückfordern. Das Betrugsrisiko lastet somit weniger auf den Karteninhabern als den Händlern und Kreditkartenunternehmen. Darüber hinaus sollten elektronische Zusatzfunktionen, wie Verified by Visa , die Kreditkarte noch sicherer machen und damit insbesondere die Attraktivität bei Macro-Payments weiter fördern.

GeldKarte nicht vorschnell abschreiben

Geldkarte

Für Micro-Payments unter EUR 10 bietet die chipkartenbasierte Geldbörse im Online- und Offline-Handel interessantere Gebührenmodelle als die Kreditkarte. Die chipkartenbasierte Geldbörse, die als eigenständiges Produkt aber auch in Einheit mit der Debitkarte erhältlich ist, speichert Werteinheiten kodiert auf ihrem Chip. Da keine weitere Information als der Geldbetrag übermittelt wird, ermöglicht die chipkartenbasierte Geldbörse anonymes Bezahlen.

Die chipkartenbasierte Geldbörse firmiert in Belgien als Proton, in Finnland als Avant, in Dänemark als Danmont, in den Niederlanden unter Chipknip, in Portugal als MEP, in Italien als Minipay, in Luxemburg als Minicash, in Frankreich als Moneo, in Spanien als Monedero 4B und in Deutschland als GeldKarte. In Deutschland kommt die GeldKarte bislang im eBusiness lediglich bei vereinzelten Anwendungen zum Einsatz. Um mit dieser Karte zu bezahlen, benötigt der Anwender ein Kartenlesegerät mit spezieller Software. Der in Relation zum aktuellen Mehrwert einer möglichen Anwendung hohe Preis des Kartenlesers von EUR 60 verhindert bislang die breite Akzeptanz durch private Verbraucher. Entsprechend wurden die in Deutschland ausgegebenen 62 Mio. GeldKarten im Online- und Offline-Handel 2002 lediglich bei knapp 36 Mio. Transaktionen eingesetzt; bei den 21 Mio. Kreditkarten gab es dagegen 377 Mio. Transaktionen. Online-Anbieter begründen mit dieser Asymmetrie ihre Zurückhaltung gegenüber der GeldKarte. Auch ist problematisch, dass trotz des hohen Sicherheitsniveaus derzeit nur sieben Online-Shops die GeldKarte akzeptieren.

Kreditkarte versus Geldkarte

Um das Verlustrisiko auf den gespeicherten Betrag der Karte zu begrenzen, sieht die deutsche GeldKarte im Gegensatz zum französischen Moneo keine Auto-Reload-Funktion des Guthabens vor. Das Guthaben kann damit bislang allein an Bankautomaten aufgeladen werden. Künftig jedoch soll eine Ladefunktion via Internet hinzukommen, die die Bequemlichkeit erheblich steigert und gleichzeitig einen hohen Sicherheitsstandard garantiert.

Neben dieser verbesserten Anwenderfreundlichkeit nimmt die Attraktivität der GeldKarte auch als Folge des technischen Fortschritts und neuer Gesetze zu. Mit dem technischen Fortschritt sinken die Preise für die erforderlichen Kartenlesegeräte nachhaltig, was die Nachfrage vorantreibt. Daneben erhält die Verbreitung der GeldKarte über die Verschärfung des Jungendschutzes in Deutschland ab 2007 einen großen Schub. Die neue Regelung verlangt, dass im Online- und Offline-Geschäft nach dem Alter unterschieden wird. Die GeldKarte bietet dann eine elegante Möglichkeit, um sowohl beim Automatenverkauf, als auch im Internet jugendliche Interessenten vom Kauf jugendgefährdender Güter abzuhalten.

Digitale Signatur schafft Rechtssicherheit
Das Signaturgesetz in Deutschland ist die Reaktion auf neue Anforderungen des eBusiness und stellt die digitale Unterschrift im Netz der handschriftlichen im traditionellen Geschäftsprozess gleich. Die digitale Signatur wird mittels Chipkarte gespeichert und kann über ein spezielles Kartenlesegerät genutzt werden. Über spezielle Sicherheitsmechanismen ist so die tatsächliche Identität beider Vertragspartner weitgehend garantiert. Das Signaturbündnis aus Banken, Wirtschaft und Verwaltung treibt dieses für das elektronische Geschäft essenzielle Projekt nachhaltig voran.

In Anbetracht der erwähnten technischen und juristischen Aspekte (verbesserte Nutzerfreundlichkeit, Preisverfall der Hardware, Verschärfung des Jugendschutzes, Gesetz zur digitalen Signatur) sollte die GeldKarte insbesondere bei Micro-Payments nach der Flaute in der Anwendung mittelfristig wieder deutlich gewinnen.

Click&buy punktet bei Micro-Payments

Firstgate click&buy

Bislang besetzt insbesondere das internetgestützte Firstgate click&buy den Bereich der Kleinstbeträge recht erfolgreich. Firstgate click&buy aggregiert Zahlungen und bucht den Gesamtbetrag vom Konto des Käufers ab. Die Zahlung wird bei Firstgate click&buy durch Eingeben von Benutzername und Passwort angewiesen.

Anonymität ist dadurch gewährleistet, dass weder der Verkäufer über personenbezogene Daten des Käufers noch der Systembetreiber über nähere Information zum eigentlichen Warentausch verfügen.

Teilerfolg für Telefoninkasso

Infin-MicroPayment

Infin-MicroPayment baut bei seinem Inkasso über Telefonrechnungen auf tarifierte Service-Rufnummern. Bei Anruf erhält der Kunde für die vorgesehene Zahlungstransaktion eine Transaktionsnummer (TAN). Für das Telefoninkasso spricht aus Konsumentensicht, dass keine personenbezogenen Daten im Netz übertragen werden, Anonymität also gewahrt bleibt. Der Verkäufer schätzt am Telefoninkasso insbesondere die Zahlungsgarantie des Systembetreibers. Gegen infin-MicroPayment spricht zum einen, dass mit der kostenpflichtigen Service-Rufnummer (derzeit: 0190, künftig: 0137, bzw. 0900) bei Kleinstbeträgen neben dem eigentlichen Kaufbetrag zusätzlich erhebliche Telefongebühren anfallen. Zum anderen eignet sich das Verfahren nur für Micro-Payments, nicht aber für Macro-Payments, da bei Service-Rufnummern in Deutschland eine gesetzliche Preisobergrenze von EUR 30 gilt. Die Gebührenschranke, die Zusatzkosten und das Einwahlverfahren lassen mittel- bis langfristig an der Überlebensfähigkeit von infin-MicroPayment zweifeln.

Moxmo: mittelfristige Alternative

Moxmo

Im Gegensatz zu den internetgestützten Verfahren von Firstgate click&buy oder infin-MicroPayment bietet Moxmo ein Verfahren auf Basis des Mobilfunks. Um Anonymität zu gewährleisten, trennt Moxmo die Übertragung der Zahlungsdaten vom eigentlichen Bestellvorgang. Demnach gibt der Käufer dem Verkäufer im Zahlungsprozess lediglich seine Handynummer (oder im stärker anonymisierten Verfahren seine eindeutig zugeordnete Dummy-Nummer). Der Verkäufer leitet die Zahlungsanweisung an Moxmo weiter. Moxmo ruft den Käufer an, verifiziert die relevanten Informationen (Identität, Betrag) und zieht die Rechnung per Lastschrift ein. Für Moxmo spricht seine Systemsicherheit, die daraus resultiert, dass niemals sensible Daten per Internet übertragen werden. Allerdings leidet das System darunter, dass der hohe Grad an Rechtssicherheit, der bei digital signierten Verfahren gewährleistet ist, mit dem hier zugrunde liegenden Sicherungsprozesse via Mobilfunk nicht erreicht wird.

Wegen ökonomischer, technischer und juristischer Herausforderungen stoßen die im traditionellen Geschäft bislang gebräuchlichen Lösungen, bei den räumlich und zeitlich getrennten elektronischen Geschäftsvorgängen immer deutlicher an ihre Grenze. Systemanbieter müssen umgehend überzeugende Lösungen bieten, die zum anwachsenden eBusiness passen. Aufgrund der teilweise sehr unterschiedlichen Anforderungen von Verbrauchern und Händlern ist dieses allerdings überaus komplex.
Die Unterstützung namhafter Partner ist für die Verbreitung neuer Bezahlsysteme essenziell. Der Erfolg der Angebote entscheidet sich an den Fragen nach Anwenderfreundlichkeit und empfundener Sicherheit. Hier stehen Content-Provider, Infrastrukturanbieter der Telekommunikation und insbesondere Banken mit ihrem Renommee bei Geldtransaktionen in der Pflicht, den Grundstein für einen guten Start zu legen. Anbietern neuer Produkte fällt es äußerst schwer, gegen bereits im Markt etablierte Systeme zu punkten. Allein in Nischen, bei denen große Marktakteure derzeit keine ausreichenden Margen erkennen, haben kleine innovative Systemanbieter reelle Chancen. So eröffnet der Bereich Kleinstbeträge in den nächsten fünf Jahren für innovative Systeme begrenzte Möglichkeiten.

Die anstehende Ablösung des Anscheinbeweises beim Vertragsabschluss bringt das aktuelle Geschäftsmodell vieler innovativer Zahlungssysteme künftig ins Wanken. Die derzeit in der Praxis üblichen Hilfsmechanismen können das notwendige Maß der Unbestreitbarkeit, welches die digitale Signatur garantiert, nicht gewährleisten. Obgleich das Handy als alltäglicher Begleiter grundsätzlich eine interessante Alternative darstellt, schränken juristische und technische Bedenken die langfristigen Potenziale der mPayment-Systeme nachhaltig ein. Kurzfristig erzielen die mobilen Zahlungssysteme mit dem Erfolg der neuen schnellen Übertragungstechnologien im Mobilfunk dennoch achtbare Erfolge. Ihr Anteil an der Anzahl aller bargeldlosen Transaktionen, der heute in Westeuropa noch im niedrigen Promille-Bereich liegt, sollte in den kommenden fünf Jahren auf über 5% wachsen, hernach aber mit Anpassung der arrivierten Systeme schnell wieder deutlich abfallen. Entsprechend schreitet im noch jungen Geschäftsfeld der elektronischen Zahlungssysteme die Konsolidierung massiv voran. Aufgrund des Netzeffektes werden selbst grundsätzlich äußerst nutzerfreundliche innovative Bezahlsysteme aus dem Markt gedrängt. Weniger als drei der über 100 aktuellen Geschäftsmodelle dürften die kommenden fünf Jahre überleben. Demgegenüber haben bereits im Offline-Geschäft arrivierte Systeme, wie die international etablierte Kreditkarte, speziell in Deutschland auch die weit verbreitete Debitkarte und die chipkartenbasierte Geldbörse beste Aussichten. So sollte sich in Deutschland die Zahl der Transaktionen per GeldKarte in fünf Jahren verzehnfachen.

Die Chancen von Credit-, Debit- und chipkartenbasierte Geldbörse im elektronischen Handel wachsen deshalb, weil sich zum einen dank des Signaturbündnisses neue Sicherheitsmechanismen etablieren. Zum anderen sollte aber auch sehr bald die derzeitige Nische Kleinstbeträge für große Banken interessant werden. Die dann über deutliche Investitionen auf die Anforderungen des eBusiness erweiterten, bereits heute etablierten Zahlungssysteme dürften Online-Kunden umgehend überzeugen.

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