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Breitband-Best-Practise: Ausbau in Haltern am See

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Die Versorgung mit schnellen Breitbandzugängen ist ein Standortfaktor mit zunehmender Bedeutung für jede Kommune, der mittlerweile gleichauf liegt mit der Bedeutung einer guten Verkehrsanbindung. Während in der Kernstadt von Haltern am See zumindest über das Kabel-TV Netz ein schneller Internetzugang mit 50 MBit/s und mehr kein Problem darstellt, sieht dies in den anderen Stadtteilen teilweise viel schlechter aus. Schon Bandbreiten von 16 MBit/s sind nur in wenigen eng begrenzten Ortslagen außerhalb der Kernstadt verfügbar. In Hullern war z.B. mit flächendeckend 384 kBit/s an eine schnelle Internetnutzung überhaupt nicht zu denken. Bei dieser Bandbreite sind gerade mal einfache Anwendungen wie Emails und Homebanking möglich. Angebote aus dem Entertainmentbereich oder Homeoffice-Anwendungen mussten dagegen weitgehend entfallen. Auch nach EU-Definition war der Ortsteil Hullern mit mehrheitlich weniger als 2 MBit/s vollständig unterversorgt. Diese Situation ist in der heutigen Zeit nur schwer akzeptabel und der Wunsch nach einer besseren Versorgungssituation in der Bevölkerung von Hullern ist nur zu verständlich.

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Die Verwaltung hatte die Aufforderung zum Handeln aufgegriffen und Gespräche mit einer Reihe von Netzbetreibern aufgenommen, allerdings ohne dabei auf einfache und finanzierbare Lösungen zur Verbesserung der Situation zu stoßen. Die Stadt Haltern am See hat insgesamt ca. 38.000 Einwohner. Im Ortsteil Hullern mit 2.300 Einwohnern waren ca. 850 Haushalten unterversorgt. Der Ortsteil wird überwiegend als Wohn-Standort genutzt, ist aber auch Sitz einer Reihe von kleineren Gewerbebetrieben, Freiberuflern und landwirtschaftlichen Betrieben. Als Netzbetreiber mit eigener leitungsgebundener Infrastruktur sind die Deutsche Telekom und Unitymedia im Stadtgebiet tätig.

Alle digitalen Signale werden je nach Übertragungsmedium unterschiedlich stark gedämpft, so dass nach einer unterschiedlich langen Strecke überhaupt kein Signal mehr ankommt. Der Ortsteil Hullern liegt ca. 7 km Luftlinie vom Netzknoten entfernt. Die Zuleitung war seinerzeit noch in Kupfer ausgeführt und die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) im Stadtteil Hullern und seinen Ortsteilen ist wie in den meisten deutschen Kommunen als Kupferdoppelader realisiert. Die Dämpfung im Lichtwellenleiter ist sehr gering und ermöglicht die Überbrückung langer Wegstrecken bis eine Verstärkung notwendig wird. Bei der Verlegung von Lichtwellenleitern in einer Kommune kann die Dämpfung in aller Regel völlig vernachlässigt werden. Anders sieht es bei der Übertragung über die häufig vierzig Jahre oder ältere Kupferdoppelader aus. Diese Leitungen wurden ja ursprünglich nicht für hochfrequentes Datensignal konzipiert, sondern zur Übermittlung von analogen Sprachsignalen.

Die tatsächliche Dämpfung im Kupferkabel hängt von verschiedenen Faktoren ab, z.B. vom Durchmesser und der Qualität des verlegten Kupferkabels. Die Entfernung spielt aber auf jeden Fall eine entscheidende Rolle. Die folgende Tabelle verdeutlicht beispielhaft, wie ein 50 MBit/s-Signal in der Teilnehmeranschlussleitung gedämpft wird. Schon nach zwei Kilometern verbleiben von ursprünglich 50 MBit/s gerade mal 6 MBit/s.

Für die Breitband-Versorgung von Hullern ist zunächst die Entfernung von ca. 7 Kilometern vom Netzknoten in der Kernstadt zu überbrücken. Durch die verteilte Besiedlung im Ortsteil Hullern mit ihren abgesetzten Siedlungen  wie z.B. Antrup und Westrup sind auch in Hullern selbst lange Wegstrecken zu bewältigen. So beträgt die Entfernung von Hullern zur Siedlung Westrup in Luftlinie ca. 3,5 Kilometer. Die hierdurch bedingte Dämpfung in Kupferkabeln schafft für eine verlustarme Verteilung der Bandbreite in dem Stadtteil zusätzliche Herausforderungen.

Generell gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Verteilung eines Signals in einem Netz. Die bestehende Versorgung mit einem einfachen Kupferkabel ist offensichtlich in Hullern nicht ausreichend. Auch die Verlegung von Koaxialkabeln ist für die Fernübertragung nur bedingt besser geeignet. Bei einer durchgängigen Verlegung von Koaxialkabeln bis in den Haushalt (wie dies bei Kabel-TV-Netzen üblich ist) sähe dies anders aus. Hierfür wären im Falle von Hullern sehr umfangreiche Tiefbauarbeiten in allen Straßen erforderlich, die hohe Investitionskosten mit sich bringen. Als tragfähige Lösungen zur Übertragung verbleiben Richtfunk und die Verlegung von Lichtwellenleiterkabeln bis in den Ort. Beide Technologien sind erprobt und ermöglichen die sichere Übertragung von Bandbreiten im GBit/s Bereich über größere Entfernungen.

Ein „klassischer“ Ausbau nach dem Fiber-to-the-Curb Konzept mit der Verlegung von Glasfasern vom Netzknoten bis zu den Kabelverzweigern ist aufgrund der erforderlichen Tiefbaumaßnahmen teuer und führt zu einer hohen Wirtschaftlichkeitslücke. Dies hat sich auch nach den ersten Gesprächen der Stadtverwaltung mit potentiellen Betreibern bestätigt. Für den Ausbau hatte die Stadt Haltern am See Mittel aus dem Zukunftsinvestitionsgesetz reserviert. Im Zuge der Umsetzung wurde ein öffentliches Markterkundungsverfahren durchgeführt, um abzufragen, ob ein Anbieter in den nächsten drei Jahren einen Ausbau ohne öffentliche Zuwendung plant.

Nach dem wenig ergiebigen Ausgang hat die Verwaltung am 20.07.2010 ein öffentliches Auswahlverfahren mit Einstellung auf der Ausschreibungsseite des Landesportals IKT.NRW und auf dem Stadtportal durchgeführt. Dabei wurden Konzepte und Anforderungen für einen flächendeckenden Ausbau mit einer Mindestbandbreite von 2 MBit/s eingefordert. Bis zum Stichtag am 17.09.2010 wurden 6 Angebote eingereicht, die ein breites Spektrum unterschiedlicher Konzepte für die Verbesserung der Versorgung in Hullern vorschlagen. Dies reichte vom Angebot zur Nutzung von Satelliten-Diensten über WLAN-Funklösungen für den Hausanschluss bis zu Alternativen mit Schaltverteilern und dem Ausbau mit Glasfaser bis in die Teilorte von Hullern. Für die Analyse und Bewertung der vorliegenden Angebote hat die Stadtverwaltung Herrn Dr. Kaack von der STZ-Consulting Group hinzugezogen.

Fast alle eingereichten Konzepte erfüllten die Mindestanforderungen für eine Umsetzung nach dem Zukunftsinvestitionsgesetz. Im Hinblick auf die erzielbaren Leistungen nach dem Ausbau, die Nachhaltigkeit für eine spätere Erweiterung der Bandbreite und natürlich im Hinblick auf die Höhe der Deckungslücke unterschieden sich die Konzepte erheblich. Angebote auf der Basis von Schaltverteilern liegen zwar bei den Investitionskosten günstig, die langen Kupferstrecken hinter dem Schaltverteiler bis zu den einzelnen Siedlungen lassen allerdings eine höhere Dämpfung erwarten. Im Vergleich dazu konnte das Angebot der Deutschen Telekom für einen Fiber-to-the-Curb Ausbau letztlich am meisten überzeugt, da direkt nach dem Ausbau flächendeckend eine hohe Bandbreite verfügbar ist – auch in den abgesetzten Siedlungen Antrup und Westrup. Zudem kann später die Glasfaserverlegung als „Verlängerung“ bis zum Hausanschluss geplant werden.

Die Umsetzung des ausgewählten Konzeptes erforderte Investitionen in Tiefbau-Maßnahmen zur Verlegung von Leerrohren über eine Gesamtstrecke von 2.000 Metern, das Einziehen von gut 9.000 Metern Kabel und in den Ausbau der aktiven Übertragungstechnik. Hierfür wurden 6 der  Kabelverzweigern (KVz) zu Outdoor-DSLAMs ausgebaut. Die für den nahezu vollständigen Umbau des vorhandenen Telekommunikationsnetzes in Hullern erforderlichen Tiefbauarbeiten wurden durch regional ansässige Bauunternehmen realisiert. Die Kalkulation der Wirtschaftlichkeitslücke führte insbesondere aufgrund der Tatsache, dass eine vorhandene Leerrohr-Trasse in Länge von 5.000 Metern genutzt werden konnte, zu einer vergleichsweise niedrigen Deckungslücke. So wird ein nachhaltig zukunftssicherer und trotzdem wirtschaftlicher Ausbau möglich.

Für den Breitbandexperten Dr. Kaack ist dies ein gutes Beispiel dafür, dass sich die gezielte Suche nach vorhandenen Infrastrukturen für eine Kommune nachhaltig auszahlen kann. Auch bestätigt es seine These, dass Versorgungsunternehmen zukünftig eine zunehmend wichtigere Rolle beim Aufbau leistungsstarker Breitbandinfrastrukturen einnehmen werden. Versorgungsunternehmen sind mit ihren Infrastrukturen insbesondere innerhalb der Kommunen präsent. Für den Ausbau mit Glasfasern bis zum Hausanschluss kann die Infrastruktur für den Hausanschluss mit der eigenen Primärleistung (z.B. Strom) unterstützend genutzt werden, z.B. in Verbindung mit Sanierungsarbeiten. Hierbei sind durchaus Synergien zu realisieren, die allen Beteiligten erhebliche wirtschaftliche Vorteile bringen. Dr. Kaack sieht daher das Breitbandprojekt für den Ortsteil Hullern als vorbildlich an, auch wenn sich das Konzept und die Umsetzung nur in Ausnahmefällen unmittelbar auf andere Kommunen übertragen lassen. Für die Einwohner von Hullern und die dort ansässigen Betriebe ging die Zeit des langsamen Internets und der Unterversorgung Ende November 2011 zu Ende!

Fachartikel von ECIN.de Fachautor Dr. Jürgen Kaack von der STZ-Consulting

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