Pick-up-Stationen: Wie bestellt und abgeholt

  • Matthias Robben
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Typische Online-Shopper sind jung, aktiv, erfolgreich und vor allem sehr selten zu Hause anzutreffen. Wie kommen sie aber dann rechtzeitig an ihre heiß ersehnten Internet-Bestellungen?

Auf dem ganz klassischen Wege finden sie beim Eintreffen eine Mitteilungskarte der Deutschen Post vor, die ihnen die Herausgabe der Sendung am folgenden Tag zu den bekannten Öffnungszeiten der nächsten Hauptstelle in Aussicht stellt. Und die sind weitaus weniger kundenfreundlich, als es uns mancher Werbespot populärer Langnasen glauben machen möchte. So verwundert es kaum, dass sich laut FirstSurf Internetshopping Report mehr als die Hälfte aller Online-Käufer aufgrund einer Web-Bestellung bereits ein oder mehrmals zum Postamt aufmachen mussten. Decken sich die eigenen Arbeitszeiten in etwa mit den Öffnungszeiten der gelben Global-Logistiker, so kann daraus leicht ein nervenaufreibendes Geduldsspiel werden.

Doch auch für die Shopbetreiber stellt sich die Problematik der „letzten Meile“ als eine entscheidende Herausforderung dar. Natürlich möchten sie, dass ihre Kunden so einfach und kostengünstig wie möglich an die Ware kommen. Gleichwohl funktioniert dieses nicht um jeden Preis, wie die vor allem aufgrund ihrer ausufernden Logistik gescheiterten Online-Lebensmittelhändler Webvan und HomeRuns auf traurige Weise beispielhaft belegen. Und den Luxus, einen Kunden mit der bestellten Ware bis zu drei Mal anzufahren, können sich wohl auch nur große, flächendeckend agierende Versandhändler leisten.

Somit scheint die Idee, dem Besteller eine Möglichkeit einzuräumen, seine georderte Ware flexibel von einem günstig gelegenen Abholpunkt selbst zu beziehen, gegenwärtig sowohl für den Kunden als auch für den Shop-Betreiber ein akzeptabler Kompromiss mit Zukunft. Inwieweit die Post hierbei auch weiterhin eine Rolle spielt, sei dahingestellt. Sicher ist indes, dass sich gegenwärtig gleich eine ganze Reihe von Unternehmen um den Aufbau derartiger, flächendeckender Lösungen bemühen. Als gemeinsamer Nenner setzen alle diese Modelle auf das Pick-up-Prinzip, also dem Überwinden der problematischen letzten Meile durch den Kunden selbst. Ansonsten ergeben sich aber dennoch einige Unterschiede, die im Folgenden näher beleuchtet werden sollen.



PickPoint
Bereits seit Mitte September 2000 am Markt, haben die Gründer von PickPoint mit ihrer Geschäftsidee hauptsächlich Tankstellen, Kioske und Videotheken im Visier. Dabei werden die bestellten Waren an gut zu erreichende Übergabepunkte – so genannten PickPoints – geliefert, von wo aus sie dann nach Möglichkeit vom Kunden rund um die Uhr abgeholt werden können. Somit gilt die Dauer der Öffnung als ein wichtiges Kriterium für die Auswahl eines PickPoints, denn der Sinn des Angebots besteht insbesondere darin, dass Kunden ihre Artikel sowohl nach Feierabend als auch am Wochenende beziehen können.

Benachrichtigt wird der Besteller nach Eintreffen der Ware am PickPoint per eMail oder SMS und hat anschließend 10 Tage Zeit die Ware abzuholen. Inzwischen gibt es in Deutschland mehr als 1.700 PickPoints, wodurch zumindest in Ballungsräumen bereits eine zufriedenstellende Abdeckung erreicht wurde. Die Betreiber der PickPoints erhalten für ihren Service eine kleine Provision. In erster Linie sollen sie jedoch von der zusätzlichen Laufkundschaft profitieren.

Für die Nutzung des Services muss sich der Kunde zunächst kostenlos bei PickPoint registrieren lassen und dann im Internet-Shop den entsprechenden PickPoint als Lieferadresse angeben. Da man die zu Produktstart angepeilten 100 Internet-Akzeptanzstellen nicht erreichen konnte, kann der Kunde seit Februar 2001 mit der so genannten PickPoint-Marke in „jeden Webshop der Welt“ einkaufen und sich die Waren an die gewünschte Station liefern lassen. Werden bei den angeschlossenen Shops in der Regel zusätzliche Gebühren in Höhe von 3-6 DM pro ausgeführter Bestellung fällig, wird beim PickPoint-Marken-Service bis auf weiteres keine zusätzliche Gebühr erhoben. Die anfallenden Versandgebühren werden von den Shopbetreibern dabei zumeist an den Kunden weitergereicht.



Shopping Box
Noch länger als PickPoint, nämlich seit Ende März 1999 steht die erste Shopping Box-Filiale im Trianon-Hochhaus der Deutschen Bank in Frankfurt. Die Funktionsweise des Systems ist dabei durchaus kundenfreundlich: Der Shopping Box-Kunde kann sich per Telefon, Fax oder eMail Waren wie Lebensmittel, Drogerieartikel, Bücher etc. bestellen und holt diese später dann in der Shopping Box ab. Deponiert wird die Bestellung in den Fächern der Shopping Box. Je nach Erfordernis entweder ungekühlt, gekühlt oder tiefgekühlt. Bei Abholung identifiziert sich der Kunde einfach mit seiner ec-Karte und persönlicher Kundennummer am Bedienterminal und öffnet das angezeigte Fach.

Laut Unternehmenswebsite steht ein „Riesenangebot an Waren und Dienstleistungen“ zur Verfügung. Ein Blick auf das aktuelle Angebot bestätigt dieses Versprechen jedoch nicht. Für die 5 DM die monatlich als Gebühr erhoben werden, haben die Kunden der beiden Frankfurter Shopping-Boxen momentan gerade einmal die Auswahl zwischen „Reinigung und Textilpflege durch den Meisterbetrieb Michaelis“ oder „Reinigung und Textilpflege durch den Röver Reinigung Service Center“. Mit dieser, auch nach mehr als zwei Jahren, doch immer noch recht dürftigen Auswahl an Produkten und Dienstleistungen, wird sich vermutlich nur schwer ein Kunde davon überzeugen lassen, einen Kundenvertrag zu unterzeichnen.



Tower24
Den Gedanken der dezentralen Pick-Up-Stationen hat auch das Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund aufgegriffen und daraufhin das Warenübergabesystem Tower24 entwickelt. Hierbei will man sowohl den Bedürfnissen von Händlern, Logistikdienstleistern sowie insbesondere den Anforderungen der Konsumenten gerecht werden.

Das vollautomatische Paket-Terminal soll dabei nach dem Willen seiner Erschaffer in einigen Jahren zum deutschen Stadtbild gehören. Dann soll an möglichst vielen Standorten der Republik ein Rundbau in Turmbauweise mit einem Durchmesser von 4,5 Metern und einer Gesamthöhe von 10 Metern aufgestellt worden sein. Man plant dabei die gesamte Konstruktion vier Meter in den Boden abzusenken, wodurch keine zusätzliche Isolation für die Einhaltung niedriger Temperaturen im Innenraum notwendig ist. Insgesamt sollen 300 Standardbehälter der Größe 600 mal 400 im Tower24 Platz finden. Aufgestellt werden sollen die neuen Pakettürme vor allem auf zentral gelegenen und normal frequentierten Parkplätzen, wo sowohl Lieferanten als auch Kunden schnell die Waren einliefern bzw. abholen können.

Laut Lars Siebel, Projektleiter des Teams eLogistiX am Fraunhofer IML, belaufen sich die Investitionskosten des Tower24 bei Serienfertigung auf rund 200.000 Euro und würden sich bei einer 50%igen Auslastung in rund drei Jahren amortisieren. Wenn alles optimal läuft, soll im Herbst 2001 mit der Errichtung des ersten Tower24 auf dem Parkplatz des Dortmunder Technologieparks begonnen werden. Als Betreiber für die Tower kommen laut Fraunhofer insbesondere Kurier-, Express- und Paketdienstleister in Betracht.



DropBox24
Bei der DropBox24 sollen Kunden auf ihrem täglichen Weg, unabhängig von Öffnungszeiten, bequem ihre Pakete am DropBox24 Automat abholen können. Diese Automaten plant man an Tankstellen oder Bahnhöfen aufzustellen. Die Waren sollen jedoch nicht (wie bei PickPoint) am Verkaufs-Tresen in Empfang genommen, sondern direkt am Automaten abgeholt werden. Diese sollen sowohl im Außen- als auch im Innenbereich positioniert werden und 24 Stunden am Tag zugänglich sein. Sobald der Lieferant die bestellte Ware in die gewünschte Dropbox einliefert, bekommt der Kunde eine eMail bzw. SMS mit einer Code-Nummer mitgeteilt, mit der die Ware bei Abholung wieder freigegeben wird. Gleichzeitig soll der Empfänger seine Waren mit EC-, Kredit- oder Geldkarte direkt am Automaten bezahlen können. Im Gegensatz zur Shopping-Box und Tower24 sind bei der DopBox24 keine Lagerfächer mit Kühlung geplant und so kann auch nur unverderbliche Ware eingelagert werden.

Laut Antonio Brissa von DropBox24 beginnt Anfang September ein B2B-Microtest mit einer nicht genannten, „...sehr großen High-Tech Firma“, um Systeme und Prozesse weiter zu optimieren. Nach Unternehmensangaben möchte man sich nach Markteinführung auf Ballungszentren konzentrieren und ca. 1000 Automaten aufstellen. Als Partnerunternehmen konnte die DropBox24 GmbH u.a. die Mineralölgesellschaft TotalFinaElf Deutschland sowie als Zusteller den Hermes Versand sowie den Deutschen Paket Dienst gewinnen.



Die letzte Meile: Durch Pick-up-Services überwindbar?

Es bleibt fraglich, ob die vorgestellten Logistik-Lösungen tatsächlich die notwendige Marktakzeptanz erfahren. Zwar erklärten sich einer Umfrage des Dortmunder Fraunhofer IML zufolge 35 Prozent der Teilnehmer dazu bereit, ihre Waren an einer Pick-up-Station abzuholen und für einen 24h-Service sogar einen Mehrpreis von 3,50-5,00 DM aufzuwenden. Dennoch zeigt die Praxis, dass sich sowohl Kunden als auch Shopbetreiber bei den bereits am Markt befindlichen Lösungen bis heute eher vornehm zurückhalten. Und auch die hohen Anfangsinvestitionen in den Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur, dürfte für die Lösungsanbieter eine nicht unbeträchtliche Hürde darstellen. Sie selbst beziffern schließlich die notwendige Anzahl von Pick-up-Stationen für eine flächendeckende Versorgung der deutschen Ballungsräume auf immerhin 500-1.000 Stück. Die unverzichtbaren Investoren werden sich hierfür in Zeiten konjunktureller Schwäche vermutlich nur schwer gewinnen lassen und in der Breitenabdeckung scheint eine kostendeckende Präsenz überhaupt nicht vorstellbar. So wird der berufstätige Online-Shopper mit seinem Benachrichtigungszettel dann wohl doch noch eine ganze Weile lang den unvermeidlichen Weg zu seinem heimischen Postamt antreten müssen. Es sei denn, er lässt sich seine Waren gleich an die Firmenadresse liefern.



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