Deezer startet KI-Musikscanner für andere Streamingdienste

Deezer erweitert seine Technologie zur Erkennung von KI-generierter Musik auf Playlists anderer Streamingdienste. Nutzer können damit kostenlos prüfen, ob sich synthetisch erzeugte Songs in ihren Musikbibliotheken befinden. Nach Angaben des Unternehmens unterstützt das neue Online-Tool die wichtigsten Streaming-Plattformen und steht in 27 Sprachen zur Verfügung. Ziel ist mehr Transparenz beim Umgang mit KI-Musik über Plattformgrenzen hinweg.

Audio Streaming Symbolbild (KI generiert)
Audio Streaming Symbolbild (KI generiert)

Deezer öffnet seine KI-Erkennung für alle Streaming-Nutzer

Audio Streaming Symbolbild (KI generiert)
Audio Streaming Symbolbild (KI generiert)

Der französische Musikstreamingdienst Deezer stellt einen neuen Online-Dienst zur Verfügung, mit dem Nutzer ihre Playlists auf KI-generierte Musik überprüfen können. Das Angebot funktioniert unabhängig davon, auf welchem Streamingdienst die Musik gespeichert ist.

Nach Angaben des Unternehmens werden insgesamt 20 der weltweit am häufigsten genutzten Streaming-Plattformen unterstützt. Für die Nutzung müssen Anwender lediglich ihren Streaming-Account verbinden und die Playlist analysieren lassen.

Reaktion auf fehlende Branchenstandards

Deezer zählt zu den ersten großen Streaming-Anbietern, die KI-generierte Musik aktiv kennzeichnen. Laut Unternehmensangaben hat bislang kein anderer großer Streamingdienst eine vergleichbare Lösung übernommen.

Während einige Anbieter auf freiwillige Kennzeichnungen setzen, verfolgt Deezer einen technischen Ansatz zur automatisierten Erkennung. Die neue Plattform soll Nutzern deshalb die Möglichkeit geben, unabhängig vom jeweiligen Dienst selbst nachzuvollziehen, ob KI-generierte Inhalte in ihren Playlists enthalten sind.

Alexis Lanternier, CEO von Deezer, erklärte, dass viele Nutzer wissen möchten, ob ihnen synthetisch erzeugte Musik empfohlen wird. Die neue Lösung soll genau diese Transparenz schaffen.

Fast jede zweite importierte Playlist enthält KI-Musik

Nach Daten von Deezer enthalten 43 Prozent der Playlists, die Nutzer von anderen Streaming-Plattformen zu Deezer übertragen, bereits KI-generierte Titel.

Eine gemeinsam mit Ipsos durchgeführte Umfrage in acht Ländern zeigt zudem ein deutliches Interesse an einer Kennzeichnung solcher Inhalte. Demnach sprechen sich 80 Prozent der Befragten dafür aus, vollständig KI-generierte Musik klar zu kennzeichnen. 73 Prozent möchten außerdem wissen, ob Streamingdienste ihnen KI-Musik aktiv empfehlen.

Viele Hörer erkennen KI-Songs nicht

Die Untersuchung ergab außerdem, dass 97 Prozent der Teilnehmer in einem Blindtest nicht zwischen vollständig KI-generierten Songs und von Menschen produzierter Musik unterscheiden konnten.

Mehr als die Hälfte der Befragten ist zudem der Ansicht, dass vollständig KI-generierte Titel nicht gemeinsam mit von Menschen geschaffener Musik in den regulären Musikcharts geführt werden sollten.

Eigene Technologie erkennt KI-Musik automatisch

Die Erkennungslösung basiert auf einer von Deezer entwickelten Technologie. Das System kann nach Unternehmensangaben Musik identifizieren, die mit bekannten generativen KI-Modellen wie Suno oder Udio erstellt wurde. Gleichzeitig arbeitet Deezer an Verfahren, die auch bislang unbekannte KI-Modelle erkennen können.

Die Technologie wird seit Anfang 2025 auf der eigenen Plattform eingesetzt. Im Juni 2025 führte Deezer als erster Streamingdienst eine sichtbare Kennzeichnung von KI-generierter Musik ein.

Millionen erkannte KI-Titel auf der Plattform

Nach Angaben des Unternehmens werden täglich nahezu 75.000 KI-generierte Titel bei Deezer hochgeladen. Das entspricht inzwischen mehr als 44 Prozent aller täglich eingereichten Songs.

Im Laufe des Jahres 2025 identifizierte und kennzeichnete Deezer mehr als 13,4 Millionen KI-generierte Titel. Gleichzeitig entfernt der Streamingdienst solche Inhalte aus algorithmischen Empfehlungen und berücksichtigt sie nicht in redaktionell kuratierten Playlists.

KI-Musik und Betrugsrisiken bleiben ein großes Thema

Obwohl KI-generierte Musik laut Deezer aktuell nur einen kleinen Teil der gesamten Streams ausmacht, sieht das Unternehmen darin ein wachsendes Problem. Zwischen einem und drei Prozent aller Streams entfallen auf vollständig synthetische Titel.

Besonders kritisch bewertet Deezer den Zusammenhang mit Manipulationsversuchen. Nach Unternehmensangaben waren im Jahr 2025 bis zu 85 Prozent der Streams von vollständig KI-generierten Songs betrügerischer Natur. Solche Aufrufe werden von den Tantiemenzahlungen ausgeschlossen.

Deezer bietet Technologie auch der Musikbranche an

Bereits zuvor hatte Deezer versucht, seine Erkennungstechnologie anderen Unternehmen der Musikindustrie zur Verfügung zu stellen. Da sich daraus offenbar keine breite Branchenlösung entwickelte, richtet sich das Angebot nun direkt an Endnutzer.

Parallel dazu lizenziert das Unternehmen die Technologie weiterhin für andere Akteure der Musikbranche. Zudem wurden Ende 2024 zwei Patentanträge für Verfahren zur Erkennung synthetischer Inhalte eingereicht.

Laut einer Studie von CISAC und PMP Strategy könnten bis 2028 rund 25 Prozent der Einnahmen von Musikschaffenden durch generative KI gefährdet sein. Das entspräche einem potenziellen Umsatzverlust von bis zu vier Milliarden Euro für die Kreativbranche.

Deezer-CEO Alexis Lanternier erklärte in einer Mitteilung, kein anderes Unternehmen sei dem eigenen Ansatz bisher gefolgt. Deshalb wolle Deezer es allen Nutzern ermöglichen, unabhängig von der jeweils genutzten Plattform nach KI-Musik in ihren Playlists zu suchen.

Mehr Infos in der Pressemeldung von > Deezer

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