10.08.2001 – Gut gemeint ist mitunter das Gegenteil von gut. Die Flut unterschiedlichster Anbieter von Gütesiegeln vergrault inzwischen jedenfalls reihenweise potentielle Online-Shopper.
Gut gemeint ist mitunter das Gegenteil von gut. Die Flut unterschiedlichster Anbieter von Gütesiegeln vergrault inzwischen jedenfalls reihenweise potentielle Online-Shopper.
Zu dieser Einschätzung gelangen die Marktforscher von in einem aktuellen Statement. Zwar erkennen sie die grundsätzliche Eignung eines Gütesiegels vertrauenförderndes Instrument beim eCommerce an, rügen jedoch gleichzeitig die Vielzahl der Anbieter.
"Gütesiegel können beim Internet-Nutzer Vertrauen schaffen, indem sie die Datensicherheit und Seriosität einer Webseite bezeugen – etwa durch das Zertifikat "Trusted Shops" oder "Geprüfter Online-Shop"", sagt Wilhelm Alms, Vorstandsvorsitzender der Mummert + Partner Unternehmensberatung. "Der Online-Kunde sieht auf den ersten Blick, dass er beim Einkauf keine Bedenken haben muss – wenn er denn den Gütesiegeln vertraut. Hier liegt das Problem: Mittlerweile gibt es eine Zahl von Zertifikaten, die fast inflationär ist. Der Verbraucher weiß daher nicht mehr, welchem Gütesiegel er vertrauen kann."
Die Folge sei, dass der Surfer den Online-Shop wieder verlässt und an der realen Ladentheke kauft. Zwar hat die Wirtschaftsinitiative D21 aus der Masse der Gütesiegel eine Empfehlung für acht Zertifikate ausgesprochen, doch selbst diese Anzahl können die Internet-Nutzer nach Auffassung der Auguren nicht überschauen. "Ein Gütesiegel hat erst dann einen Wert, wenn die Verbraucher damit die Vertrauenswürdigkeit des TÜV oder der Stiftung Warentest verbinden", sagt der eBusiness-Experte der Unternehmensberatung, Veit Olschinski .
Ein alternativer Ansatz seien personalisierbare Datenschutzstandards auf Basis des so genannten P3P (Platform for Privacy Preferences Project)-Standards. Hierbei können Nutzer Datenschutzbestimmungen im vorhinein festlegen und das System gleicht diese dann automatisch mit den entsprechenden Anbieterseiten ab und erteilt ggf. Warnhinweise.
Doch auch der P3P-Standard ist noch nicht ausgereift. Das Problem: Die Datenschutzvorkehrungen sind für die Mehrheit der Nutzer bislang nicht nachvollziehbar. "Es macht keinen Sinn, wenn der Internet-Nutzer seine Datenschutzstandards festlegt, ohne zu wissen, was dies beim Surfen dann für ihn bedeutet", sagt Olschinski. Hinzu kommt: Spätestens bei der fünften Datenschutz-Warnmeldung schaltet der genervte Surfer P3P wieder ab.
Alles in allem sei die Vertrauensfrage beim Online-Shopping noch nicht hinreichend beantwortet, weshalb viele virtuelle Portemonnaies zunächst auch noch geschlossen blieben.
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