OpenAI hat mit ChatGPT Work einen neuen KI-Agenten vorgestellt, der direkt in ChatGPT eingebettet ist. Das System soll nicht nur Fragen beantworten, sondern auch Aufgaben über E-Mail, Kalender, Slack, GitHub und andere Arbeitswerkzeuge hinweg ausführen. Grundlage ist das neue Modell GPT-5.6. Die Einführung beginnt zunächst für Pro-, Enterprise- und Edu-Nutzer, später sollen Plus- und Business-Kunden folgen.

Neuer Fokus auf Arbeit statt Chat
Mit ChatGPT Work rückt OpenAI die eigene Chatbot-Plattform stärker in Richtung Arbeitssoftware. Laut dem Unternehmen soll der Agent komplexe Aufgaben in einzelne Schritte zerlegen, Daten aus verbundenen Anwendungen auslesen und daraus fertige Arbeitsergebnisse erzeugen. Dazu zählen unter anderem Dokumente, Tabellen, Präsentationen, Berichte und Websites.
Das System basiert auf einer persistenten, cloudbasierten virtuellen Maschine, die auf OpenAI-Servern läuft und dem Nutzer unabhängig vom Endgerät zur Verfügung stehen soll. OpenAI grenzt sich damit von anderen Agenten ab, die oft nur funktionieren, wenn ein lokaler Rechner aktiv und verbunden bleibt.
Ty Geri, Produktmanager bei OpenAI und an der Entwicklung beteiligt, stellte das neue Angebot als Weg dar, agentische Fähigkeiten breiter zugänglich zu machen. Er verwies darauf, dass OpenAIs internes Werkzeug Codex bereits gezeigt habe, wie weit sich KI über reine Antwortsysteme hinaus in echte Arbeitsabläufe einbinden lasse.
Verfügbarkeit und Zielgruppe
Der Start erfolgt zunächst für Pro-, Enterprise- und Edu-Kunden. In den kommenden Tagen soll der Zugang auch für Plus- und Business-Nutzer freigeschaltet werden. Laut OpenAI ist es ein wichtiges Ziel, die Funktionen nicht nur großen Unternehmenskunden, sondern auch breiteren Nutzergruppen zur Verfügung zu stellen.
OpenAI betont zudem die mobile Nutzung. Nach Angaben des Unternehmens sollen Nutzer etwa unterwegs auf dem Smartphone ein Projekt starten, es im Browser fortsetzen und Ergebnisse direkt mit anderen teilen können. Als Beispiel nannte OpenAI die Erstellung von Websites, die sich auch mobil anlegen und verschicken lassen.
Zusammenarbeit mit externen Diensten
ChatGPT Work bindet externe Anwendungen über MCP-basierte Plugins an. Unterstützt werden laut OpenAI unter anderem Gmail, Google Calendar, Slack und GitHub. Auf die Frage, ob die Anbindung auf dem Model Context Protocol basiert, bestätigte Geri dies ausdrücklich.
Die Oberfläche soll den Einstieg an die jeweilige Rolle anpassen. Im Demonstrationsbeispiel wurden einem Produktmanager direkt passende Vorschläge wie die Analyse von KI-Systemen, die Erstellung von Recherchematerial oder das Management des Kalenders angezeigt. Das System kann etwa Slack-Nachrichten oder Termine auswerten, Konflikte erkennen und auf Anweisung Einladungen ablehnen, annehmen oder verschieben.
Zu den Anpassungsmöglichkeiten gehört auch, dass Nutzer den Schreibstil des Systems trainieren, Ergebnisse in Projekten organisieren und sogar ein virtuelles Maskottchen auswählen können. Zudem gibt es eine gehostete Website-Funktion, mit der sich interaktive Seiten direkt in ChatGPT Work erstellen und teilen lassen.
Konkrete Anwendung im Produktalltag
Geri beschrieb aus eigener Erfahrung, wie ChatGPT Work bei der internen Vorbereitung von Testläufen eingesetzt wurde. Für sogenannte Bug Bashes habe das System Informationen aus Slack, GitHub und Dokumenten zusammengeführt, passende Teilnehmer identifiziert und mehrere Termine koordiniert. Nach seinen Angaben habe es zehn solcher Testtermine selbstständig organisiert.
Nach Darstellung des Produktmanagers geht der Einsatz aber über administrative Aufgaben hinaus. Er nannte auch analytisch anspruchsvolle Arbeiten wie die Untersuchung von Ursachen für Nutzerabwanderung bei bestimmten Funktionen und die Ableitung möglicher Produktlösungen. Solche Aufgaben hätten sich früher über Monate gezogen, sagte Geri; mit dem neuen Ansatz lasse sich dafür deutlich weniger Zeit benötigen.
Auch beim Testen selbst soll der Agent unterstützen. Statt wiederholt per Hand dieselben Schritte auszuführen, könne ein Nutzer nun das gewünschte Prüfszenario definieren und ChatGPT Work oder Codex die Ausführung überlassen. Das System liefere dann einen Fehlerbericht zurück.
Datenschutz und Unternehmenssicherheit
Weil ChatGPT Work tief in Arbeitsumgebungen wie Slack, Google Drive oder E-Mail eingreift, spielt Datenschutz eine zentrale Rolle. Geri sagte, der Nutzer behalte die Kontrolle über die Zugriffe. Zudem verwies er auf die bestehenden Sicherheitsmechanismen für Unternehmenskunden, darunter Zero Data Retention für Enterprise-Konten und die Möglichkeit, die Nutzung von Gesprächen für Modellverbesserungen abzulehnen.
OpenAI hatte bereits bei der Einführung von ChatGPT Enterprise erklärt, Geschäftsdaten und Gespräche nicht zum Training zu verwenden. Bei ChatGPT Work ist die Relevanz des Themas noch größer, da der Agent aktiv auf vernetzte Systeme zugreift und nicht nur Eingaben aus einem einzelnen Chatfenster verarbeitet.
Wettbewerb im Markt für Arbeitsagenten
Mit ChatGPT Work tritt OpenAI in einen direkten Wettbewerb mit anderen Anbietern von KI-Agenten für den Arbeitsalltag. Anthropic hat Claude Cowork im April aus der Vorschau in die allgemeine Verfügbarkeit überführt. Microsoft stellte Copilot Cowork am 16. Juni weltweit bereit. Alle drei Systeme zielen darauf, Aufgaben nicht nur zu beantworten, sondern tatsächlich auszuführen.
Gemeinsam ist den Produkten ein ähnliches Grundprinzip: Sie laufen persistent in der Cloud, verbinden sich mit Arbeitswerkzeugen über Plugins und sollen über Desktop, Web und Mobilgeräte hinweg funktionieren. OpenAI hebt dabei vor allem die Reichweite von ChatGPT hervor. Nach Unternehmensangaben kommt der Dienst auf 900 Millionen wöchentliche aktive Nutzer, 50 Millionen zahlende Abonnenten und mehr als 9 Millionen zahlende Geschäftsnutzer. Zudem setzten 92 Prozent der Fortune-500-Unternehmen ChatGPT ein.
Dass ChatGPT Work schon für Plus-Kunden verfügbar sein soll, unterstreicht diese Strategie. OpenAI setzt darauf, die neue Funktion nicht nur in hochpreisigen Unternehmenskonten zu platzieren, sondern möglichst breit zu verteilen.
Einordnung für OpenAI
Die Produktvorstellung fällt in eine Phase, in der OpenAI seine Position im Unternehmensgeschäft ausbaut. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben eine monatliche Umsatzrate von 2 Milliarden US-Dollar erreicht. Zugleich wächst der Anteil der Unternehmenskunden, und OpenAI betont, dass dieser Bereich inzwischen mehr als 40 Prozent des Umsatzes ausmache.
Gleichzeitig bleibt das Unternehmen nach wie vor defizitär und erwartet laut Berichten erst um 2030 die Profitabilität. Vor diesem Hintergrund ist ChatGPT Work auch ein Signal an den Markt, dass OpenAI aus seiner Nutzerbasis belastbare Geschäftsanwendungen entwickeln will. Die neue Lösung bündelt frühere Ansätze wie ChatGPT Enterprise und den Agenten Operator in einem einheitlichen Produkt auf Basis von GPT-5.6 und einer wachsenden MCP-Plugin-Landschaft.
Ob diese Strategie trägt, wird sich daran zeigen, ob Unternehmen den Agenten im Alltag breit einsetzen und ob daraus messbare Produktivitätsgewinne entstehen. OpenAI setzt jedenfalls klar darauf, dass sich die nächste Entwicklungsstufe von ChatGPT nicht mehr nur im Dialog, sondern im tatsächlichen Ausführen von Arbeit entscheidet.



