Offshore Outsourcing – Ein Mittel zur Behebung des IT-Fachkräftemangels

Sie suchen dringend erfahrene Softwareentwickler oder andere Technologieexperten, aber der Arbeitsmarkt scheint wie leer gefegt zu sein? Offshore Outsourcing verspricht hier schnelle Hilfe.

Durch Offshore Outsourcing setzen Sie Ihre Ressourcen gezielt für Projekte mit der größten Wertschöpfung ein und sichern damit die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit Ihres Unternehmens. Zeitaufwendige Aktivitäten mit geringer Wertschöpfung, wie z. B. Wartungsarbeiten, können zu geringen Kosten auch im Ausland durchgeführt werden.

Die Entscheidung (Teil-) Projekte im Ausland zu entwickeln ist von strategischer Bedeutung und deshalb „Chefsache“. Als schnelle Maßnahme kann der Einsatz ausländischer IT-Experten schon nach kurzer Zeit die gewünschten Erfolge bringen, Offshore Outsourcing macht aber nur als langfristige Orientierung wirklich Sinn. In der Praxis werden ausländische Fachkräfte vor allem am Projektbeginn und zur Implementierung beim deutschen Partner arbeiten, um einerseits den kontinuierlichen Wissenstransfer zu gewährleisten und um das Vertrauen zwischen allen Beteiligten zu schaffen. Wegen der lokalen Distanz ist Vertrauen ein wesentlicher Faktor für eine langfristig erfolgreiche Kooperation.

Wie und wo finden Sie den richtigen Partner?
Durch die in den letzten Monaten abflauende Wirtschaft in den USA verstärkten Offshore Solutions Provider Ihre europäische Marketingaktivitäten. Die Unternehmen kommen dabei vor allem aus Osteuropa, den Staaten der ehemaligen UdSSR und Indien. Von der Qualität und Reife sind indische Unternehmen fast schon Weltmarktführer. Von den weltweit 14 Unternehmen, die die 5. Stufe des CMM (Capability Maturity Model – einem internationalen Qualitätsstandard für Softwareentwicklung) erreichen konnten, kommt die Hälfte aus Indien. Der weltweit gute Ruf indischer Programmierer hat sich in der letzten Zeit auch in Deutschland bestätigt. Aber auch in den anderen Ländern finden sich erstklassige Unternehmen. Eine genaue Durchleuchtung des zukünftigen Partners ist aber unabdingbar erforderlich. Als Auswahlkriterien lassen sich Projekterfahrung, Zuverlässigkeit, Kommunikationsvermögen, Größe & Finanzkraft, und die Transparenz der Angebote feststellen. Am besten testet man die Zusammenarbeit in einem Probeprojekt bevor man langfristige Verträge abschließt.

Welche Projekte können im Ausland durchgeführt werden?
Die Selektion der geeigneten Projekte muss gründlich überdacht werden. Denn nicht alle Leistungen lassen sich erfolgreich im Ausland erfüllen. Gut geeignet sind klar abgrenzbare, zeitintensive, wertschöpfungsarme und langfristig erfüllbare Leistungen wie z. B. die Wartung von Software und Legacy Systemen. Genauso bereitet die Entwicklung von Softwaremodulen im Ausland geringe Probleme, wenn genaue Spezifikationen vorliegen. Wegen der oft fehlenden Markt- und Anwendungskenntnisse (Application Knowledge) ist zu der kompletten Auftragsvergabe von komplexen (Internet-)Anwendungen ins Ausland nur im Einzelfall anzuraten. Hier wäre es sinnvoller, die eigene Entwicklungsabteilung gezielt mit ausländischen Experten für die Dauer des Projektes zu verstärken.

Grundsätzlich gilt: Je reifer die Entwicklungsprozesse und -methoden der beteiligten Unternehmen, desto leichter lassen sich (auch komplexe) Entwicklungsaufgaben im Ausland durchführen.

Welche Vorteile bietet Offshore Outsourcing?
Kosten, Zeit und Qualität.
Während in den frühen Jahren die Kostenersparnis im Vordergrund stand, sind heute Zeit- und Qualitätskriterien die Triebfeder für die Auslagerung der Softwareentwicklung ins Ausland. Die Verfügbarkeit von hoch qualifizierten Entwicklern zu niedrigen Kosten, moderne IT-Infrastruktur, internationale Qualitätsstandards und nicht zuletzt die schon langjährige Erfahrung vor allem indischer Softwareunternehmen, machen Global Software Outsourcing auch für deutsche Unternehmen interessant. Durch den Einsatz eines zusätzlichen Offshore Teams kann die Zeit zur Marktreife (time-to-market) verringert werden, was gerade bei schnelllebigen Produkten wie Software einen großen Wettbewerbsvorteil darstellt.

Allerdings lassen sich die Vorteile (Kosten, Zeit und Qualität) nur dann verwirklichen, wenn auch die Rahmenbedingungen stimmen: Klare Verträge und Service Level Agreements (SLA) inklusive Strafzahlungen bei Nichterfüllung bzw. Versicherung, Gestaltung des Projektmanagements und der Entwicklungsmethode, Einführung eines internationalen Qualitäts- und Wissensmanagements, Festlegung der Kommunikationsregeln und -häufigkeit, etc. Hier sollten Sie auf das Wissen und die Erfahrung von Experten (Handelskammer, Rechtsanwälte, Unternehmensberatungen, etc.) zurückgreifen.

Mit welchen Kosten müssen Sie rechnen?
Mehr als 75% der Gesamtkosten für Softwareentwicklung entfallen auf Peronalkosten und genau diese sind in den oben genannten Ländern sehr gering. Dadurch können Offshore Solution Provider gut ausgebildete Entwickler mit Berufserfahrung schon ab etwa 4.000 DM pro Mannmonat anbieten, wobei im Preis auch die Benutzung der gesamten IT-Infrastruktur enthalten ist. Hinzu kommen noch Kosten für Projektmanagement, Kommunikation und Transport. Je nach Projektart und –grösse lassen sich Kosteneinsparungen von 20-50% realisieren. Genauso wichtig sind die gute Verfügbarkeit hoch-qualifizierter Entwickler und die enorme Leistungsbereitschaft und Motivation, was sich in einer kürzeren Entwicklungszeit und somit auch in Kostenreduktion niederschlägt.

Gibt es sprachliche und kulturelle Schwierigkeiten?
Sprachliche und kulturelle Schwierigkeiten können immer auftreten, doch kann ihnen durch ein international erfahrenes Projektmanagement entgegen gewirkt werden. Deutschkenntnisse sind bei ausländischen Entwicklern häufig nicht vorhanden, aber die ITK-Sprache ist nun einmal Englisch und die fachliche Kommunikation zwischen den Partnern läuft in der Praxis meistens reibungsloser ab, als vorher erwartet. Offshore Outsourcing wäre also der richtige Grund, die Englischkenntnisse Ihrer Mitarbeiter zu verbessern, wenn Sie Bedenken über die Kommunikationsfähigkeit haben. Gerade indische Unternehmen besitzen durch eine jahrelange und enge Zusammenarbeit mit Unternehmen aus den USA eine große Erfahrung im Offshore Outsourcing, was auch die Kooperation mit europäischen Unternehmen erleichtert.

Gut geplant ist halb gewonnen!
Nicht zu vernachlässigen sind die Risiken, die mit einer unzureichend geplanten Auslagerung von Entwicklungstätigkeiten in das Ausland verbunden sind: Kompetenzverlust der eigenen Entwicklungsabteilung, Kontrollverlust durch intransparente Entwicklungsprozesse und –methoden, unterschiedliche Qualitätsauffassung, kulturelle Unterschiede, Kommunikationsschwierigkeiten, Verletzung von Urheberrechten, etc. Die Entwicklung von unternehmenskritischen Anwendungen sollte demnach nur in Ausnahmenfällen im Ausland durchgeführt werden.

Wenn exakt festgehalten wurde, WER für WAS zuständig und verantwortlich ist und die Regeln, WIE das Projekt ablaufen soll von beiden Seiten verstanden wurde, steht einem erfolgreichen Outsourcing nichts mehr im Wege.

Aussicht
Durch den bestehenden IT-Fachkräftemangel und die zunehmende Globalisierung der Wirtschaft werden sich zukünftig auch kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland mit Global Software Outsourcing auseinandersetzen müssen, aber nur Unternehmen, die entsprechende Rahmenbedingungen schaffen und die Globalisierung als Herausforderung verstehen, werden dabei auch erfolgreich sein.

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