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eCommerce: Wachstum ohne Ende?
15.10.2003 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

Trotz oder gerade weil der Euro nicht mehr so locker in der Tasche sitzt: Der Online-Handel blüht und kann hierzulande jährlich mit neuen Rekorderlösen aufwarten. Die Gründe hierfür sind nahe liegend.

Neuer Balsam auf die vielfach gepeinigte Seele der Internetbranche: Die aktuelle GfK Web*Scope Studie prognostiziert auch für das Jahr 2003 blühende virtuelle eCommerce-Landschaften und ein Wachstum auf bis zu 5,7 Milliarden Euro Gesamtumsatz. Und da diesen Zahlen mit der Bilanz des ersten Halbjahres auch bereits einige reale Werte zu Grunde liegen, verbinden sich mit diesem Planziel durchaus berechtigte Hoffnungen.

So haben deutsche Privathaushalte in den ersten sechs Monaten dieses Jahres nicht nur für insgesamt 2,4 Milliarden Euro online eingekauft, sondern gleichzeitig auch etwa 27% mehr Einkäufe als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum getätigt. Rechnet man diese Werte nun hoch und berücksichtigt saisonale Effekte, so ergibt sich zunächst ein prognostizierter Gesamtumsatz für 2003 in Höhe von 5,3 Milliarden Euro. Addiert um die in der ersten Jahreshälfte beobachteten Steigerungsraten bezüglich der Kauffrequenz sowie des Einkaufswertes wäre laut GfK sogar der bereits oben genannte Gesamtumsatz von mehr als 5,7 Milliarden Euro möglich.

GfK Scope

Waren es in den ersten Jahren vor allem Bücher sowie Film- und Tonträger, die via Internet ihren neuen Besitzer fanden, hat sich deren Marktanteil 2003 auf gerade einmal 12% reduziert. Viel häufiger – nämlich mit einem Anteil von 45% - legten sich die Verbraucher laut GfK inzwischen Elektrogeräte in den virtuellen Warenkorb.

Ein noch genaueres Bild der besonders gefragten eCommerce-Artikel liefert die Untersuchung ACTA 2003. Hier hat man - unterteilt nach einzelnen Warengruppen – eine Aufstellung angefertigt, die für die einzelnen Produktbereiche die Zuwachsraten gegenüber 2002 aufzeigt, im Ergebnis aber zudem die Einschätzung der GfK unterstreicht.

Käufe

Doch die Allensbacher ACTA Untersuchung folgt eigentlich einem weitaus breiter angelegten Schwerpunkt, der auch als ein möglicher Erklärungsversuch für die steigenden eCommerce-Umsätze herangezogen werden kann. Es geht den Marktforschern hier nämlich um die Entwicklung der Internetnutzung in der Bundesrepublik Deutschland insgesamt. Und diese muss, im Vergleich mit den Ergebnissen die das Institut nunmehr seit 1998 publiziert, als durchaus dynamisch betrachtet werden. So liegt der Bevölkerungsanteil derer, die einen Computer beruflich oder privat nutzen, inzwischen bei 68,5%. Gleichzeitig wird der Anteil der Internetnutzer zwischen 14 und 64 Jahren heute bereits auf knapp unter 56% beziffert. Tendenziell erwarten die Marktforscher für die kommenden Jahre sogar noch einen Anstieg auf knapp zwei Drittel der Bevölkerung.

Nun zählt es zu den ungeschriebenen Gesetzen des Online-Handels, dass mit zunehmender Interneterfahrung die Bereitschaft der Nutzer zum Einkauf via Internet ebenso wächst wie das hierfür eingesetzte Investitionsvolumen. Vor diesem Hintergrund erscheinen die wachsenden eCommerce-Umsätze letztlich nur als logische Konsequenz. Allerdings gibt es auch noch einen weiteren möglichen Erklärungsansatz, der sich stärker an die derzeit bestehende Wirtschaftslage knüpft. So scheint das Internet auch im Jahre 2003 - und damit anders als in Prognosen früherer Jahre angenommen - ein El Dorado für Schnäppchenjäger zu sein. Bereits ein Blick auf den großen Markterfolg von Preisagenturen wie GuensTiger.de oder diverse „Tiefstpreis-Aktionen“ etablierter Bricks-and-Clicks, die vornehmlich via Internet kommuniziert werden, legen diese Vermutung nahe. In den USA kann man in diesem Zusammenhang sogar mit festen Zahlen aufwarten, die ein durchaus bemerkenswertes Ergebnis an den Tag bringen: So haben die Analysten von BizRate (s. hierzu auch die entsprechende ECIN-News vom 07.10.2003) herausgefunden, dass die immer häufiger vollzogenen Preisvergleiche einerseits die Anzahl an Bestellungen in die Höhe treiben, andererseits aber auch die Bestellwerte insgesamt sinken lassen. Häufiger, aber dafür billiger - scheint hierbei zunehmend das Motto der Online-Shopper in den USA zu sein, bei denen ohne Preisvergleich praktisch nichts mehr läuft. Ein Ergebnis, dass sich aufgrund der wachsender Nutzerzahlen hierzulande zwar so noch nicht ausdrückt, dessen Tendenzen aber durchaus übertragbar erscheinen.

Fasst man das Gesagte zusammen, so lässt sich festhalten: Der Anteil des Internet am Gesamthandel hat seine Sättigung noch nicht erreicht und für die Zukunft sind weitere Umsatzverschiebungen in Richtung eCommerce zu erwarten. Für den einen oder anderen ‚Quereinsteiger’ mag dieses die Aussicht auf ein gutes Online-Geschäft erhöhen, für die etablierten Unternehmen wird es dagegen vor allem um die Wahrung von Besitzständen gehen. Denn von einer steigenden Konsumbereitschaft der Bundesbürger, die neue und zusätzliche Einnahmen generiert, ist in den Untersuchungen soweit keine Rede.

Autor: Ralf Koyro

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