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ECIN Home | Aktuell | Spotlight | Dezember 2003

Betrug hat immer Konjunktur!
03.12.2003 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

Das Böse ist immer und überall – und vor allem im Internet: Schaut man sich die Berichterstattung in den Medien an, könnte man schnell zu der Überzeugung gelangen, dass sich im Internet hinter jedem zweiten Link ein Verbrechen verbirgt. Bittere Realität oder doch eher nur spannungsgeladener Sensationsjournalismus?

So warnte die Staatsanwaltschaft Osnabrück jüngst vor zunehmenden Delikten mit Hilfe von Einwahlprogrammen (Dialern) und betrügerischen Online-Auktionen. Es wurde angemahnt, dass die überwiegende Zahl der Nutzer inzwischen recht sorglos im Netz agiere und gleichzeitig die Methoden der Ganoven immer ausgefeilter würden. So handelt es sich inzwischen bei 50 Prozent der „Internet-Straftaten“ um „Dialer-Vergehen“, während der Anteil der eBay-Betrugsfälle um gut die Hälfte auf nunmehr 20 Prozent zugenommen hat. Die Gesamtzahl der zur Anzeige gebrachten Straftaten habe sich dabei im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt.

So alarmierend diese Zahlen auch sein mögen, verlieren sie bei näherer Betrachtung doch gleich wieder ein Stück ihres Schreckens: Denn mit der rapide steigenden Anzahl von Handels-Angeboten und Nutzern im Internet steigt naturgemäß auch die Zahl der „schwarzen Schafe“. Und wenn die Staatsanwaltschaft Osnabrück von einer Zunahme der zur Anzeige gebrachten betrügerischen Online-Auktionen um 50 Prozent im letzten Jahr berichtet, mag das in Bezug auf die absoluten Werte vielleicht zunächst frappierend erscheinen, legt man jedoch zu Grunde, dass allein die Zahl der eBay-Nutzer in der gleichen Zeitspanne weltweit von 24,2 Millionen um 55% auf nunmehr 37,4 Millionen Nutzer angestiegen ist, relativieren sich die Zahlen recht schnell.

Wahrscheinlich sind es eher die ständig wechselnden Betrugs-Maschen, die für Aufsehen sorgen. Um noch ein letztes Mal auf die Ergebnisse der Staatsanwaltschaft Osnabrück zu sprechen zu kommen: Während bis März dieses Jahres jede vierte Anzeige mit falschen Gewinnversprechungen im Internet und der Aufforderung eine 0190er Nummer zu wählen zusammenhing, ist der Anteil dieser Strafanzeigen inzwischen auf Null gesunken. Dafür haben momentan eben „Dialer“ Hochkonjunktur. Aber auch hier dürfte es alsbald ein „Abklingen“ der Betrugswelle geben. Dafür soll nicht zuletzt das neue Missbrauchsgesetz in Verbindung mit einer geänderten Rechtsprechung sorgen, die die Beweislast zunehmend auf die Schultern der Netzbetreiber legt und diesen damit eine aktivere Rolle bei der Dialer-Überwachung verordnet. So verlieren die entsprechenden Mehrwertdienste für die Telcos immer stärker ihren Charme als risikolose Umsatzbringer.

Und wie stellt sich die Situation für den Online-Handel dar? Besser denn je müsste die Antwort sein, wenn man einen Blick auf den aktuellen „Online Fraud Report“ der Marktforscher von Mindwave Research wirft. So ist der prozentuale Umsatzanteil, der durch Online-Betrug verloren geht, seit dem Jahr 2000 auf einem absteigenden Ast. Während im Millenium-Jahr bei den nordamerikanischen eTailern noch 3,6 Prozent Umsatz verloren gingen, ist diese Quote auf nunmehr 1,7 Prozent gesunken, Tendenz: weiter stark fallend! Erreicht wurde dies vor allem durch den verstärkten Einsatz von Adressverifizierungssystemen, die inzwischen bei 75 Prozent aller Online-Shops zum Einsatz kommen. Auch hat sich bei Kreditkartenzahlungen die Kartenprüfnummer, die sich auf der Rückseite der Kreditkarte befindet, als wirksamer Schutz vor Betrügereien entpuppt. Immerhin 44 Prozent der eTailer fragen diese bei Zahlungen zur Sicherheit ab. Demgegenüber spielen die Sicherheitslösungen der Kreditkartenunternehmen Verified by Visa (18 Prozent) und MasterCard SecureCode (12 Prozent) eher eine geringe Rolle.

Auch wenn die Betrugsmöglichkeiten im Netz vielfältiger Natur sind und aktuelle Fälle immer wieder für großes Aufsehen in den Medien sorgen, ist das Internet beileibe kein „Hort des Bösen“. Allzu schnell wird hierbei „übersehen“, dass dem deutschen Einzelhandel allein im stationären Sektor jährlich durch Diebstähle Verluste in Höhe von knapp drei Milliarden Euro entstehen.

Autor: Matthias Robben

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