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eCommerce: Eine Frage des Vertrauens
14.04.2004 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

Während die Marktforscher von Forrester innerhalb der nächsten fünf Jahre von einer Vervierfachung des europäischen Online-Handels ausgehen, zeigen sich die Experten der Europäischen Union bei diesem Thema deutlich skeptischer. Noch immer mangele es vielen Bürgern innerhalb der Union am notwendigen Vertrauen.

So veröffentlichte die Europäische Union Mitte des vergangenen Monats die Ergebnisse der aktuellen Eurobarometer-Umfrage mit dem Ergebnis, dass europaweit aktuell gerade einmal ganze 16% die Möglichkeiten des elektronischen Geschäftsverkehrs nutzen. Ein Desaster, wenn man wie Kommissionsmitglied David Byrne davon überzeugt ist, dass die Schaffung eines florierenden elektronischen Geschäftsverkehrs lebenswichtig für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft insgesamt sei. Doch noch nagen ganz offensichtlich tiefe Zweifel an vielen Europäern, was das Vertrauen in das Medium Internet an sich sowie den Einkauf via Internet im Speziellen betrifft. 55% derjenigen, die den Interneteinkauf gegenwärtig noch boykottieren, ziehen einen Einkauf im klassischen Ladengeschäft vor, weil sie die Ware zuvor lieber physisch in Augenschein nehmen möchten. Und 44% dieser Gruppe stehen den Informationen, die ihnen das Internet für den Einkauf anbietet, eher skeptisch gegenüber. Geht es dann um das Bezahlen, äußern immerhin noch 25% massive Skrupel bei der Nutzung digitaler Zahlungssysteme.

Doch diese Zahlen allein, geben ein eher verfälschtes Bild der europäischen Realitäten wieder. Faktisch gesehen unterliegt der eCommerce in Europa nämlich eher einem starken Nord-Süd-Gefälle. So kaufen in Dänemark (36%) und Schweden (37%) beispielsweise überproportional viele Menschen bereits via Internet ein und auch Deutschland liegt mit 21% noch ein gutes Stück über dem kontinentalen Durchschnitt. Wendet sich der Blick dagegen nach Griechenland, erweist sich der Begriff eCommerce in Anbetracht von gerade einmal 3% aktiver Online-Shopper tatsächlich noch als Fremdwort. Kaum besser sieht es in Portugal mit 4% aus, während sich Italien (7%) und Spanien (9%) langsam aber beständig dem europäischen Durchschnitt annähern.

Freut man sich in Skandinavien oder auch in Deutschland vor allem über die Bequemlichkeit des Online-Einkaufs, warten andere Nationen bis dato noch auf eine flächendeckende Verbreitung von Internetzugängen. Denn dem Barometer zufolge verfügen immerhin 57% der Menschen innerhalb der Europäischen Union bis dato noch über gar keinen Internetzugang. Aber auch Hackerangriffe sowie Nachrichten über Viren und Würmer tragen nach Sicht der Kommission zur Zurückhaltung beim eShopping bei. Vertrauensbildende Maßnahmen – wie etwa Zertifizierungen oder Gütesiegel – könnten einen Weg zu einem schnelleren kontinentalen Wachstum ebnen.

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Ungeachtet dessen sieht auch die Europäische Union die Zeichen ganz auf Wachstum, was dann wiederum eher dem Bild der Marktforscher von Forrester entspricht. Diese erwarten nämlich nicht weniger, als das sich der europäische Online-Handel mit 167 Milliarden Euro Umsatz innerhalb der kommenden fünf Jahre vervierfacht. Deutschland werde dabei 2008 Großbritannien in absoluten Zahlen als europäische eCommerce-Nation ablösen. Auf den Plätzen drei bis sechs liegen dann, bezogen auf den Warenumsatz im Internet, die Länder Frankreich, Italien, Schweiz und Spanien. Alleine in diesen sechs Ländern werden im Jahr 2009 Konsumenten 134,4 Mrd. Euro für Waren im Internet ausgeben. Von diesem Online-Warenvolumen entfallen dann auf Deutschland 42,75 Mrd. Euro, auf Großbritannien 40 Mrd. Euro und auf Frankreich 22,45 Mrd. Euro.

Rund acht Prozent wird 2009 in Europa nach der Prognose von Forrester Research der Umsatzanteil aller Warenkäufe im Internet am gesamten europäischen Einzelhandel ausmachen. Noch nicht berücksichtigt sind dabei die Erträge der neuen EU-Mitgliedsstaaten, die beim Online-Handel in der Entwicklung derzeit noch etwa fünf Jahre zurückliegen.

Zusammengefasst lässt sich festhalten: Innerhalb der europäischen Union klafft beim Thema Internet bis dato noch eine beträchtliche Lücke, die sich im Rahmen der bevorstehenden Osterweiterung auch noch weiter verstärken wird. Während die nördlichen sowie die Zentralstaaten auf immer größere Online-Umsätze bauen können, wird sich die Etablierung in vielen südlichen und osteuropäischen Staaten wohl noch über viele Jahre hinziehen.

Autor: Ralf Koyro

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