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Shopmacher CEO und Digitalpionier André Roitzsch zum Brandbrief des HDE:

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Deutlich zu kurz gesprungen - Digitalisierung des Handels endlich als Chance begreifen!

Ein großes mediales Echo hat der Brandbrief mit Absender Handelsverband Deutschland (HDE) an Bundesminister Horst Seehofer erzeugt. André Roitzsch, Digitalpionier und CEO der Shopmacher eCommerce GmbH & Co. KG, ist der Meinung, dass der HDE durchaus berechtigte Forderungen an die Politik benennt, jedoch deutlich zu kurz gesprungen ist und die wirklichen Herausforderungen für den Handel weitgehend ausblendet.

„Der vom HDE völlig zu Recht beklagte mehr als schleppende Ausbau der Infrastruktur in Deutschland ist selbstverständlich ein riesiges Ärgernis und ein Hemmschuh für den Handel. Das gilt für den stationären wie den internetgestützten Handel gleichermaßen.

Doch es ist wohl deutlich zu kurz gesprungen, die Schwierigkeiten der Händler in unseren Innenstädten allein auf infrastrukturelle Defizite zurückzuführen. Die Digitalisierung des Handels ist keine Bedrohung, sondern eine Chance. Wer sie erkennt und ergreift, der wird  Wettbewerbsvorteile haben. Wer sie verschläft, wird im Kampf um Marktanteile weiter ins Hintertreffen geraten. Meiner Erkenntnis nach haben viele Einzelhändler einfach noch nicht realisiert, was Phase ist.

Allein die Unterscheidung zwischen “traditionellem Handel” und “digitalem Handel” verweist auf ein tradiertes Verständnis. Es gibt nur noch Handel. Ein kluger Händler wird sich durch besondere Services versuchen vom Wettbewerb zu unterscheiden. Wie schon vor 100 Jahren. Heute bieten die Möglichkeiten der Digitalisierung unzählige Chancen, dies zu tun und sogar Wertschöpfungsketten zu sprengen und neu zu definieren. Manche tun das – und überholen damit jene, die keine Ideen haben. Sie werden ganz einfach verdrängt. Wie vor 100 Jahren.

Ich glaube, erfolgreicher Handel wird immer eine digitale Basis brauchen. Der Handel an sich ist längst ein digitales Business – ganz gleich, wo er stattfindet.

Händler halten Lieferanten, Warenbestand und Kunden in der Regel in Datenbanken vor. Also digital. Die Frage ist doch nur, wie und wo der Kunde die Ware begutachten, bezahlen kann und wie er sie erhält. So gesehen ist das ehemalige stationäre Geschäft nichts anderes als ein Showroom. Eine Möglichkeit, Ware zu bezahlen und zu erhalten. Aber das geht eben auch anders: an der Haustür, im Online Shop, auf dem Trödelmarkt – oder wo auch immer jemand meint, potenzielle Käufer zu finden.

Die spannende Frage ist: Wie kann ich für meine Ware und meine Kunden diesen Ablauf am besten darstellen … bzw. was stört beim Verkaufen und welche Möglichkeiten gibt es, das besser zu machen?

Warum wird mein neuer Anzug beim Herrenausstatter noch mit dem Aufzug zur Kasse geschickt, wenn ich ihn ausgesucht habe? Ich möchte ihn lieber direkt bei der Verkäuferin bezahlen, die mich beraten hat!

Warum muss ich im vollbesetzten Restaurant auf den Kellner warten, wenn ich gehen möchte? Ich möchte lieber beim Rausgehen automatisch zahlen!

Warum muss ich meine Wunschkonfiguration nochmal als PDF zum Autohändler mitbringen, wo er sie dann in einer 30-minütigen Session noch mal in sein System eingibt? Ich will da nicht so lange nutzlos rumsitzen!

Die Antwort: Weil diese Händler in getrennten Welten agieren. Andere werden das anders organisieren. Mit Hilfe digitaler Services. Sehr bald. Und das ist ein Vorteil, den Kunden dann nicht mehr missen wollen. Ganz einfach.

Natürlich kann man klagen, dass für solche Services die digitale Infrastruktur besser sein muss, damit es überhaupt funktioniert. Und die kann man von der Politik fordern.

Aber ich bezweifle, dass alle, die heute so laut danach rufen, tatsächlich schon die Konzepte in der Schublade haben, um sich mit der viel gerühmten Infrastruktur einen echten Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Denn vielfach werden doch die bereits bei der existierenden Infrastruktur vorhandenen Chancen bei weitem nicht genutzt. Da liegt noch viel Arbeit vor den Händlern. 

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