Online-Vermögensverwaltung ist nur der Anfang

Die digitalen Vermögensverwaltungsleistungen sogenannter Fintech-Unternehmen eignen sich dafür, um Menschen mit einem mittleren Vermögen an die professionelle Geldanlage heranzuführen. Steigen die Anforderungen, können wiederum klassische banken-unabhängige Vermögensverwalter ihre Kompetenzen anbieten.

Der Markt der Vermögensverwaltung als Dienstleistung ist in Bewegung, und insbesondere digitale Lösungen für die strukturierte Geldanlage kommen mehr und mehr in Mode. Mit nicht geringem Erfolg: So mancher Anbieter digitaler Vermögensverwaltungsleistungen hat es geschafft, in recht kurzer Zeit substanzielle Volumina einzusammeln.

Die Funktionsweise ist vergleichsweise einfach. Der Kunde eröffnet online ein Depot und vergibt den Auftrag zur Vermögensverwaltung. Das Fintech-Unternehmen wiederum legt dann dieses Geld nach der eigenen Strategie an. Direkten Kontakt zwischen dem Vermögensverwalter und dem Kunden, Besprechungen hinsichtlich der Ergebnisse und Strategien etc. gibt es nicht. Dafür jedoch können die Anleger alle Schritte und Entwicklungen in ihrem Depot live nachvollziehen, sei es über eine App oder stationär über eine Web-Anwendung. In der weiteren Entwicklung sind Chatfunktionen mit dem Vermögensverwalter eine weitere Option, um den Service für die Kunden breiter aufzustellen.

Vor allem jüngere Anleger mit einem Vermögen im mittleren fünfstelligen Bereich werden von dieser Fintech-Lösung angesprochen. Sie werden dort abgeholt, wo sie stehen, nämlich in der digitalen Welt, und können über Online-Lösungen an einer nachweisbaren Vermögensverwaltungsleistung partizipieren. Dadurch erhalten sie eine Alternative zum eher vertriebsorientierten Beratungsansatz von Banken und Versicherungen, die sonst ihre üblichen Ansprechpartner für Finanzfragen sind, und können ihr Geld (das Durchschnittsdepot bei digitalen Vermögensverwaltern liegt bei knapp 50.000 Euro) ohne Verkaufsdruck und festen Produktstrukturen anlegen. Damit erhalten sie einen Zugang zu einer echten Vermögensverwaltungsleistung und können diese Welt kennenlernen.

Doch was passiert, wenn das Vermögen wächst und die Fragen rund um die Verwaltung und künftige Gestaltung komplexer werden, etwas hinsichtlich der langfristigen Finanzplanung, der Steuerung von Beteiligungen oder sogar Themen der Vermögensnachfolge? Das sind Bereiche, die (bislang zumindest) weit über die üblichen Kompetenzen der Fintech-Unternehmen hinausreichen. Während strategische Gespräch gar nicht vorgesehen sind, ist auch die Anlagestrategie eher weniger komplex organisiert und eignet sich daher nur eingeschränkt dafür,  ein Vermögen, dass sich im gehobenen sechsstelligen Bereich oder vielleicht sogar darüber bewegt, breit gestreut anzulegen.

Viele digitaler Vermögensverwalter setzen vorrangig passive Indexfonds, ETFs, ein. Das ist bei gewissen Vermögensgrößen auch nachvollziehbar, aber bei einem Vermögen von beispielsweise 600.000 Euro (das Unternehmer und leitende Angestellte durchaus erreichen können) müssen andere Kriterien in die Überlegung einbezogen werden. Welche Aktien werden wie gewichtet? Bieten sich Alternative Investments als Beimischung an? Existiert auch Immobilienvermögen, das in die Gesamtbetrachtung gehört? Und welche Renditewünsche bestehen? Darauf muss die Vermögensverwaltung ausgerichtet sein und die richtigen Schlüsse fürs Depot ziehen.

Will heißen: Fintech-Unternehmen können dafür sorgen, dass sich Jüngere mit den Vorteilen einer Vermögensverwaltung befassen und den Start in diese „neue Welt“ gelingt. Aber die wirklich unabhängige Vermögensverwaltung spielt dann ihre Vorteile aus, wenn das Umfeld komplexer wird. Daher ist es wichtig, beide Lösungen zu kennen und zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen.

Thomas Lenerz ist Direktor bei der I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH. Der banken- und produktunabhängige Vermögensverwalter hat sich auf die Verwaltung gehobener privater und semi-institutioneller Mandanten sowie Stiftungen spezialisiert. Seit 1999 am Markt, verwaltet I.C.M. mehrere hundert Millionen Euro an Anlegergeldern ausschließlich in individuellen Portfolios, in denen sämtliche am Markt verfügbaren liquiden Instrumente eingesetzt werden und die einem kontinuierlichen Risikomanagement unterliegen. Weitere Informationen: http://www.i-c-m-mannheim.de/

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